Blick auf die Geschichte
Warum das allererste Musikvideo steirisch ist
- Mirzl Hofer, eine waschechte Steirerin, ein Musiksuperstar ihrer Zeit – und Hauptdarstellerin im allerersten Musikvideo.
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Wusstest du, dass die Erfindung des Radios eine steirische Geschichte ist? Oder hast du gewusst, dass die Grüne Mark eine Antwort auf das legendäre Woodstock fand? Ja, die Steiermark hat Musikgeschichte geschrieben, gleich mehrfach.
STEIERMARK. Vom Dachstein-Lied über Nazi-Propaganda im Radio bis hin zu einer Vielfalt der Unterhaltungsindustrie, einer Super-Jodlerin und Musikerinnen und Musikern, die berühmt wurden: Musik wurde und wird in der Steiermark großgeschrieben. Wir fassen für dich drei Highlights zusammen, von denen du vielleicht noch nichts gehört hast.
Zur (steirischen) Geschichte des Radios
- Die Geschichte des Radios ist fest mit der Steiermark verwurzelt. Die weltweit erste Sprachübertragung, die 1904 zu hören war, ist Otto Nußbaumer zu verdanken. Der gebürtige Innsbrucker kam als Student an die Technische Hochschule nach Graz und hatte es in der Landeshauptstadt geschafft, "etwas" zu senden. Am 29. März 1925 ging die Steiermark zum ersten Mal und ganz offiziell on air: Das erste steirische Rundfunkstudio eröffnete dort, wo heute in Graz das Polizeigebäude am Paulustor steht. Der Sender wiederum stand, wie soll es auch anders sein, am Schlossberg. Zu hören gab es "Die schöne Adrienne hat eine Hochantenne" von Max Kuttner. Tatsächlich gab es in Graz aber schon Jahre zuvor eine Radiostation: Genau genommen seit dem Jahr 1915; sie wurde auf dem Ruckerlberg installiert und mit dem Ende des Ersten Weltkriegs an das Land übergeben. Damals war die Zeit der Nutzung des Radios für die k.u.k.-Monarchie als Telegraf nutzlos geworden. Das Radio wurde jedoch sozusagen recycelt: Ein Hörfunk für alle, der Unterhaltung bietet, lautete das Ziel.
- Die steirische Volksmusik und Volksmusikkultur ist unverzichtbar – aber die Steiermark hatte und hat musikalisch viel mehr zu bieten.
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Jodeln revoltiert das Musikvideo
Maria Vidowitsch ist das, was man getrost als den ersten weiblichen Musiksuperstar bezeichnen kann. Und sie war eine waschechte Steirerin. Die Grazerin, die 1877 geboren wurde und unter dem Künstlernamen Mirzl Hofer auftrat, war als Sängerin bekannt, vor allem aber als Jodlerin gefragt und geschätzt. "Stimmphänomen von der Alm" oder "beste Natur-Jodlerin der Gegenwart" – so wurde sie bezeichnet. Hofer war im In- und Ausland mit ihrer "feschen Mode", den traditionellen Trachten, ein gern gesehener Gast. Und die Super-Jodlerin wurde noch für etwas ganz anderes berühmt: Im Jahr 1908 war sie die Hauptdarstellerin in einem "singenden Film", einem kurzen Clip, in dem sie Playback zu einer Schallplatte sang. Heute wird dieser als erstes Musikvideo verstanden.
Hier zu sehen (ab Sekunde 0:43 tritt Mirzl Hofer auf):
(Weniger) Harmonische Zeiten
Nach dem Ersten Weltkrieg und den wirtschaftlich schwierigen Zeiten wollte man nur eines: Leichtigkeit. Theater, Varietés und Kabaretts wurden gestürmt und in den Bars und den privaten vier Wänden gefeiert. Der Grazer Dirigent Robert Stolz brachte mit "Salome" den ersten Foxtrott nach Europa, musste als Jude mit der Machtübernahme aber Österreich verlassen. Stolz fand in den USA eine neue Heimat, wo er für seine Filmmusik bekannt wurde.
- In den berühmt-berüchtigten 1920er-Jahren, die "Roaring 20s", wollte man das Leben einfach nur genießen. Musik war ein wichtiges Element dafür.
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Das nationalsozialistische Regime hatte in der Unterhaltungsbranche großen Einfluss, so auch auf die damals wohl bekannteste Musikgruppe weltweit, die Comedian Harmonists. Aufgrund einiger jüdischer Mitglieder und deren Berufsverbot formatierte sich die "Boyband" neu – die "arischen Mitglieder" blieben, die jüdischen wanderten aus – und nannte sich Comedy Harmonists, und mit Hans Rexeis und Rudolf Mayreder wurden zwei Steirer aufgenommen. Rexeis, geborener Lannacher, übernahm den ersten Tenor, Mayreder, geboren in Mariazell, stimmte als Bass mit ein.
- Die originalen Comedian Harmonists waren sozusagen die bekannteste "Boyband" der damaligen Zeit. Nachdem die jüdischen Mitglieder Erich Collin (2.v.l.), Roman Cycowski (3.v.r.) und Harry Frommermann (2.v.r.) während des NS-Regimes das Berufsverbot erteilt wurde, wurde ein Ableger gegründet. Bei den Comedy Harmonists waren auch zwei Steirer dabei.
- Foto: akg-images
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Apropos: Ein gern gehörter Song der Harmonists war "Du hast kein Glück bei den Frau'n, Bell Ami". Genau dieser Hit (für den gleichnamigen Film "Bel Ami" von Willi Forst) wurde für Lizzi Waldmüller, die 1904 in Knittelfeld als Felizitas Karoline Waldmüller geboren wurde, ein Durchbruch. Sie wurde als Operettensängerin und als Filmstar bekannt.
Hippie-Feeling in Poppendorf
Woodstock, das ist Freiheit und Liebe. Knapp 400.000 Menschen waren dabei, als Jimi Hendrix, Janis Joplin oder Santana auf der Bühne in White Lake beim größten Musikfestival für den Frieden Weltgeschichte geschrieben haben. Woodstock, das kann die Steiermark auch – im kleinen Rahmen. 1971 als "Mini-Woodstock" beworben, wurde Schloss Poppendorf das Mekka der heimischen Musikszene. Gut 3.000 Besucherinnen und Besucher reisten an.
- Boris Bukowski ist ein steirisches Musikurgestein. Beim "Mini-Woodstock" in Poppendorf 1971 war er dabei.
- Foto: Oliver Wolf
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Bei "Popendorf 71". Mit dabei war unter anderem der in Graz geborene Jack Grunsky – der später in Kanada Karriere machte und als Wegbereiter des Austropop gilt –, Music Machine mit dem legendären Boris Bukowski, Magic 69 mit Günter Timischl, der später Gründungsmitglied von S.T.S. wurde, sowie die Bluse-Poper- und -Punker Novak's Kapelle. Letztgenannte Combo war zwar Headliner, hatte nach einem Pfeifkonzert der übel gelaunten Zuhörerinnen und Zuhörer das Set aber gleich abgebrochen.
Zum ersten Teil der Serie "Blick auf die Geschichte":
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