Nach Rückzug
Rohrdorfer legt neuen Deponie-Antrag für Schwoich vor

Rohrdorfer-GF Mike Edelmann erklärte bereits im August 2019 im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN: "Wir haben die G-klassifizierten Stoffe aus dem Antrag gestrichen und werden das auch in Zukunft nicht beantragen".
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  • Rohrdorfer-GF Mike Edelmann erklärte bereits im August 2019 im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN: "Wir haben die G-klassifizierten Stoffe aus dem Antrag gestrichen und werden das auch in Zukunft nicht beantragen".
  • Foto: Noggler/BB Archiv
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Nachdem im Juli bekannt wurde, dass die Firma Rohrdorfer ihren Antrag für eine Baurestmassendeponie in Schwoich überraschend zurückzog, kommt nun die Wende: die Firma reichte am 14. September einen neuen Antrag ein. Die örtliche Bürgerinitiative stellt sich weiterhin gegen die geplante Deponie und will ein wachsames Auge auf den Wind sowie das Blut der Anrainer in Schwoich haben.

SCHWOICH (bfl). Es war eine Überraschung, die gemischte Gefühle in Schwoich auslöste: Die Firma Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH zog im Juli ihren Antrag für die geplante Baurestmassendeponie zurück. "Ich habe mich immer wieder einmal bei der zuständigen Abteilung im Land über den Verfahrensstand informiert und habe so diese Neuigkeit Ende Juli in Erfahrung gebracht", erklärt Schwoichs Bgm. Peter Payr. Auch die Vertreter der Bürgerinitiative (BI) „Nein zur Baurestmassendeponie Schwoich“ haben Mitte August vom Landesvolksanwalt ein Schreiben bekommen, dass das Verfahren eingestellt bzw. vom Projektwerber zurückgezogen wurde. Der Antrag sei dabei mit einem Einzeiler und ohne Angabe von Gründen zurückgezogen worden.

Auf Rückzug folgte Neueinreichung

Der Rückzug kam zwar überraschend, dürfte aber nicht die von Schwoichern erhoffte Wende im Deponie-Poker darstellen. Im Gegenteil: die Karten wurden nun neu gemischt. Wie die Firma Rohrdorfer gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN bestätigte, wurde neu eingereicht. "Die Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH hat mit 14. September einen konsolidierten Antrag zur geplanten Deponie in Schwoich beim Land Tirol eingereicht – der bestehende Antrag wurde Anfang Juli zurückgezogen. Das Vorhaben zur Errichtung einer Deponie bleibt somit mitsamt aller getätigten freiwilligen Zusagen aufrecht", heißt es in einer Erklärung seitens der Firma. 

Auf Vorschläge "eingegangen"

Man sei im neuen Antrag "umfassend auf die Verbesserungsvorschläge und Stellungnahmen der Behörde und Parteien im Genehmigungsverfahren eingegangen", so die Firma Rohrdorfer. Auch der neue Antrag enthält laut Rohrdorfer keine asbesthaltigen Stoffe, keine Gefahrenstoffe und sehe eine Begrenzung der jährlichen Anlieferungsmenge vor. Die freiwillig getätigte Verpflichtungserklärung bleibe aufrecht. Im Fall einer Genehmigung werde auch künftig kein nachträgliches Ansuchen für Asbest oder G-klassifizierte Stoffe gestellt.

"Zur Nachvollziehbarkeit und Transparenz werden die Aufzeichnungen über angenommene Abfallarten – gegliedert nach Abfall-Schlüsselnummern – jährlich dem Gemeinderat offenlegen und erläutern. Darüber hinaus wird eine Luftmessstation errichtet, die der Bevölkerung tagesaktuell Messwerte zur Verfügung stellt",

 
erklärt die Firma Rohrdorfer in ihrer Stellungnahme.

