Pletzer Gruppe – Interview
"Stehen auf mehreren Beinen"

Großer Schritt für das Skigebiet: Toni und Manfred Pletzer mit der neuen Salvistabahn Itter.
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HOPFGARTEN (niko). Anton "Toni" Pletzer machte schon früh von sich reden, als er mit 19 Jahren der jüngste Unternehmer Tirols wurde. Die Gründung der Fa. Pletzer Installationen in Hopfgarten war der Startschuss für die Unternehmensgruppe, die heute im Tourismus (Hotelbetriebe, Bergbahnen), im Immobilienbereich und in der Industrie (Pletzer Installationen, APL Apparatebau, iDM Energiesysteme, Brennerei Erber) tätig ist und über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Für das laufende Geschäftsjahr wird ein Umsatz von 200 Millionen € erwartet.
Die Bezirksblätter trafen Vater und Sohn Pletzer zum Gespräch.

BEZIRKSBLÄTTER: Das Großprojekt 'Salvistabahn Itter' ist in Bau. Gab es (Corona-)Probleme?
TONI PLETZER:

"Vor Baubeginn im Frühjahr gab es 14 Tage Bedenkzeit, als der Lockdown kam. Wir haben das 25-Millionen-Euro-Projekt dann aber wie geplant durchgezogen. Wir sind nun voll im Zeitplan, im Dezember kann die Bahn in Betrieb gehen. Komplett erneuert und auf modernsten Stand gebracht wurde auch der Maschinenpark, der nun im neuen Technikzentrum gewartet und zwischengelagert werden kann. Hier wurde alles für das gesamte Hopfgartner-Itter Skigebiet zentralisiert, die Beschneiung mit dem zweiten Speicherteich verbessert. Die Energiebilanz wird durch eine effizientere Beschneiung verbessert, das war auch ein prioritäres Ziel bei dieser Großinvestition. Neu wird auch der Sommerbetrieb sein; mit dem naturnahen See ist eine Attraktion entstanden. Unser Dank geht an Projektleiter Friedl Eberl, der sich Tag und Nacht eingesetzt hat."

Gleich daneben kommt Bewegung in das Projekt Mittererwieslift (Dorflift Itter)?
TONI PLETZER:
"Es handelt sich hier um eine eigene Liftgesellschaft, aber wir als Hopfgartner Bergbahnen führen den Betrieb; Friedl Eberl hat kürzlich auch die Geschäftsführung übernommen. Für 2021 ist der Neubau samt Beschneiungsanlage geplant. Beiträge von jeweils 600.000 € werden Gemeinde und TVB leisten und wir haben um eine Kleinstskigebietsförderung beim Land angesucht. Zudem bauen wir 2021 von der Salvista-Talstation einen Verbindungs-Schlepplift in Richtung Dorflift. So entsteht ein kleiner 'Skizirkus' am Itterer Gelände und eine direkte Anbindung beider Schlepplifte."

Wie ist die Situation bei der Buchensteinwand/Bergbahnen Pillersee?
TONI PLETZER:
"Die Kapelle im Jakobskreuz wurde fertiggestellt und eröffnet, die Weihe durch den Bischof werden wir im Frühjahr nachholen. Im Sommer gab es rund 15 % Minus, das ist dem Corona-Problem geschuldet (späterer Beginn, früherer Schluss); insgesamt wird es ein Minus von 20 % für die Gesamtsaison geben, wir sind aber trotzdem zufrieden. Die allgemeine Lage bzw. Stimmung hat sich mit dem neuen Geschäftsführer beruhigt. Wir führen alle nötigen Revisionen durch und hoffen auf ein Ende der Coronakrise. Investitionen müssen derzeit zurückgestellt werden. Geplant wäre eine neue Gondelbahn, ein größerer Speicherteich sowie ein Hotel bei der Talstation. Dafür braucht es aber einen touristischen Aufschwung im Ort, insbesondere bei der Bettenanzahl, die zuletzt rückläufig war. 3.000 Gästebetten sind dazu notwendig. Wir haben seit November 2017 jedenfalls rund 2 Mio. € hier investiert."

Sie haben kürzlich die Reuttener Seilbahnen übernommen.
TONI PLETZER:
"Es war eine einmalige Gelegenheit, die sich eröffnet hat, nachdem der frühere Eigentümer den Betrieb nicht mehr weiterführen wollte. Ich sehe in der neu benannten 'Bergwelt Hahnenkamm' sehr viel Charme und Potential. Am 11. Dezember soll neu eröffnet werden. Alle Anlagen waren in höchst desolatem Zustand, wir mussten alles erneuern und überholen und eine große Revision bewerkstelligen, um überhaupt öffnen zu können. Weitere Investitionen werden nötig sein (neuer Lift, Beschneiung mit Teich, Maschinenpark, Servicecentrum). Positiv ist, dass wir das alte, erfahrene Team ins Boot holen konnten. Sehr gut ist auch die Zusammenarbeit mit Gemeinde und TVB."

