Autobiographisches Schreiben
Besondere Meilensteine im Leben von Helene Roj
- Das Foto zeigt Helene Roj bei der Lesung des Literaturkreis Lebring im Vorjahr in Lebring.
- hochgeladen von Waltraud Fischer
Im Rahmen von "StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt" widmet sich aktuell in der Frauenberatungsstelle Leibnitz eine Gruppe dem "Autobiographischen Schreiben". Auch Helene Roj ist Mitglied dieser Gruppe und hat ihre Gedanken aufs Papier gebracht.
Helene Roj schreibt: Als mein Bruder Wandertag hatte und in den Rucksack eine Wurstsemmel und eine Orange und ein Sunkist gepackt bekam, und ich - vier Jahre jünger als er - auch dasselbe in einen Rucksack gepackt bekam und mir dachte, nachdem es immer nur Schmalzbrot gab, wenn ich einmal tot und im Himmel bin, esse ich nur mehr Wurstsemmeln, …
Als man mir als Letztgeborene sagte, ich solle das schwächste der verwaisten Katzenjungen nicht füttern, denn das Schwache sollst du stoßen bis es fällt. (Richtig: was fällt, das soll man auch noch stoßen), …
Als die Frau Tassold, meine Lehrerin in der Schule erklärte, man solle keine Papierln aus dem Auto werfen und ich das meiner Mutter sagte, als sie welche hinauswarf, und sie von da an nie mehr ein Papierl aus dem Auto geworfen hat, …
Als die Nachbarn kamen und sagten, sie hätten ein gebrauchtes Kinderrad mit Stützrädern zu verkaufen und die Eltern meinen Bruder fragten, ob sie es für mich kaufen sollten und er das sofort bejahte und in sein Zimmer lief und mit seiner Sparbüchse zurückkam, …
Als mein Mittelschulprofessor in Biologie, in der ersten Klasse Mittelschule sagte, wir sollten Papier sparen und keine Pelzmäntel tragen, schwor ich es ihm, heimlich, schmachtend und habe den Schwur bis heute gehalten, und bedrucke, wenn geht, immer Wegwerfpapier und drehe die Streifen der Rechenmaschine immer nach Gebrauch auf die andere Seite, …
Als Kreisky zu den Atomkraftgegnern Terroristen sagte und Taus sich auf die Seite der Gegner begab, um Kreisky los zu werden, hätte ich mir was denken können, hab ich damals aber nicht. Aber das auch Autoritäten umgestimmt werden konnten, diese Lektion hatte ich gelernt und nebenbei meine Mutter so lange mit Argumenten bombardiert, bis sie nein gestimmt hatte und damit auch gleich die Vaterautorität verschnupft war und wir seitdem kein Atomkraftwerk in Österreich haben, …
Als man mich alleine zum ersten Mal zu einer Frauenärztin schickte, und ich bis heute noch nicht sicher bin ob es nicht doch ein Frauenarzt war und mich anwies nach Hormontabletten zu fragen, da die Ausbildung, meiner sekundären Geschlechtsmerkmale von Natur aus, von der Familie samt Verwandtschaft, als nicht genügend bewertet wurde, …
Als Martin zum ersten Mal sagte, das tangiert mich nur peripher und dabei sämtliche auf seinem Teller befindlichen Spaghetti auf seine Gabel wickelte, diese Riesenrolle vor sein Gesicht schob und davon abbiss, …
Als meine kleine damals vielleicht fünfjährige Nichte zu meinem Vater, der ihr eine Aufgabe gestellt hatte, sagte, das tue ich nicht, …
- hochgeladen von Waltraud Fischer
Zur Person
Helene Roj ist Unternehmerin. Sie leitet ein Transportunternehmen in Lebring. Beim Literaturkreis Lebring schreibt sie seit fast zehn Jahren. Ihre Heimatgemeinde liegt ihr sehr am Herzen. Dass das Landleben viel zu bieten hat, dafür steht sie mit ihrer ganzen Persönlichkeit. In ihrer Freizeit arbeitet sie gerne im Garten und betreibt Sport.
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