"Wir planen keine Asbestdeponie", sagte der damalige Gesamtverantwortliche der Rohrdorfer Gruppe, Mike Edelmann, am 11. April 2019 bei der Bürgerversammlung in Schwoich.
  • "Wir planen keine Asbestdeponie", sagte der damalige Gesamtverantwortliche der Rohrdorfer Gruppe, Mike Edelmann, am 11. April 2019 bei der Bürgerversammlung in Schwoich.
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Dabei dürfte es Rohrdorfer auch um die Unübersichtlichkeit des alten Antrags gegangen sein: Neu eingereicht habe man, um die bereits mehrfach überarbeiteten Unterlagen "vollständig bereinigt sowie nachvollziehbar, schlüssig und transparent" zusammenzufassen. Etwas geändert hat Rohrdorfer im neuen Antrag zum Beispiel beim Thema Emissionen. Zur geringstmöglichen Staubbelastung wurde die Voraussetzung zur Beregnung der Anfahrtsstraße im Antrag "neu projektiert". Im Bereich des Naturschutzes wurden die bereits im Zuge des Bergbaus durchgeführten Maßnahmen miteinbezogen. Aber auch die Anlieferfrequenzen wurden laut Rohrdorfer genauer definiert – dabei sei keine Steigerung im Vergleich zum bisherigen Antrag vorgesehen. 

BI misst weiterhin Wind und entnimmt Blut

Ein Knackpunkt in Schwoich dürfte dabei weiterhin der Wind bleiben. Nicht nur die Gemeinde Schwoich hat eine Windmessstation errichtet, auch die BI misst den Wind, während die Firma Rohrdorfer von der ZAMG eine eigene Windmessstation aufstellen lässt. Die BI habe mit Eigenmessungen nachgewiesen, dass die im ursprünglichen Projektantrag angegebenen Winde "nichts mit den tatsächlichen Verhältnissen zu tun haben", erklärt Armin Hofreiter, Sprecher der BI.
"Die Windstärke ist deshalb wichtig, weil Materialstaub aufgewirbelt werden kann und dieser Staub dann verteilt wird und die Anrainer diesen einatmen", sagt Hofreiter. Die Bürgerinitiative hat auch eine Blutdatenbank mit 75 Anrainern angelegt, mit der sie jede systematische Veränderung der Schwermetalle im Blut nachweisen kann. Bei jedem Anrainer wurden zehn Werte eruiert. Insgesamt liegen also 750 Werte vor. "Diese waren fast zur Gänge im grünen Bereich", sagt Hofreiter. "Sollte also eine Deponie kommen und Schwermetalle freigesetzt werden, können wir das medizinisch einwandfrei nachweisen und dann wird es sicher sehr ungemütlich für die Rohrdorfer", so Hofreiter.

Die Schwoicher ließen sich für die Blutdatenbank bereits im Oktober 2019 Blut abnehmen.
  • Die Schwoicher ließen sich für die Blutdatenbank bereits im Oktober 2019 Blut abnehmen.
  • Foto: Fischer/BI Schwoich
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So geht's in Schwoich weiter

"Wir werden mit der Windmessstation der Gemeinde laufend Daten sammeln", zeigt sich Hofreiter von der BI jedenfalls entschlossen. Im Nationalrat werde derzeit darüber hinaus die vom SP-Bezirksvorsitzenden Christian Kovacevic eingebrachte Parlamentarische Bürgerinitiative behandelt (die BEZIRKSBLÄTTER berichteten), die unter anderem einen Mindestabstand zu Anrainern fordert. "Diese Eingabe wird derzeit von Experten in Wien begutachtet. Wir sind dazu unter anderem mit Barbara Nessler von den Grünen in Kontakt und würden dort auch gerne vorsprechen, um die Situation von betroffenen Bürgern zu schildern", so Hofreiter. 
Man beobachte die Aktivitäten der Rohrdorfer sehr genau, auch was die Aktivitäten im Steinbruch angeht und sei laufend in Kontakt mit der Gemeinde. Die Bürgerinitiative werde sich "mit aller Kraft gegen ein neues Projekt stemmen". Das Amt der Tiroler Landesregierung wird das neue Ansuchen von Rohrdorfer nun jedenfalls weiterhin eingehend nach strengen ökologischen Kriterien beurteilen.

Langer Deponie-Poker

Bereits im April 2019 informierte die BI bei einer gut besuchten Bürgerversammlung in Schwoich über die geplante Deponie (die BEZIRKSBLÄTTER berichteten). Starke Rückendeckung bekamen sie dabei von vielen Schwoichern, die sich geschlossen gegen die Deponie stellten. Die Firma Rohrdorfer kündigte dann letztendlich im August 2019 den Verzicht von Asbest in der geplanten Deponie an und reichte im September 2019 einen überarbeiteten Antrag zur Prüfung beim Land Tirol ein.

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