Protestaktion
Leobener Hausärzte warnen vor dem Kollaps (+Video)

"Es ist fünf vor Zwölf": Matthias Fürböck, Allgemeinmediziner in Göß, beim Aktionstag auf dem Leobener Hauptplatz.
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  • "Es ist fünf vor Zwölf": Matthias Fürböck, Allgemeinmediziner in Göß, beim Aktionstag auf dem Leobener Hauptplatz.
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Ordinationen im Bezirk Leoben können nicht mehr nachbesetzt werden: Hausärzte machten bei einem Aktionstag auf dem Leobener Hauptplatz eindrucksvoll auf die prekäre Situation der Allgemeinmediziner in der Gesundheitsversorgung  aufmerksam.

LEOBEN. Wer heute am Freitag, 19. November, im Bezirk Leoben die Ordination eines praktischen Arztes aufgesucht hat, wird zwischen neun und elf Uhr seine Hausärztin bzw. seinen Hausarzt nicht angetroffen haben. Allgemeinmediziner aus dem Bezirk haben mit einem Aktionstag am Leobener Hauptplatz auf den Hausärztemangel aufmerksam gemacht, der besonders in Leoben zu einer prekären Situation geführt hat.

„Wir stehen deswegen da, weil wir in der Stadt Leoben eine Situation haben, die wir immer verhindern wollten: Dass nämlich die Basisversorgung der Menschen in medizinischer Hinsicht gefährdet ist", erklärte Martin Pauer, praktischer Arzt in Kalwang und Sprecher der niedergelassenen Ärzte in Leoben.

Qualität und nicht Quantität

Aktuelle Zahlen belegen die dramatische Entwicklung: In den letzten Jahren sind drei Hausarztstellen in Leoben und eine Hausarztstelle in Niklasdorf nicht nachbesetzt worden. Das entspricht etwa 25 Prozent der niedergelassenen Ärzte. "In einer Arztpraxis gibt es häufig einen Durchlauf von 200 Patienten pro Tag. In dieser Situation können wir gegenüber unseren Patientinnen und Patienten nicht die Qualität der ärztlichen Behandlung bieten, auf die sie ein Recht haben", betonte Pauer.

"Wenn ich nach einem Tag mit so einem Ansturm in meiner Praxis und den oft erforderlichen Hausbesuchen der Patienten nach Haus komme, dann bin ich tot!"
Matthias Fürböck, Allgemeinmediziner in Leoben-Göß

Es droht eine Zwei-Klassen-Medizin

Die Ärztinnen und Ärzte am Aktionstag waren sich einig: Es drohe der Ersatz eines von der Bevölkerung geschätzten, weltweit anerkannten und effizienten Systems, durch eine sozial unverträgliche Zwei-Klassen-Medizin. Nur ein rasches Handeln der Verantwortlichen im Bereich  von Politik, Österreichischer Krankenkassen und Ärztekammer könne den Trend stoppen und das weitere Abwandern junger Ärzte in die Wahlarztordinationen und andere Institutionen verhindern. 

Mit einem Aktionstag auf dem Leobener Hauptplatz informierten Allgemeinmediziner aus dem Bezirk über den drohenden Kollaps des Gesundheitssystems.
  • Mit einem Aktionstag auf dem Leobener Hauptplatz informierten Allgemeinmediziner aus dem Bezirk über den drohenden Kollaps des Gesundheitssystems.
  • Foto: Freisinger/Armin Russold
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Die Forderungen der Allgemeinmediziner

Lösungsmöglichkeiten wären aus Sicht der Ärzteschaft praktikable Zusammenarbeitsmodelle wie Ordinationsgemeinschaften oder die Zusammenarbeit von zwei Ärzten in einer Ordination. Zusätzlich müsse es verbesserte, leistungsgerechte Honorare, beispielsweise durch eine österreichweite Anpassung der Tarife geben, um die Wirtschaftlichkeit von Gemeinschaftsordinationen zu gewährleisten.

Die Allgemeinmediziner aus dem Bezirk Leoben forderten eine Garantie der Erhaltung der bestehenden Planstellen der Ärzte in der Region sowie organisatorische und finanzielle Unterstützung, etwa beim An- und Ausbau von Ordinationen und Mietobjekten. Das Resümee des Bezirksärztesprechers Martin Pauer: "Gute und ausreichend viele Hausärzte würden das Gesundheitssystem deutlich billiger machen, Spitäler und Ambulanzen entlasten und die Qualität der medizinischen Individualbetreuung erhalten."
 

Ärzte ringen um Nachfolger

Das Durchschnittsalter der ÖGK-Ärztinnen und Ärzte in der Stadt Leoben beträgt derzeit 59 Jahre, im Bezirk Leoben 54 Jahre. Um mehrere Stellen in der Stadt Leoben aber auch im Bezirk (beispielsweise in Niklasdorf) wird derzeit um die Nachfolge gerungen. Zwei Einzelstellen sollen in eine Gruppenpraxis umgewandelt werden. Dafür gibt es Interessentinnen, aber leider noch keine geeigneten Praxisräumlichkeiten. Aus ähnlichen Gründen wie in der Allgemeinmedizin lassen sich auch frauenärztliche Stellen immer schwerer besetzen. Eine gewisse Entspannung gab es zuletzt bei zwei kinderärztlichen Stellen in Leoben.

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