Selbsthilfegruppen
Die helfende Hand ist immer noch da

Auch wenn der persönliche Kontakt fehlt, hilft es oft schon einfach mit jemanden zu sprechen.
  • Auch wenn der persönliche Kontakt fehlt, hilft es oft schon einfach mit jemanden zu sprechen.
  • Foto: MEV
  • hochgeladen von Bernhard Hofbauer

Die für so viele Menschen in der Region wichtigen Treffen von Selbsthilfegruppen können aufgrund der derzeitigen Maßnahmen nicht stattfinden. Dies sorgt natürlich gerade bei gesundheitlich angeschlagenen Gruppen für Unsicherheit. Wir haben uns mit verschiedenen Organsiatoren von Selbsthilfegruppen im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag unterhalten.  

Den Selbsthilfegruppen sind die Hände gebunden

Auch für Barbara Rathgeb als Obfrau der Victory Krebssselbsthilfe Kapfenberg-Bruck ist die Lage angespannt. "Uns sind die Hände gebunden. Leider können keine Treffen oder Seminare stattfinden, aber die Menschen sollen wissen, dass sie anrufen können", so Rathgeb. "Oft hilft es einfach schon mit jemandem zu reden", so die Obfrau weiter. Gerade bei Menschen, die ohnehin schon ein geschwächtes Immunsystem haben, wächst die Unsicherheit. "Leider können wir nichts planen, da niemand weiß, wie lange die Situation anhält", verdeutlicht Rathgeb das Problem. Insgesamt besteht die Gruppe aus über 400 Mitgliedern aus Betroffenen und Angehörigen. "Wichtig ist, dass die Menschen wissen, dass alles aufrecht bleibt, aber derzeit keine Treffen stattfinden können", so Rathgeb, die sich schon darauf freut, wenn die regelmäßigen Treffen wieder jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat im ISGS Kapfenberg stattfinden können. Bis dahin ist sie unter der Nummer 0664/4851794 erreichbar.

Verängstigung bei Vorerkrankten

Elfi Maric leitet eine Selbsthilfegruppe für Antitrypsinmangelerkrankte, dabei handelt es sich um eine genetisch bedingte Lungenerkrankung. "Die Leute sind total verängstigt. Ich habe ihnen allen gesagt, sie müssen zuhause bleiben, mehr können wir leider gerade nicht machen", so Maric, die genauso wie alle anderen Organisatoren sämtliche Workshops und Treffen absagen musste. Insgesamt hat die Gruppe rund 100 Mitglieder aus der gesamten Steiermark. "Wir versuchen über Whatsapp-Gruppen und andere Plattformen in Kontakt zu bleiben und ihnen die Angst zu nehmen", so Maric, die hofft, dass sich die Gruppe im Herbst wieder treffen kann. 

Isolation kann Problem und Helfer sein

Markus Schrittwieser von der Selbsthilfegruppe gegen Alkohol- und Medikamentenmissbrauch in Kapfenberg dazu: "Momentan können natürlich keine Treffen abgehalten werden. Ich bin aber telefonisch in Kontakt mit unseren Mitgliedern. Den Menschen fehlt natürlich das persönliche Gespräch." Ob die Menschen in Zeiten der Isolation leichter rückfällig werden könnten, beantwortet Schrittwieser differenziert. "Zahlreiche Alkoholiker trinken heimlich. Da viele von ihnen nun im Familienbund zuhause sind, wird der Zugang zum Alkohol erschwert. Auf der anderen Seite könnten Langeweile und die fehlende Beschäftigung bei neuen Mitgliedern zu Problemen führen", meint Schrittwieser, der selbst seit 25 Jahren trocken ist. 
Sorge macht ihm die Dunkelziffer.  "Vielen Menschen würde die Selbsthilfegruppe gut tun, doch das Schamgefühl sich anzuschließen ist oftmals zu groß. Da braucht es schon oft Druck von den Angehörigen", meint Schrittwieser. Um Hilfe zu leisten, hat er auch 30 Hausärzten aus der Region über die Selbsthilfegruppe in Kapfenberg informiert, doch niemand hat sich gemeldet. Sobald sich die Situation wieder normalisiert hat, trifft sich die Gruppe wieder jeden Mittwoch von 18 bis 21 Uhr im Haus der Begegnung in Kapfenberg. Bis dahin können sich alle Menschen mit Redebedarf bei Markus Schrittwieser unter 0664/2207878 oder per Mail an info@shg-kapfenberg.at melden.

Barbara Hochstrasser von der BAS Suchtberatung Mürzzuschlag hat bislang noch keinen Anstieg der Anfragen verzeichnet. "Bei uns im Mürztal gibt es eher einen Rückzug von Neuanfragen, aber die ungewöhnliche Situation dauert eben auch erst eineinhalb Wochen an", so Hochstrasser. Die Menschen, mit denen sie in Kontakt ist, wirken sehr besonnen und können gut mit den Maßnahmen umgehen. "Ich habe auch schon mit Menschen gesprochen, für die die Situation sogar eine Erleichterung bringt, da die Verführung zu einem Suchtmittel zu greifen nicht so groß ist", berichtet die Verantwortliche für die Beratungsstellen Mürzzuschlag, Kapfenberg und Bruck. "Manche, die auch im Normalzustand in sozialer Isolation leben, geht es besser, da sie nicht mehr alleine in dieser Situation sind", erklärt sie. Wie sich die Lage der Suchtproblematik durch die Corona-Maßnahmen verändert, wird sich allerdings wohl erst in ein paar Wochen zeigen. Die Suchtberatung ist unter 0664/9683250 erreichbar.

Autor:

Bernhard Hofbauer aus Mürztal

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