Investiert wurde auch in Bayern - Skigebiet Sudelfeld und Hotel "Das Bayrischzell".
MANFRED PLETZER:
"Die Sudelfeld-Bergbahnen wurden in den letzten Jahren unter Beteiligung unserer Gruppe sukzessive ausgebaut und modernisiert. Noch offen ist eine Seilbahn und damit direkte Verbindung von Bayrischzell direkt ins Sudelfeld, da gibt es aber schwierige Verhandlungen. Das Hotel 'Das Bayrischzell' ist seit 1. August sehr erfolgreich in Betrieb. Im Oktober mussten wir Corona-bedingt wieder schließen. Es ist unser fünftes Resort innerhalb der Gruppe. Das Haus ist Familien-ausgerichtet und soll als Ganzjahresbetrieb geführt werden. Günstig ist die Nähe zu München. Trotz Corona gibt es bereits eine gute, wenn auch noch verhaltene Buchungslage. Wir sind zuversichtlich."

Die Gruppe ist auch im Immobilienbereich erfolgreich.
MANFRED PLETZER:
"Ja, damit beschäftigen wir uns seit über 30 Jahren. Wir haben vermietbare Flächen von rund 400.000 Quadratmetern in ganz Österreich in den Bereichen Retail (Fachmarktzentren, Einkaufszentren) und Gewerbeimmobilien. Den Großteil davon haben wir selbst errichtet und verwalten diese auch selbst.

Die Corona-Krise ist das beherrschende Thema. Ihre Einschätzungen?
TONI PLETZER: "Persönlich bin ich optimistisch. Im Unternehmen sind wir breit aufgestellt. Das ist zweifellos ein Vorteil. "
MANFRED PLETZER: "Die Industrieunternehmen laufen Gott sei Dank hervorragend. Der Fokus auf erneuerbare Energien macht sich bezahlt, Wärmepumpen sind auf Erfolgskurs, da hat uns Covid-19 sogar in der Nachfrage geholfen. Wir gehen verstärkt in diese Richtung. In der Produktion konnten wir durcharbeiten, die Lieferkette war nicht beeinträchtigt. Zwar war die Arbeit im Lockdown schwierig, wir konnten aber alle Vorsichts-/Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, es gab praktisch keine Infektionen in den Betrieben. Gesamtheitlich hilft uns unsere breite Streuung mit Tourismus (Einbußen), Immobilien (neutral), Industrie (Aufschwung). In Klagenfurt haben wir als einziges Hotel für Geschäftsreisende offen.

Wie stehen Sie zu den diversen Corona-Maßnahmen?
MANFRED PLETZER:
"Ganz allgemein habe ich Verständnis für die Maßnahmen. Kontraproduktiv fand ich die 22-Uhr-Sperrstunde, da hat sich das Corona-Geschehen ins Private verlagert; daraus sollte man lernen, denn das war einfach nicht hilfreich. Wichtig ist vielmehr der Schutz vulnerabler Menschen, da gab es seitens des Landes Versäumnisse, wie auch die jüngsten hohen Infektionszahlen etwa im Hopfgartner Sozialzentrum oder in Spitälern zeigen. Das ist schockierend.
Kritisch sehe ich auch, dass wir in Tirol bis jetzt keine Epidemieentschädigungen ausgezahlt bekamen. Der Vertrauensverlust gegenüber der Politik ist einigermaßen groß."

Es haben eine 'Familienverfassung' für die Gruppe. Was kann man sich darunter vorstellen?
MANFRED PLETZER:
"Wir haben sozusagen Spielregeln, eine Governance für Gruppe, Familie und Mitarbeiter festgelegt. Als Basis für unsere Arbeit wurden fünf zentrale Werte definiert, die uns in unserem Tun leiten. Die Tradition, unsere Herkunft ist einer der zentralen Begriffe; dazu kommt die Innovation, die nicht im Gegensatz zur Tradition steht; Verantwortung für Mitarbeiter und für das, was wir tun und für unsere Standorte ist ebenso essentiell, genauso der Wille zur Leistungsbereitschaft; als Dach darüber steht das Vertrauen, wir stehen zur 'Handschlagqualität'. Damit gehen wir auch in die Zukunft und werden weiterhin bemüht sein, Synergien zu schaffen und auf mehreren wirtschaftlichen Füßen zu stehen."

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