Von Gamsbärten und Schneiderfliegen

Altausseer Gamsröckl: Grüner Loden oder Bauernleinen mit einer Ausseer Lederhose.
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  • Altausseer Gamsröckl: Grüner Loden oder Bauernleinen mit einer Ausseer Lederhose.
  • Foto: Heimatwerk/Gemini Labs
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Sie sind Ausdruck unserer Tradition und Gesamtkunstwerke steirischer Handwerkskunst: Schneider, Säckler, Gerber, Stricker, Weber, Schmiede und noch viele mehr "mischen" bei der Herstellung eines echten Trachtenanzuges mit. Einer von ihnen ist Hubert Fink, Maßschneider für Männertrachten in sechster Generation. Und damit nicht genug: Fink ist 2002 sogar vom Land offiziell beauftragter Trachtenberater für Männertrachten: "Mit einer Tracht zeige ich nach außen, woher ich komme. Die Tracht ist ein Schatz, der bewahrt werden muss", bringt es Fink auf den Punkt.
Eine "waschechte" steirische Männertracht bekommt Mann übrigens nicht einfach im Geschäft, sondern diese wird nur auf Anfrage maßgeschneidert. Zur Auswahl stehen rund hundert verschiedene Modelle, die die Geschichte der jeweiligen Regionen widerspiegeln.

Das Altausseer Gamsröckl

Eine historisch überlieferte und sehr bekannte Form eines Männerrocks ist das Altausseer Gamsröckl. Die Besonderheit dieses Röckls – daher auch der Name – ist das gestickte Gamserl am Rücken. Bekannt ist das Altausseer Gamsröckl auch unter dem Begriff „Hohenlohe-Spenser“, weil Moritz Prinz zu Hohenlohe-Schillingfürst diese grüne Ausführung „eingeführt“ haben soll.
Ursprünglich wurde das Gamsröckerl nur in grauer Grundfarbe mit grünem Besatztuch getragen. Beim Altausseer Gamsröckl ist der Janker in Loden oder Bauernleinen in grün bzw. grau mit grünem Besatztuch. Als Hose trägt man eine echte kurze Ausseer Lederhose mit grünen Stutzen.

Unterennstaler Hammerherren-Gehrock

Der Unterennstaler Hammerherren-Gehrock stellt eine neuere Form einer steirischen Männertracht dar. Er wurde nach historischen Überlieferungen entwickelt und von Schneidermeister Norbert Kaltenbrunner aus St. Gallen erstmal gefertigt. Die in der Steiermark untypischen Silberknöpfe auf Röcken weisen auf einen ober- österreichischen Einfluss hin. Der Gehrock ist aus Loden sowie braun meliert, dazu trägt man eine Seiden- oder Wollbrokat-Weste sowie eine Lederhose mit naturfärbigen Stutzen.

Trachtenkultur

Die Zuwendung zur Tracht wird bekanntlich gerne mit Erzherzog Johann in Verbindung gebracht, der damit seine Verbundenheit mit der Bevölkerung zum Ausdruck brachte. Aus dieser Zeit stammen auch noch viele Aufzeichnungen, die über die Entwicklung der Tracht Aufschlüsse geben. Auch der heutige "Landesfürst" Hermann Schützenhöfer ist stolzer Trachtenträger: "Die lebendige Trachtenkultur in der Steiermark bildet einen wesentlichen Bestandteil unserer regionalen Besonderheiten und kulturellen Schätze", so der Landeshauptmann und Volksskulturreferent.
Traditionell hängt die Entwicklung eigener Trachten auch eng mit dem Bestehen von Musikkapellen zusammen, daher finden sich in den besonders "musikalischen" Gebieten auch dementsprechend viele Trachtenmodelle: Das reicht vom Wechsel-Janker aus Hartberg-Fürstenfeld bis hin zur Tragößer Joppe aus dem Brucker Raum.

In Buchform

Einen gesammelten Überblick über die Geschichte der Männertracht in der Steiermark von Erherzog Johann bis heute sowie sämtliche regionalen "Trachtenmodelle" findet man im kürzlich erschienenen Buch "Lampas, Gams und Schneiderfliege. Die steirischen Männertrachten." Und übrigens für alle, die sich schon die ganze Zeit über die "Schneiderfliege" wundern: So wird ein in Dreiecksform gestickter Faltenabschluss genannt. Somit ist die steirische Tracht jedenfalls "tierisch" modisch.

Altausseer Gamsröckl: Grüner Loden oder Bauernleinen mit einer Ausseer Lederhose.
Der Unterennstaler Hammerherren-Gehrock mit braun meliertem Loden und einer Seidenweste.
Autor:

Tina Tritscher aus Liezen

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