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Recycling-Initiative: Mit den Kaffeekapseln ab in die blaue Tonne

Recycling: Die leeren Kaffeekapseln in die Metallverpackungstonne werfen. So können sie zu nahezu 100 Prozent recycelt werden.
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Recycling-Initiative vom Abfallwirtschaftsverband Mürzverband und Nespresso. Die leeren Kaffeekapseln werden wiederverwertet.

Seit zwei Jahren läuft das Pilotprojekt zwischen dem Abfallwirtschaftsverband Mürzverband und Nespresso Österreich bereits. Andreas Zöscher ist als Leiter des Mürzverbands zuständig für die Recycling-Agenden im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, Richard Paulus ist als Sustainability Manager von Nespresso Österreich federführend an der Ausrollung der österreichweiten Recycling-Initiative beteiligt, die die Rückführung gebrauchter Kaffeekapseln über die öffentliche Wertstoffsammlung ermöglicht. Beide gaben der WOCHE in einem Interview Einblick in Recycling-Maßnahmen im Bezirk und die bestehende Kooperation. 

Recycling: Die leeren Kaffeekapseln in die Metallverpackungstonne werfen. So können sie zu nahezu 100 Prozent recycelt werden.
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Recycling-Maßnahmen im Bezirk

Welche Maßnahmen wurden im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag in den letzten Jahren im Bereich Recycling gesetzt?
Andreas Zöscher: Beispielsweise werden jährlich rund 50 Prozent des anfallenden Altholzes aus kommunaler Sammlung, das sind immerhin 3.500 Tonnen pro Jahr, sortiert, zerkleinert und der stofflichen Verwertung in der Spanplattenindustrie zugeführt. Weitere 8.000 Tonnen pro Jahr Altpapier werden im Haushalt getrennt gesammelt, in Kartonagen bzw. sogenannte "Deinkingware" nachsortiert und anschließend Karton- oder Papierfabriken als hochwertiger Rohstoff zur Verfügung gestellt. Nicht zu vergessen, viele Wertstofffraktionen aus den getrennt gesammelten Wertstoffen in den 19 Altstoffsammelzentren des Bezirks – beispielsweise wird aus Altspeiseöl und -fett wieder Biodiesel raffiniert. Als Nebenprodukt wird hochwertiges Glycerin gewonnen, welches unter anderem für die Herstellung von Kosmetikprodukten benötigt wird.

Die Mitarbeiter unserer Umweltberatungsstelle unterstützen aktiv Schul- und Erwachsenenaus- und Weiterbildungen. Beispielhaft darf ich dazu unser Projekt "Zukunftsforscher" nennen, welches wir seit acht Jahren mit der "Rosalie factory", besser bekannt unter "Müllhexe Rosalie", in Kindergärten und Grundschulen, begleitend zum Schulunterricht anbieten. Die Projektinhalte und Themen sind so gewählt, dass Nachhaltigkeit, Recycling und Ressourcenschonung aber auch Arbeits- und Umweltbedingungen bei der Herstellung von Konsumgütern im Vordergrund stehen. Projektthemen sind unter anderem: Woher kommt die Aludose? Papier und seine Geschichte, Erdöltröpfli und Kunststoffe, woher kommt meine Kleidung?

Zudem sind wir immer offen für neue Lösungen – wie etwa die Sammlung von gebrauchten Nespresso-Kapseln. Denn Aluminium ist ein hochwertiger Stoff, der möglichst lange im Kreislauf bleiben soll. Je besser und kundennäher die Sammlung des Wertstoffes ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Bürgerinnen und Bürger die Sammlung nutzen. Die Initiative von Nespresso bietet dafür eine sehr gute Lösung. Der Mürzverband hat sich in den letzten Jahren aber auch als aktiver Projektpartner bei universitären Forschungsarbeiten wie zum Beispiel "landfill mining" beteiligt. Im Projekt mit der Montanuniversität Leoben wurde untersucht, unter welchen Rahmenbedingungen Wertstoffe in Deponien und Altablagerungen rückgebaut und recycelt werden können.

Wertvolle Rohstoffe

Warum ist Recycling wichtig?
Zöscher: Abfälle sind entgegen der oft vertretenen Meinung nicht "Müll", sondern vielfach wertvolle Rohstoffe. Und Rohstoffe sind auf unserem Planeten bekanntlich nicht unbegrenzt verfügbar. Um ein Beispiel zu nennen: Altpapier, Glas- und Metallverpackungen können zu nahezu 100 Prozent recycelt und somit in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden. Effekt ist eine Einsparung von Rohstoffen, Energie und Wasser.

Dazu ein paar Beispiele: Energieeinsparung ist beispielsweise bei der Herstellung von Aluminium ein Hauptthema. Der dazu benötigte Rohstoff Bauxit ist dagegen relativ gut verfügbar, da er in großer Menge auf der Erdoberfläche vorkommt. Anders verhält es sich beispielsweise beim Rohstoff Phosphor, welcher weltweit nur begrenzt vorhanden ist und nahezu zu 100 Prozent aus Abbaustätten in Afrika, Osteuropa und Asien importiert werden muss. Die langfristige Verfügbarkeit wird von Experten bei unveränderter gegenwärtiger Abbaurate nur mehr zwischen 70 und max. 200 Jahren geschätzt.

