BKH St. Johann
Rund um die Uhr für die Patienten im Einsatz

Schwerarbeit in Schutzkleidung. Die Mitarbeiter des BKH sind rund um die Uhr für ihre Patienten da.
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  • Schwerarbeit in Schutzkleidung. Die Mitarbeiter des BKH sind rund um die Uhr für ihre Patienten da.
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Stand: Montag, 30. März: Über 200 positive Fälle zählte man vergangene Woche bereits im Bezirk Kitzbühel, leider sind auch schon erste Todesfälle zu beklagen. Am Bezirkskrankenhaus (BKH) St. Johann ist man rund um die Uhr im Einsatz, um alle Patienten bestmöglich zu behandeln.

ST. JOHANN (jos). “Die Corona-Pandemie ist eine Situation, die wir alle in dieser Dimension noch nie zu bewältigen hatten. Trotz dieser Einmaligkeit sind wir jedoch vorbereitet und hoffen, dass wir das Schlimmste verhindern können, nämlich die Überforderung unseres Gesundheitssystems", so der Ärztliche Direktor des BKH Norbert Kaiser. “Es kommt jetzt aber nicht nur auf die richtigen Maßnahmen, sondern ganz besonders auf die Disziplin der Bevölkerung und jedes Einzelnen an, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.”
"Erfreulich sei die Tatsache, dass der Verlauf der meisten Erkrankungen in der Summe derzeit noch nicht so dramatisch wie z. B. in Oberitalien ist", so Kaiser, “aber wir hatten auch schon Patienten, bei denen die Erkrankung fulminant verlief. Wichtig ist es, frühzeitig und individuell zu erkennen und zu entscheiden, welche Therapie für welchen Patienten nötig ist. Wir müssen dabei extrem wachsam sein, schwere Verläufe sind nicht nur besonders bei älteren Menschen, sondern prinzipiell in allen Altersgruppen möglich. Alle Mitarbeiter leisten in dieser Ausnahmesituation Außergewöhnliches”, betont Kaiser, “ganz besonders diejenigen, die im Isolationsbereich unmittelbar die Pflege, Behandlung und sonstige Betreuung durchführen, unter erschwerten Bedingungen dem eigenen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind und mit Masken und in Schutzkleidung direkt an den Patienten arbeiten. Sie alle leisten in den letzten Tagen und Wochen großartige Arbeit, ihre Leistung kann gar nicht genug gewürdigt werden.”

Schutzmaßnahmen für Patienten und Mitarbeiter



Schon frühzeitig wurden die ersten Maßnahmen eingeleitet: Ende Februar wurde die externe Infektionsambulanz eingerichtet, um Verdachtsfälle isoliert prüfen zu können (die BEZIRKSBLÄTTER berichteten). Schon bald folgte mit der Eröffnung einer “Drive-through-Teststraße” eine besonders effektive und sichere Möglichkeit, Menschen durch das geöffnete Autofenster auf eine mögliche Infektion zu testen. Hier werden bis zu 100 Testungen pro Tag durchgeführt. Die Anmeldung muss über die Leitstelle (1450) erfolgen.
Es wurden eigene, isolierte COVID-19-Stationen eingerichtet, um erkrankte Patienten von allen anderen Patienten und Mitarbeitern zu trennen und so eine Verbreitung des Virus im Haus zu verhindern. Zudem gibt es weitreichende Vorkehrungen zur Verhinderung bzw. Begrenzung eventueller Infektionsfälle in der Belegschaft.



Herausforderungen für die Intensivmedizin



Eine besondere Rolle kommt der intensivmedizinischen Betreuung zu. Das Hauptproblem der Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, stellt die Lungenentzündung dar. Wenn einfache Atemunterstützung nicht ausreichend hilft, muss eine Beatmung begonnen werden. Die Station und das Team ist sehr gut auf die Besonderheiten im Zuge der Pandemie vorbereitet. Derzeit stehen acht Beatmungsplätze zur Verfügung.
Die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus im Zuge der intensivmedizinischen Handlungen ist besonders groß. Die deswegen erforderlichen zusätzlichen Hygienevorschriften und das Tragen entsprechender Schutzkleidung stellen zusätzliche Belastungen dar. Um für neue Intensivpatienten aufnahmefähig zu bleiben, werden zu beatmende Patienten teilweise an die Klinik Innsbruck verlegt. Die Aufnahmeplätze werden für andere Notfall-Patienten bereitgehalten.

