Corona-Krise
1.200 Anmeldungen für Sommerschule in Kärnten

Es gibt 1.200 Anmeldungen für die Sommerschule in Kärnten. Sie startet am 31. August.
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Zum Schulschluss sprach die WOCHE nochmal mit Bildungsdirektor Robert Klinglmair. Das Interesse an der Sommerschule in Kärnten ist groß. Sie findet an 30 Standorten statt.

WOCHE: Heuer gibt es in den letzten beiden Ferienwochen die Sommerschule. Wie sieht das genau aus?
ROBERT KLINGLMAIR:
Sie startet am 31. August und läuft zwei Wochen, jeweils vier Stunden am Vormittag. Zielgruppen sind Schüler der Volksschule und Sekundarstufe I, speziell außerordentliche Schüler (Herkunft), jene mit einem Nicht genügend in Deutsch oder einem nicht abgesicherten Genügend. Es geht also um jene, die es am dringendsten brauchen. In Kärnten wären das rund 1.700 Schüler, es gibt 1.200 Anmeldungen. Das sind 70 Prozent, die Sommerschule stößt also auf Interesse. Die Sommerschule findet an rund 30 Standorten statt, es haben sich knapp 90 Lehramtsstudierende und zusätzlich 110 Lehrkräfte gemeldet. Nun startet die Detailplanung. Der Schülertransport etwa läuft über den Bund. 

Ihr Resümee zum Schulbetrieb in der Corona-Zeit: Welche Lehren kann man für die Zukunft daraus ziehen?
Das Virus hat uns quasi über Nacht erwischt, wir hatten kein wirkliches Konzept. Dafür hat es gut funktioniert. Für die Eltern war das Homeschooling eine große Belastung, auch für die Schulen, wobei hier in einigen Bereichen nachgeschärft wurde. Zum Glück gab es beim Schichtbetrieb und der Betreuung der Sechs- bis 14-Jährigen nie räumliche oder personelle Engpässe, weil trotzdem wenige Schüler in die Betreuung gebracht wurden. Die Schulen waren perfekt vorbereitet, die Lehrer sehr engagiert. Viele Lehrer über 60 Jahren haben unterrichtet, in den Osterferien gab es Betreuung etc. Es gab glücklicherweise auch nur einen Corona-Fall, den in der HTL Mössingerstraße. 
Natürlich gibt es auch Lehren nach diesem ungewohnten und herausfordernden Schuljahr: In den Volksschulen und der Sekundarstufe I hat man gemerkt, dass es sehr wohl gut möglich ist, digitale Kanäle zu nutzen, obwohl es nicht im Lehrplan steht. In der Bildungsdirektion habe ich persönlich gemerkt, dass man nicht alles persönlich machen muss, vieles geht auch digital. Wir können digitale Kommunikation in der Behörde und den Schulen in Zukunft verstärkt einsetzen. Sollte ein Herunterfahren des Schulbetriebes nochmal notwendig sein, sind wir besser aufgestellt. In den höheren Schulen finden die digitalen Möglichkeiten nun mehr Beachtung, da hat alles perfekt funktioniert.  

Was mir weiters in Erinnerung bleibt, ist große Solidarität. Mit der Initiative „Laptops für sozialbenachteiligte Kinder und Jugendliche“ von Industriellenvereinigung Kärnten, Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds, Land Kärnten und Bildungsdirektion konnten wir viele Firmen gewinnen, die Notebooks gesponsert haben. Der Bedarf von 777 Laptops wurde fast gedeckt, in neun von zehn Bezirken, in Klagenfurt sind wir auch fast fertig. Da es sich um keine Leihgeräte handelt, ist das eine nachhaltige Aktion. Danke an alle dafür.

Homeschooling hat sich durchaus als Alternative für gewisse Situationen herausgestellt. In welchen Bereichen wäre Homeschooling auch in Zukunft denkbar?
In Österreich gilt der Präsenzunterricht. Gesetzlich ist Homeschooling derzeit nicht vorgesehen. Ich wäre aber dafür, solche digitalen Möglichkeiten verstärkt für Sprechstunden und die Vernetzung der Schüler untereinander zu nutzen. 

Noch etwas Persönliches: Wie wird Ihr Sommer aussehen? Haben Sie endlich wieder Zeit für Entspannung, nachdem die letzten Monate sicherlich unglaublich anstrengend waren…
Wir sind jetzt in den Vorbereitungen für das nächste Schuljahr, planen die Sommerschule und müssen auch mitdenken, was passiert, wenn wir im Herbst nicht normal starten können. In dieser spannenden und herausfordernden Zeit habe ich viel gelernt. Aber es muss sich auch etwas Entspannung ausgehen, im August freue ich mich auf ruhige Zeiten auf meinem Stand-up-Paddle.

Zusatzfrage: In Bezug auf die Informationen des Landes (hier mehr) gab es im Jahr 2018 an Kärntens Schulen nur 13 Elternabende zum Thema Suchtprävention, 2019 waren es nur 15. Und das, obwohl 2018 sehr viele Drogentote zu beklagen waren. Woran liegt das? Sind hier Schwerpunkte geplant?
Solche Zusatzangebote sind Aufgaben der Schulen. Aber es gibt viele weitere Initiativen, auch Kooperationen der Bildungsdirektion – etwa in Kooperation mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Workshops mit der Polizei, eine Info-Kampagne mit dem Land zum Suchtmittelgesetz, das Thema ist bei der Fortbildung der Lehrer dabei… Ich bin auch der Meinung, dass jeder Schüler in seiner Schullaufbahn einmal mit Drogenprävention konfrontiert werden soll und die Bildungsdirektion unterstützt das, kann aber nicht selbst Drogenberatungen vornehmen. Pädagogen, Eltern und Schüler müssen sensibilisiert werden. 
Wir haben aber auch weitere Info-Kampagnen zum Rauchen, Hautschutz, Alkohol oder Cybermobbing.

Zur Sache:
Durch den "Schichtbetrieb" in den Schulen und die unterschiedlichen Systeme (Unterricht Montag bis Mittwoch und für den anderen Teil der Schüler Donnerstag und Freitag oder Reißverschlusssystem) werden einige Schüler die Zeugnisse schon am Mittwoch bekommen, weil es ihr letzter Schultag ist. Andere sind am Donnerstag dran, andere "normal" am Freitag.

Es gibt 1.200 Anmeldungen für die Sommerschule in Kärnten. Sie startet am 31. August.
Der Kärntner Bildungsdirektor Robert Klinglmair hat in der herausfordernden Corona-Zeit auch viel gelernt. Für ihn gibt es aber noch keine Sommerferien.

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