Expertin gibt Auskunft
Wie geht's unserer Psyche im Lockdown?

Birgitta Grogger hat vor kurzem eine psychologische Praxis im Gröbminger Ortsteil Winkl eröffnet.
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  • Birgitta Grogger hat vor kurzem eine psychologische Praxis im Gröbminger Ortsteil Winkl eröffnet.
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Birgitta Grogger ist Arbeits- und Gesundheitspsychologin. Sie spricht über seelische Folgen des Lockdowns.

Arbeit und Kinderbetreuung von zuhause aus: Welche Gefahren birgt der Lockdown?
BIRGITTA GROGGER:
Arbeit und Familie zu koordinieren ist unter normalen Umständen bereits eine Herausforderung, im Lockdown noch viel mehr. Ich möchte darauf eingehen, wie man diese Situation gut bewältigen kann:
• Planen Sie Ihren Tag und halten Sie eine Tagesstruktur ein.
• Planen Sie klare Lern- und Arbeitszeiten sowie Freizeitphasen.
• Definieren Sie Zeiten, in denen jeder alleine arbeitet oder sich beschäftigt.
• Kindern unbedingt Bewegung ermöglichen, regelmäßig im Freien gemeinsam Zeit verbringen.
• Fernsehen und digitale Medien begrenzen.

Ist die Gefahr, an Burnout zu erkranken, im Homeoffice höher als bei einem geregelten Arbeitstag?
Burnout ist eine psychische und körperliche Erschöpfung, der meist eine längere Zeit mit großem Stress und gleichzeitig mangelnder Erholung vorausgeht. Selten ist es alleine die Arbeit. Laut meiner Erfahrung sind immer mehrere Stressoren die Ursache für Burnout.
Viele Betroffene, die derzeit im Homeoffice arbeiten, erzählen mir, dass sie viel mehr arbeiten. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. Der Computer und somit der Arbeitsplatz sind ständig sichtbar, befinden sich im Privatbereich. Das kann es schwer machen, von der Arbeit abzuschalten. Unser Gehirn braucht oft nur wenige Reize, um an etwas erinnert zu werden. Wenn man die Arbeitsunterlagen im Wohnzimmer sieht, denkt man an noch zu erledigende Aufgaben und Probleme und befindet sich wieder mitten in der Arbeit.
Es gibt keine fixen Arbeitszeiten mehr, man kann im Pyjama arbeiten, übersieht die Zeit oder wird ständig unterbrochen und muss sich laufend wieder neu in die Aufgabe hineindenken. Arbeitsunterbrechungen, wie sie stattfinden, wenn auch die Kinder zu Hause lernen oder andere Menschen im Haushalt leben, führen zu mangelnder Konzentration und Leistungsfähigkeit. Wieder andere Personen sitzen alleine zu Hause vor ihrem Computer und vermissen das Team, die Zusammenarbeit, die Kommunikation mit Arbeitskollegen.
Laut einer aktuellen Studie der Universität Graz steigt die Gefahr von Burnout bei Befragten, die im Homeoffice arbeiten, deutlich an.

Was kann man tun, um die Situation gut zu meistern, den Stresspegel zu senken?
• Machen Sie sich einen Tagesplan.
• Ziehen Sie sich an, halten Sie Essenszeiten ein und machen Sie Pausen zwischendurch.
• Beginnen und beenden Sie Ihre Arbeit zu bestimmten Uhrzeiten.
• Bewegen Sie sich ausreichend, und wenn möglich nach der Arbeit, an der frischen Luft.
• Pflegen Sie soziale Kontakte per Telefon, Videotelefonie und andere soziale Netzwerke.
• Wenn möglich, nutzen Sie einen eigenen Raum als Büro, um auch räumlich zwischen Arbeit und Freizeit zu trennen.
• Genießen Sie den Abend, tun Sie sich etwas Gutes.
• Konsumieren Sie Medien bewusst und gezielt, vor allem, wenn Sie bereits acht Stunden im Homeoffice gearbeitet haben.

Welche Folgen kann das Fehlen der sozialen Kontakte hervorrufen?
Ältere Menschen, die zu Hause mit ihrem Partner wohnen, berichten mir, dass sie mit den Lockdown-Maßnahmen sehr gut zurechtkommen. Die Situation in den Pflegeheimen ist teilweise für die Bewohner extrem belastend, da Besuche nur sehr eingeschränkt möglich sind.
Kinder und Jugendliche wiederum brauchen für ihre Entwicklung soziale Kontakte. Volksschüler lernen nicht nur lesen und schreiben in der Schule, sondern auch den Umgang mit Gleichaltrigen, das Lösen von Konflikten, gemeinsam kreativ zu sein, sich gegenseitig zu helfen, miteinander zu spielen, turnen oder singen.
Dass für Jugendliche der Freundeskreis das Wichtigste ist, muss ich nicht erklären, daran können wir uns alle erinnern. Jugendliche üben sich derzeit in Geduld und verbringen die Zeit mit ihrer Familie, nicht mit ihren Freunden. Die Rettung für viele Teenager ist Sport im Freien mit Freunden.

Birgitta Grogger hat vor kurzem eine psychologische Praxis im Gröbminger Ortsteil Winkl eröffnet.

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