Belastende Schwerarbeit



Pflegedirektor Harald Sinnhuber: “Die Mitarbeiter der Pflege leisten vor allem in unseren Isolierbereichen und unserer Intensivstation zurzeit physisch und psychisch überragende Arbeit. Diese Arbeit ist schon unter "normalen" Bedingung Schwerarbeit. Jetzt wird in mehreren Bereichen (Corona-Ambulanz, Isolierstationen und Intensivstation) diese Arbeit von ca. 150 Pflegefachkräften in Schutzkleidung geleistet, die jeden Handgriff doppelt anstrengend macht. Dazu kommt natürlich noch die psychische Belastung, dass man sich auch selbst jederzeit anstecken und schwer erkranken kann. Die Pflegenden müssen jetzt für ihre Patienten noch mehr präsent sein als sonst, da eine wichtige Stütze in der Begleitung der Kranken weitgehend ausfällt: ihre Angehörigen.
Ein besonderes Augenmerk liege zur Zeit darin, die Pflegekräfte so gut wie möglich durch die Bereitstellung von Schutzkleidung zu schützen und die Dienste so zu gestalten, dass sie zwischen ihren Schichten ausreichend Zeit zur Erholung finden." Sinnhuber weiter: “Wir sind sehr dankbar, dass wir ein so großartiges Team haben.”



Viele stille Helden



Das Krankenhaus muss auch in der Krise wie immer funktionieren: auch, wenn planbare (nicht dringend nötige) Operationen schon vor Wochen nach und nach reduziert und schließlich ganz abgesagt wurden, um Kapazitäten für Corona-Patienten zu schaffen, läuft der Betrieb weiter: stationäre Patienten müssen ebenso wie Notfälle versorgt werden. Nicht nur die medizinischen und pflegerischen Abteilungen müssen funktionieren, sondern auch die Haustechnik, Küche, Verwaltung, Wäscherei – alles wie eben im Normalbetrieb auch. Für die rund 700 Beschäftigten eine besondere Belastung: sie gehören zu den “systemerhaltenden” Personen, die nicht einfach in das Homeoffice wechseln oder in Kurzarbeit geschickt werden können. 

Die Bewältigung der Pandemiesituation ist auch für die Verwaltung eine große Herausforderung. Ein hohes Maß an Flexibilität hinsichtlich der Dienstmodelle im Krisenbetrieb ist gefordert, um einen durchgehenden Betrieb trotz evtl. Ausfälle durch Erkrankung von Mitarbeitern zu sichern. Nicht zuletzt die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Desinfektionsmitteln hat sich als Aufgabe herausgestellt, die nur mit größtem Einsatz gelingt.

Sicherheit für Mütter und Neugeborene



Der Betrieb der Geburtenabteilung ist unbeeinträchtigt. Werdende Mütter können mit oder ohne Corona-Virus Infektion problemlos im BKH entbinden. Ein zusätzlicher Kreißsaal im Isolierbereich ermöglicht eine strikte Trennung der Corona-Virus-tragenden von den infektfreien Müttern. Es besteht keine Infektionsgefahr. 

Es gibt auch erfreuliche Meldungen: Eine junge Frau mit COVID-Verdacht schenkte vor kurzem im Isolier-Kreißsaal der Geburtenabteilung einem gesunden Kind das Leben. Ein Lichtblick in schweren Zeiten. Franz-Martin Fink, Leiter der Kinderabteilung: “Aus kinderärztlicher Sicht kann ich auch COVID-positive Mütter beruhigen, das Neugeborene ist nicht wirklich gefährdet.“

Auch Christian Deetjen, Leiter der Gynäkologie und Geburtenabteilung, beruhigt: “Es gibt derzeit keinen Hinweis für ein erhöhtes Risiko für werdende Mütter durch eine Coronavirus-Infektion im Vergleich zu anderen Infekten. Vorsicht ist jedoch geboten, da die Datenlage dazu dürftig ist und Langzeitbeobachtungen völlig fehlen.“

Entwicklungen in der dritten Quarantäne-Woche
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