Bevölkerungsstatistik
Oberkärnten schrumpft stetig

Oberkärnten schrumpft an Einwohnern. Es gilt, auch in den entlegenen Tälern Straßen und Infrastruktur zu erhalten - so wie hier in der Teuchl
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BEZIRK SPITTAL (ven). Die Oberkärntner werden weniger. Laut aktuellen Zahlen der Statistik Austria hat der Bezirk Spittal von 2002 auf 2019 insgesamt 5.554 Personen verloren. Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Radenthein, die auch mit 875 Personen die größte Abgangsgemeinde in diesem Zeitraum ist.

Weniger Geburten in Spittal

Die Bezirksstadt Spittal hat in diesem Zeitraum 662 Einwohner einbüßen müssen, von 2018 auf 2019 waren es 42. "Die Leute laufen nicht davon, der Bevölkerungsrückgang ist auch stark auf den Geburtenrückgang begründet", so Bürgermeister Gerhard Pirih zur WOCHE. "In der LAG Nockregion-Oberkärnten beschäftigen wir uns schon seit geraumer Zeit mit dem demographischen Wandel. Entscheidend ist, dass die Gemeinden an einem Strang ziehen", so Pirih. Die Abwanderungsmotive sind vor allem Ausbildung, Arbeitsplatz oder auch persönliche Motive. 

Keine Asylwerber mehr

Am stärksten von der Abwanderung betroffen ist die Stadtgemeinde Radenthein, die von 2002 auf 2019 875 Bürger weniger hat, von 2018 auf 2019 sind es 42 weniger. "Trotzdem muss man sagen, dass die Bevölkerungsentwicklung von 2018 auf 2019 erstmalig annähernd gleichbleibend und stabil ist, denn die 40 Einwohner weniger begründen sich auf der Schließung des Asylwerberheimes im Juli 2018", so Bürgermeister Michael Maier.
In seiner Gemeinde gibt es viele Maßnahmen, um die Bevölkerung da zu behalten: "Babypakete, ganzjähriges Kinderbetreuungsangebot, Ausbau der schulischen Betreuung, Erhalt der Volksschule Döbriach und attraktive Preisvorteile durch die Radenthein Card", zählt er auf. Dazu werde leistbares Bauland und Wohnen geschaffen sowie die ärztliche Versorgung sichergestellt. "Wir arbeiten auch am Ausbau der Linienbusverbindungen und von weiteren Mobilitätsangeboten. Ab September 2019 wird es eine Linienbusverbindung bis zum S-Bahnhof Paternion-Feistritz geben.

Leere Wohnungen in Krems

Johann Winkler ist seit 2003 Bürgermeister von Krems im Liesertal. "Wir hatten 17 Todesfälle, aber nur fünf bis sieben Geburten. Das schreibt sich leider so fort. Letzte Woche kamen Zwillinge, davon bräuchten wir mehr", sagt er. Man versuche, die Einwohner so gut es geht zu unterstützen - zum Beispiel mit einer Nachmittagsbetreuung für Volksschüler, Jobs schaffen könnte eine Gemeinde aber leider nicht. "Wir haben in Kremsbrücke auch einige Wohnungen zur Verfügung, die leer stehen. Heute gibt es ja kaum mehr Familien mit mehr als ein oder zwei Kindern, weil man sich das ja auch nicht mehr leisten kann."

"Ländlicher Raum ausgehungert"

Peter Suntinger, Ortschef aus Großkirchheim, sieht die Gründe der Abwanderung (274 Personen seit 2002 weniger) auch im zentralistischen politischen System. "Entlegene Gegenden werden ausgehungert, das fängt beim öffentlichen Verkehr an. Der Mobilitätsmasterplan sieht vor, dass man auf Gelegenheitsverkehr mit ehrenamtlichen Fahrern bauen sollte. Dann werden zwar die Volksschulstandorte garantiert, aber was nützt das, wenn man in kleinen Schulen Abteilungsunterricht hat. Das ist eine Benachteiligung gegenüber anderen Schulen", so Suntinger.
Weiters sieht er ein Problem in der Höhe der Miete für gemeinnützige Wohnprojekte. "In entlegenen Ortschaften wie Heiligenblut, Großkirchheim oder auch Mörtschach zahlt man gleich viel Miete wie zum Beispiel in Baldramsdorf, Lendorf oder auch Seeboden. Das ist kein Anreiz für junge Familien, die zudem am Land auch das kulturelle und Arbeitsplatzangebot vermissen und dazu pendeln müssen." 

"Politik muss mithelfen"

Auch Kurt Felicetti kämpft in der Gemeinde Reißeck um seine Bürger. Von 2002 bis 2019 hat die Gemeinde 390 Personen verloren, von 2018 auf 2019 waren es 18. 
"Die Gemeinde Reißeck hat das Problem, wie alle Gemeinden im ländlichen Raum, mit dem hohen Altersschnitt der Bevölkerung. Es gibt viele Möglichkeiten den Bevölkerungsschlüssel wieder umzukehren. Dazu bedarf es aber in erster Linie die Mithilfe der Politik. Solange die Politik die Städte im eigenen Speckgürtel stärkt, hat der ländliche Raum keine Chance", erklärt er die Lage.
Noch habe die Gemeinde viele Betriebe, was in den Nachbargemeinden weniger der Fall sei. 
Mit 22 Geburten im Jahr 2018 stehe die Gemeinde außerdem noch gut da. 
"Wir sind dabei, Wohnraum zu schaffen, auch im geplanten 'Alpen Adria Center Reißeck' mit Nahversorger an der Bundesstraße." In den letzten sieben Jahren seien auch keine Gebührenerhöhungen erfolgt.
Felicetti setzt sich mit der Gemeindeführung für die Erhaltung der Infrastruktur ein, wie zum Beispiel das Schwimmbad, die Erhaltung von Bergstraßen, der Kreuzeck-Bahn, Sportplätze und die Adaptierung der Volksschule. 
"Den jungen Menschen muss erkennbar gemacht werden, dass es sich lohnt, in der Gemeinde Reißeck wohnhaft zu bleiben und nicht nach Spittal/Drau oder in andere Stätte abzuwandern. Dazu muss auch die öffentliche Verkehrsanbindung funktionieren. Dies ist leider im Mölltal ein großes Versäumnis und man kann nur hoffen, dass wir nicht ganz im Stich gelassen werden."

Wenige Zuzugsgemeinden

Dennoch gibt es Zuzugsgemeinden, wie zum Beispiel Seeboden (+397), Millstatt (+116) oder auch Baldramsdorf (+76). Lurnfeld hat von 2018 auf 2019 um 57 Personen zugelegt, insgesamt aber 85 verloren; ebenso Sachsenburg, mit 50 mehr von 2018 auf 2019, insgesamt aber 109 Personen weniger.

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