02.04.2017, 21:45 Uhr

„Gösser Bier und Kernöl müssen einfach mit ins Gepäck“

Ute Makhloufi, geborene Lettl, zog vor 25 Jahren von Proleb ins französische Dorf Curel. (Foto: Makhloufi)

Ute Makhloufi zog vor 25 Jahren von Proleb nach Frankreich. Sie ist eine von jenen Menschen aus dem Bezirk Leoben, die ihren Lebensmittelpunkt ins Ausland verlagert haben und deren Geschichte wir hier erzählen möchten.

„Es war mein Großvater, der im Zweiten Weltkrieg zwei Jahre in Paris lebte, jeden Tag von dort erzählte, mir Stadtpläne zeigte und so die Leidenschaft für Frankreich in mir weckte. Zum ersten Mal bin ich mit 18 Jahren nach Frankreich auf Urlaub gefahren, mittels Interrail“, erzählt Ute Makhloufi, die mit Mädchennamen Lettl hieß. Die ersten sechs Jahre in Judendorf aufgewachsen, zog sie mit ihren Eltern nach Proleb und besuchte in Leoben das „alte“ Gymnasium. Viele Jahre später, als ihr Mann 1992 von seiner Firma das Angebot bekam, für zwei Jahre nach Frankreich zu gehen, war das für die heute 59-Jährige „ein Glücksfall“, wie sie sagt.


"Wir wollten bleiben"

„Wir sind – fast auf den Tag genau, an dem mein Großvater vor 50 Jahren in Frankreich einmarschierte - in der kleinen Stadt Joinville angekommen, die in der Mitte zwischen Strassburg, Paris und Reims liegt. Wir hatten zuerst ein Haus gemietet und später im kleinen 450-Einwohner-Dorf Curel ein Haus gekauft, da für uns feststand, dass wir in Frankreich bleiben wollen. Wir wohnen heute noch in Curel.“ Vor allem durch den damals dreieinhalbjährigen Sohn, der in den örtlichen Kindergarten kam, musste Ute Makhloufi schnell fließend Französisch sprechen lernen. „Ich habe mit meinem alten Französisch-Grammatikbuch richtig gepaukt, viel Radio gehört und ferngesehen“, erinnert sie sich.

Gefragte Tagesmutter

Da sie ihren Beruf als Finanzbeamtin in Frankreich nicht ausüben konnte, blieb sie einige Jahre als Hausfrau und Mutter zu Hause. „Dann habe ich eine Ausbildung zur Tagesmutter gemacht und übe diesen Beruf bis heute mit viel Freude aus. Tagesmütter sind in Frankreich sehr gefragt, da der Großteil der Mütter bereits sechs Wochen nach der Geburt wieder arbeitet.“ Eine große Leidenschaft der 59-Jährigen ist das Backen von wunderschönen und aufwändigen Motivtorten. „Verkaufen darf ich sie nicht, das Lebensmittelgesetz in Frankreich verbietet das, aber ich kann sie verschenken. Ansonsten singe ich in einem Chor, bin Obfrau eines Vereins zur Erhaltung und Pflege des Chorgesangs, ich lese sehr viel, mache mit meiner Freundin Radtouren und bin im hiesigen Gemeinderat tätig. Dazwischen kümmere ich mich um Haus und Garten und besuche ab und zu meinen Sohn in Paris. Langweilig wird mir nie!“, betont Ute Makhloufi.


Besuche in Österreich

Den Kontakt zu Österreich hat sie in all den Jahren nie verloren. „Frankreich ist ein schönes Land und ich bin sehr glücklich hier, aber meine Heimat wird immer Österreich bleiben. Ich fahre zwei- bis dreimal im Jahr nach Hause, ich habe ja noch meine ganze Familie in der Steiermark und in Niederösterreich, darunter zwei wunderbare Enkelkinder meiner Tochter, die damals in Leoben blieb. Ich versuche auch, mit Freunden von früher Kontakt zu halten“, sagt die 59-Jährige, die heimische Traditionen mit nach Frankreich nahm.

Fangemeinde für's Kernöl

„Apfelstrudel und Weihnachtskekse etwa haben hier großen Erfolg. Zu den Traditionen, die hier als ungewöhnlich gelten, zählen das Aufstellen des Christbaumes erst am 24. Dezember beziehungsweise die Bescherung schon am Heiligen Abend, der Adventkranz, ‚echte‘ Ostereier oder die Nikolausfeier.“ Was bei jedem Österreich-Besuch unbedingt mit ins Gepäck muss, sind Kernöl, Manner Schnitten, Gösser Bier und Punschglasur. „Für das Kernöl gibt es hier in Frankreich sogar schon eine kleine Fangemeinde“, sagt die ehemalige Proleberin lachend.
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