Ybbstal-Radweg: Vom Lunzer See nach Waidhofen
Im Fluss: Mit leuchtenden Augen durch das Ybbstal radeln
- hochgeladen von Birgit Indrak
Ich hätte es wissen können.
Der Himmel ist blau. Die Sonne steht hoch. Der Sonntagvormittag ist warm und hell.
Ich stehe am Bahnhof in Waidhofen. Das Rad neben mir.
„Hallo.“
Der Bus kommt.
Zwei weitere Paare und ich schieben die Räder auf den Anhänger.
Dann fallen wir in die Sitze. Der Bus fährt los.
Die Häuser von Waidhofen ziehen vorbei. Noch kann ich die Straßenschilder lesen. Sie werden weniger. Die Bäume, Sträucher und Wiesen mehr. Nicht mehr ganz scharf zu erkennen.
Ich richte mich auf.
Beuge mich näher an die Fensterscheibe.
Verpasse plötzlich keine Kurve mehr.
Es kribbelt.
Im Bus zum Lunzer See: Eine Landschaft erzählt
Ein älterer Fahrgast steigt ein.
Setzt sich in die erste Reihe, direkt hinter den Fahrer.
Fängt an zu reden. Über Alltägliches, das, was sich im Ort tut, die Gesundheit.
Man kennt sich.
Sieht sich immer wieder mal zufällig.
Der Busfahrer erzählt: wie lange er schon auf der Strecke fährt. Wie sie heute ist, mit dem Bus und wie es früher war, als die Bahn noch fuhr. Er erinnert sich an jedes Detail.
Es ist nicht einfach eine Straße, ein Stück Landschaft, die vorüberzieht. Es ist sein Leben.
Der Bus bleibt stehen.
Senkt sich ab.
Die Türen zischen.
Öffnen sich.
Ich schaue auf.
Wir sind da.
Jetzt geht es los!
Ein Abstecher zum See?
Der schwierigste Teil der Radtour: Weiterfahren
So viel Zeit muss sein.
Die Radfahrer sitzen am Lunzer See in der Sonne. Schauen aufs Wasser.
Besucher schlendern die Seepromenade auf und ab. Schlecken ihr Eis, das langsam in der Sonne schmilzt.
Auf den kleinen, runden Tischen der Cafés stehen kühle Eiskaffees mit Schlagobers. Daneben die Melange. Das Stimmengewirr mischt sich mit dem Klirren der Häferln beim Umrühren.
Der See in intensivem Blau, das Schiff am Steg – ruhig.
Die Beine werden langsamer. Der Blick bleibt hängen. Die Schultern sinken.
Das Rad abstellen.
Sich dazusetzen.
Aufs Wasser schauen.
Einfach hier bleiben.
Es wär so leicht.
Warum überhaupt weiter?
Mit Rückenwind im Kopf: Einfach rollen lassen
Ich schiebe das Rad an. Trete in die Pedale. Erst fest. Dann leichter. Dann rund.
50 Kilometer bis Waidhofen. Ich folge den Schildern.
Der Kopf wird still. Der Wind streift über die Arme und fährt durch die Haare.
Treten. In die Landschaft schauen.
Mühelos radel ich dahin. Möchte gar nicht stehen bleiben – und gleichzeitig alles festhalten. Bilder machen. Zum Teilen und Herzeigen.
Saftige Streuobstwiesen ziehen vorbei. Rotbackige Äpfel hängen auf den Ästen, die sich tief zum Boden neigen. Zum Reinbeißen.
Neben dem Radweg zart und violett, die Herbstzeitlosen. Dicht an dicht nebeneinander. Auf einer weiten Fläche, wie ein stilles Blütenmeer.
Die Ybbs begleitet mich. Ihr Rauschen ist beständig in meinem Ohr. Ein sanfter Takt beim Radeln durch den Tag.
Waidhofen an der Ybbs: Ein Tag klingt aus
Ich blinzel in die tiefstehende Sonne. Über den Stadtplatz bummeln Menschen. Ausflügler bestellen die letzte Melange und Eisbecher.
Ein Platz ist frei.
Ich setze mich.
Gedämpfte Stimmen zwischen den Tischen. Zufriedene Blicke, die über den Stadtplatz schweifen. Der Duft von Kaffee. Das Klirren der Häferln.
Der Milchschaum auf der Melange knistert leise. Ich nehme einen Schluck.
Unbemerkt lächle ich.
Ich hätte es wissen können – das war ein Tag zum Abschalten in der Natur. Ein Tag an den ich mich immer noch erinnere.
Daran gedacht
Die Radtour am Ybbstal-Radweg im Mostviertel liegt schon einige Zeit zurück, und trotzdem denke ich immer wieder gerne an diesen Tag zurück.
Es ist genau die Art von Outdoor Erholung, die bleibt – ruhig, klar und voller Eindrücke aus der Natur. Deshalb teile ich diese und andere Eindrücke gerne hier in der Community.
Über die frühlingshafte Wanderung am Hubertussee im Mariazeller Land kannst du hier lesen: Wo der Frühling im Wasser plantscht
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