Aus diesem Blickwinkel bekommt das Kompostieren von biogenen Siedlungsabfällen eine andere Bedeutung. Neben dem lebenswichtigen Mineralstoff Phosphor wird Stickstoff zur Pflanzendüngung und Kohlenstoff für die Humusbildung, in Form von Kompost oder Komposterde, an den Ackerboden oder Hausgarten zurückgeführt. Im Mürztal werden Jahr für Jahr rund 8.500 Tonnen biogene Siedlungsabfälle recycelt und dem Boden rückgeführt.

Beim Mülltrennen spitze

Wie gut werden die Recycling-Maßnahmen von den Mürztalern angenommen?
Zöscher: Unser für die steirische Abfallwirtschaft fachlich zuständiger Landesrat Hans Seitinger hat sinngemäß betont, dass die Steirer und Steirerinnen im internationalen Vergleich beim Mülltrennen spitze sind, aber in jedem Fall noch Luft nach oben gegeben ist. Diese Aussage kann ich aus unserer Erfahrung bestätigen, die Sammelquoten in unserem Zuständigkeitsbereich sprechen dafür, dass die Maßnahmen der getrennten Sammlung von der Bevölkerung sehr gut angenommen werden.

Andreas Zöscher ist Leiter des Mürzverbandes.
  • Andreas Zöscher ist Leiter des Mürzverbandes.
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Problem Restmüll

Wo gibt es Schwierigkeiten?
Zöscher: Die steirische Restmüllanalyse aus 2019 zeigt, dass tendenziell im städtischen Bereich nicht nur mehr Restmüll anfällt, sondern vor allem auch die Trennmoral schlechter ist als am Land. Da müssen wir die Steirerinnen und Steirer noch viel mehr zum aktiven Trennen motivieren. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) eines durchschnittlichen Müllsackes entfällt auf kompostierbare Materialien, vermeidbare Lebensmittel, Papier und Kartonagen, Leichtverpackungen sowie Verpackungen aus Glas und Metall. Es wäre ein Leichtes, diese Fraktionen gut getrennt der haushaltsnahen Sammlung (braune Tonne oder Einzelkompostierung, rote, weiße, grüne, blaue und gelbe Tonnen bzw. Säcke) zuzuführen.

Der Müll im Bezirk in einem Jahr

Wie viel Müll, aufgeteilt in einzelne Sparten, gibt es im Jahr für den Mürzverband aus dem Bezirk Bruck-Mürzzuschlag und was passiert damit?
Zöscher: Insgesamt sind es ca. 12.000 Tonnen Restmüll die gesammelt werden. Diese werden für die thermische Verwertung (Strom- und Fernwärmeauskoppelung) gebraucht, mit anschließender Abtrennung von Eisen- Nichteisenmetallen sowie Schaumglas aus der Verbrennungsschlacke. Beim Sperrmüll sind es 3.500 Tonnen. Hier erfolgt eine mechanische Voraufbereitung mit Wertstoffentfrachtung und anschließender thermischer Verwertung. Die 8.500 Tonnen biogene Abfälle werden kompostiert. 

Die 4.300 Tonnen Klärschlamm im Jahr werden anaerob mit Biogaserzeugung behandelt. Anschließend erfolgt eine Kompostierung oder thermische Verwertung. Die 3.500 Tonnen Altholz werden sortiert. Geeignet ist es dann für die stoffliche Verwertung (Spanplatten) als auch für die thermische Verwertung. Verpackungs- und sonstige Siedlungsabfälle (Gelber Sack, Altglas, Metallverpackungen, Altpapier, Altspeiseöl usw.) fallen im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag im Jahr 13.600 Tonnen an. Diese Abfälle werden getrennt gesammelt und größtenteils einem stofflichen Recycling zugeführt.

Drei Tonnen Kaffeekapseln gesammelt

Wie funktioniert die Recycling-Initiative mit Nespresso und wie wurde sie von der Bevölkerung angenommen?
Zöscher: Kaffeekapseln aus Aluminium mussten bisher als "nicht restentleerte Verpackung" über den Restmüll entsorgt werden. Mit der Vereinbarung, welche zwischen Nespresso, dem Sammelsystem für Metallverpackungen und dem Mürzverband abgeschlossen wurde, können nun die Alukapseln in der blauen Tonne (Metallverpackungen) mitgesammelt werden. So wird das hochwertige Aluminium zu nahezu 100 Prozent recycelt.

Laut unseren Schätzungen haben wir im Vorjahr nahezu drei Tonnen Aluminiumkapseln über die Altstoffsammelzentren im Bezirk gesammelt. Das bestätigt, dass die Mitsammlung in der Metallverpackung sehr gut angenommen wird. Wir dürfen ja auch nicht vergessen, dass jedes Kilo welches nicht über den Restmüll entsorgt werden muss, von den Konsumenten auch nicht über die Restmüllgebühr finanziert werden muss, das ist also eine Win-Win-Situation für die Umwelt und auch das Geldbörserl.

