Richtige Ausrüstung gibt Sicherheit
Absturzgefahr vermindern, im Notfall richtig reagieren

Beim Wandern und Bergsteigen lauern zahlreiche Gefahrenquellen.
  • Beim Wandern und Bergsteigen lauern zahlreiche Gefahrenquellen.
  • Foto: Snowline
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK (hege). Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit und der Tiroler Sportartikelhandel warnen alle Bergsportler ausdrücklich vor dem Absturzrisiko und dem Ausrutschen beim Queren und Begehen von Altschneefeldern sowie vor immer noch möglichen Nassschneelawinen.

Gefahrenquelle Schneefelder

Im heurigen Frühjahr und Frühsommer ist ab ca. 1800 Meter noch eine geschlossene Schneedecke anzutreffen. Auch unterhalb dieser Höhenlage sind noch zahlreiche Wege und zu querende Gräben in allen Expositionen zum Teil noch mit Schnee gefüllt. Wer sich oberhalb der Waldgrenze bewegt wird auf seiner Wanderung früher oder später in die Verlegenheit kommen, ein Schneefeld queren zu müssen. „Schneefelder sind eine auch von erfahrenen Berggehern oft unterschätzte Gefahr“, erklärt Karl Gabl, der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit. „Untersuchungen des renommierten DAV-Sicherheitsforschers Pit Schubert haben gezeigt, dass rutschende Bergsteiger auf einem harten, 40 Grad steilen Firn-/Schneefeld schon nach wenigen Metern annähernd dieselbe Geschwindigkeit erreichen wie im freien Fall“, erklärt der Experte die Gefahr. Jedes Jahr kommt es bei der Querung von Schneefeldern deshalb zu schwerwiegenden Unfällen, bei denen sich Berggeher sogar tödliche Verletzungen zuziehen. In diesem Frühjahr ereigneten sich schon mehrere tödliche Unfälle. Zudem warnt Gabl vor Nassschneelawinen. Vor kurzem wurde im benachbarten Bayern eine vierköpfige Familie in etwa 1600 Metern Seehöhe von einer Lawine mitgerissen und teilweise verschüttet.

Verhalten der Situation anpassen

Der Rat von Gabl, selbst Berg- und Skiführer: „Schon bei der Tourenplanung sollte die Route entsprechend gewählt werden. Es ist unbedingt anzuraten sich über den aktuellen Zustand der Wege sowie über die Begehbarkeit bei lokalen Tourismusverbänden oder den Hüttenbetreibern zu informieren. Aktuelle Hinweisschilder wie Lawinensperren, Wegsperren für z. B. Forstarbeiten oder Wegerhaltung sowie Verlaufsänderungen der Wege bzw. Hüttenzustiege sollte unbedingt Folge geleistet werden.“ Wechselt die geplante Route beispielsweise von der sonnigen Südseite auf Nord, kann ein aperer Wanderweg aufgrund von hartgefrorenem Altschnee innerhalb weniger Meter zu einer bergsteigerisch anspruchsvollen Flanke werden. Entsprechend sei die Ausrüstung anzupassen. Im Zweifelsfall müsse eine Tour abgebrochen werden. „Wenn die entsprechende Ausrüstung fehlt und auch die Erfahrung für das Queren von Schneefeldern nicht vorhanden ist, sollten Bergsteiger kein unnötiges Risiko eingehen und unbedingt umkehren“, rät Gabl.

Ausrüstung muss passen

„Um das Abrutschen im harten Schnee oder Sommerfirn zu verhindern, sind die im Tiroler Sportartikelfachhandel angebotenen Leichtsteigeisen aus Aluminium oder Grödel bzw. Snowspikes empfehlenswert. Auf harten Altschneefeldern sollten Bergsteiger und Wanderer keinesfalls auf diese Hilfsmittel verzichten und zusätzlich einen Pickel benutzen“, unterstreicht Katrin Brugger, Sprecherin des Sportartikelhandels in der Tiroler Wirtschaftskammer, und ergänzt: „Stöcke unterstützen zwar eine gute Lage des Schwerpunktes und können das Begehen von Schneefeldern erleichtern, sie können aber ein trügerisches Gefühl der Sicherheit vortäuschen. Kommt der Bergsteiger ins Rutschen geben sie keinerlei Sicherheit.“

Richtig agieren im Notfall

Generell sollten Bergsteiger und Wanderer vor dem Queren eines Schneefeldes Handschuhe anziehen. Die Kristallstruktur von Altschnee und Sommerfirn ist sehr scharfkantig und führt schnell zu schmerzhaften Verletzungen an den Händen. Entscheidend ist, unmittelbar nach dem Ausrutschen gleich in Bauchlage und in eine Art Liegestützstellung zu kommen. Nur so kann man effektiv abbremsen, bevor die Geschwindigkeit zu groß wird.

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