Größter Klapotetz der Welt: Manfred Perl bringt tonnenweise Holz in Bewegung

Die wuchtigen Klöppeln werden dann am Grindel befestigt.
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  • Die wuchtigen Klöppeln werden dann am Grindel befestigt.
  • Foto: Josef Fürbass
  • hochgeladen von Waltraud Fischer

Der Klapotetz als Wahrzeichen des steirischen Weinlandes hat Manfred Perl aus Brünngraben bereits als Kind sehr fasziniert. Den ersten eigenen baute er mit 14 Jahren. Das Windrad besaß einen Durchmesser von zwei Metern. Ein Jahr später betrug die Flügelspannweite schon fünf, 1087 neun Meter. Tendenz steigend, denn längst baut Perl in größeren Dimensionen. Der Klapotetz, an dem der Kunsttischler gerade arbeitet, soll der größte der Welt werden und sein Rekordwerk von 1993, das am Demmerkogel zu bestaunen war, am 29. Oktober des Vorjahres aber leider vom Sturm zerstört worden ist, noch übertreffen.

Ab Jakobi, 25. Juli, beherrscht der Klapotetz wieder das malerische Bild der Weingärten. Der größte der Welt wird am Sonntag, dem 22. Juli, mit Beginn um 10 Uhr am Demmerkogel präsentiert und auch eingeweiht, um ihn vor Wind und Wetter unter Schutz zu stellen. Ein paar Tausend Leute werden dazu erwartet. Bereits eine Woche vorher wird der riesige Klapotetz mit einem Spezialkran an Ort und Stelle aufgestellt. Eine Präzisionsangelegenheit...
Bei der 17 Meter hohen Tourismusattraktion handelt es sich um den größten funktionstauglichen Klapotetz der Welt, wobei die Betonung auf funktionstauglich liegt. Als Erbauer konnte die Gemeinde St. Andrä-Höch den „Weltmeister von 1993“, Manfred Perl, gewinnen. „Die Höhe ist nicht das Kriterium, das Windrad ist entscheidend“, so Perl, der seit fünfeinhalb Jahren als selbstständiger Kunsttischler tätig ist. Was macht die Liebe zum Beruf aus? „Das Werkstück wird fertig und ist etwas Besonderes.“

Von der Kunst, den größten Klapotetz der Welt zu errichten...

Seinen Weltrekord bewerkstelligte Perl unter freiem Himmel. Ohne Skizze, denn der Plan ist im Kopf. Ganz ohne fremde Hilfe, denn er weiß selbst am besten, wo der nächste Handgriff zu machen ist. Ohne Hubstapler, nur Hebewinde und Seilaufzug unterstützten ihn bei der „gewichtigen“ Arbeit. Hauptwerkzeug war die Motorsäge, die Perl mit einer Spezialkette für Hartholz nachgerüstet hat. „Es ist unvorstellbar, dass ein Mensch das allein zuwege bringt!“ Diesen Satz von Leuten, die ihn während der Arbeit auf dem elterlichen Anwesen vulgo Martl in Brünngraben, das er geerbt hat, recht zahlreich besuchten, bekam Manfred Perl häufig zu hören.

Sechs Flügel im Wind

Ein 9,2 m langer Eichenstamm mit einem Durchmesser von 90 cm an der stärksten Stelle liegt auf der Wiese. Er wird das Windrad mit einer Flügelspannweite von 14,01 m und das Schlagwerk aus Akazie mit den acht Klöppeln – ein jeder wiegt 40 Kilo – tragen. Das möglichst kernfreie Lärchenholz für die sechs durchgehenden Flügel – das sind 38 cm breite und fünf cm starke Pfosten – stammt von der Koralm. Der ganze Klapotetz wiegt – ohne Stamm – zirka 3,5 Tonnen.

„Das Klangbrett aus Vogelkirsche gibt schöne helle Töne, um die Vögel aus den Weingärten zu verscheuchen.“

Manfred Perl

Beim Bau der Einzelteile ging Manfred Perl in dieser Reihenfolge vor: Am Anfang war der Stamm, dann entstanden Schlagwerk, Klangbrett, Besen, Flügel. Als letztes schuf er das Gestell, in das der achtkantige Grindel (Achse), an dem die Klöppeln mit Akaziebolzen befestigt sind, montiert werden. Statt Nägeln verwendet Perl Zapfen und Dübel aus Akazie. Lediglich zur Verstärkung von Schlagwerk, Flügeln und Gestell kommen Eisenplatten zum Einsatz. „Der Grindel rollt auf einem großen Eisenrad mit Kugellager ab, so dass der Klapotetz schon bei leichtem Wind klappert.“
Manfred Perl (52) ist mit seiner Angelika verheiratet und Vater von drei Kindern. Als 13-Jähriger beherrschte er schon das Korbflechten. Der zweitgrößte Klapotetz von Perl mit 11,3 m Flügelspannweite steht bei ihm daheim am Rettenberg. Der Südsteirer liebt alte Autos und Mopeds, sammelt leidenschaftlich gerne Taschen- und Pendeluhren. Perl ist ein ganz besonderer Mensch mit vielen Begabungen, dem alles gelingt, was er anpackt, weil er, was er anfasst und macht, schon sieht, noch ehe es fertig ist. Auch im Kinofilm „Manfred Perl“, der am 2. Mai 2015 im Rechbauerkino in Graz Premiere hatte, ist der vielseitige Freikünstler in einer sehr authentischen Rolle zu sehen.

TEXT UND BILDER VON JOSEF FÜRBASS

Mehr dazu:
Das Holz für den weltgrößten Klapotetz ist bestellt
Der Klapotetzbauer ist Mr. Bean-Fan

Autor:

Waltraud Fischer aus Leibnitz

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