Nachhaltiger Umweltschutz

Warum ist das Recycling von Aluminium wichtig?
Zöscher: Die Produktion aus dem Aluminiumerz ist energieintensiv. Das Recyceln aus Altaluminium benötigt wesentlich weniger Energie. Sie können sich aber sicher auch noch gut an die Rotschlammlawine in Ungarn vor einigen Jahren erinnern, als der Damm eines Deponiebeckens der Aluminiumhütte brach und eine Umweltkatastrophe verursachte? In diesem Zusammenhang bedeutet konsequentes Trennen im Haushalt auch nachhaltigen Umweltschutz.

Richard Paulus ist bei Nespresso Sustainability Manager.
  • Richard Paulus ist bei Nespresso Sustainability Manager.
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Nespresso: Recyclingprogramm gestartet

Warum wurde diese Recycling-Initiative der Kaffeekapseln ins Leben gerufen?
Richard Paulus: Nespresso liegt das Recycling der gebrauchten Kaffeekapseln sehr am Herzen, denn mit der Wiederverwertung von Aluminium kann man viel Energie einsparen und auch CO2-Emissionen vermeiden. Da Kaffeekapseln dem Gesetz nach keine Verpackung darstellen, kann sie der Konsument per se nicht mit den Metallverpackungen (z.B. Getränkedosen) entsorgen. Daher hat Nespresso bereits vor über zehn Jahren ein privates Recyclingprogramm gestartet und sucht den direkten Kontakt zu Städten, Gemeinden und Abfallwirtschaftsverbänden, damit Kundinnen und Kunden auch die öffentliche Sammlung der Metallverpackungen als Recyclingmöglichkeit nutzen können.

Wo überall gibt es die Recycling-Initiative in Österreich bereits?
Paulus: Neben unserem flächendeckenden privaten Recyclingprogramm bemühen wir uns sehr, unseren Kundinnen und Kunden auch das Recycling ihrer Kapseln über die öffentliche Sammlung der Metallverpackungen zu ermöglichen. Hierzu benötigt es das Einverständnis der Region, also im konkreten Fall des AWV Mürzverband, sowie des zuständigen Sammel- und Verwertungssystems (z.B. ARA AG). In Summe haben sich bis dato 15 Regionen, also Städte oder Bezirke, in Österreich unserer Initiative angeschlossen. Darunter befindet sich neben den Nachbarbezirken Leoben sowie in Niederösterreich Neunkirchen, Lilienfeld und Scheibbs auch die Landeshauptstadt Graz. Insgesamt erreichen wir damit immerhin etwa 44 Prozent unserer Kundinnen und Kunden.

266 Tonnen CO2-Emissionen vermieden

Welchen Mehrwert hat Nespresso von der Rückführung?
Paulus: Das Recycling der gebrauchten Kaffeekapseln liegt Nespresso sehr am Herzen. Einen Mehrwert bringt die Wiederverwertung von Aluminium vor allem für die Umwelt, denn damit lässt sich viel Energie einsparen und so auch CO2-Emissionen vermeiden. Eine Studie des österreichischen Umweltbundesamtes zeigt, dass wir diesbezüglich auf dem richtigen Weg sind: Mit der im Jahre 2017 gesammelten und recycelten Menge an Nespresso-Kapseln haben wir der Umwelt 266 Tonnen CO2-Emissionen erspart.

Die Kosten trägt Nespresso?
Paulus: Ja, Nespresso übernimmt die Kosten für die Sammlung der Kapseln zur Gänze, so dass der Region kein finanzieller Mehraufwand entsteht. 

Zusätzlich über 1.900 Sammelstellen

Welche anderen Möglichkeiten bietet Nespresso zum Recycling der Kapseln?
Paulus: Unsere Kundinnen und Kunden können ihre Kapseln heute bei über 1.900 Sammelstellen retournieren, dazu zählen neben den Nespresso Boutiquen zahlreiche Altstoffsammelzentren in Gemeinden, ausgewählte Elektrofachhändler, Einrichtungshäuser und Post-Partner in ganz Österreich. Die Kapseln werden in weiterer Folge von unserem Partner, der ARAplus GmbH, nach Tirol gebracht und dort recycelt. D. h. das Aluminium der Kapsel wird vom Kaffee getrennt, eingeschmolzen und in den Kreislauf zur Herstellung neuer Aluminium-Produkte gebracht. Der Kaffeesud wird vergoren und aus dem entstehenden Biogas wird Strom erzeugt. Gemeinsam mit den Möglichkeiten im öffentlichen System haben mittlerweile ca. 97 Prozent unserer Kundinnen und Kunden eine Recyclingsammelstelle nicht weiter entfernt als etwa fünf Kilometer von ihrem Wohnort.

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