Georg Plank: Der Glaube an die Selbstständigkeit

Bestens betreut im Auschlössl: Georg Plank (r.) und WOCHE-Redakteur Roland Reischl
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25 Jahre stand Georg Plank in Diensten der Diözese Graz-Seckau. "Ein Jahr spannender als das andere", sagt er selbst, die spannendsten hatte er wohl – als Chef der Öffentlichkeitsarbeit – direkt an der Seite des damaligen Bischofs Egon Kapellari. 2014 wagte er mit der Firma "Pastoralinnovation" den Weg in die Selbstständigkeit, bis dato höchst erfolgreich: Warum er diesen Schritt nicht bereut hat und warum gerade das kommende Pfingstfest für ihn eine besondere Bedeutung hat, erzählte der der WOCHE beim Businesslunch im "Auschlössl".

Erste Frage: Warum treffen wir uns gerade im Megaphon-Café "Auschlössl"?
Ich habe die Anfänge des Megaphon mitbekommen, so etwas zu betreiben ist beinharte Arbeit, es ist nicht einfach und es löst auch nicht alle Probleme. Aber es ist innovativ. Es gab eine Problemstellung – Obdachlose – um die sich alle herumgedrückt haben und jemanden, der sich um eine kreative Lösung bemüht hat, die auch erfolgreich war.

Was macht Ihr Unternehmen genau?
Die Vision ist es, dass kirchliche Organisationen innovativer werden. Egal, ob das Pfarrgemeinden, Orden oder Diözesen sind. Die Strategie des Unternehmens ist es, dass wir jene, die innovativ sein wollen, mit jenen zusammenbringen, die schon innovativ sind. Das hat sich extrem bewährt, es löst mehr aus als große Konferenzen oder gescheite Bücher. Das Wichtigste ist einmal das Erlebnis zu spüren, dass man besser werden kann. Wir sind für jene da, die leben und wachsen wollen.

Stichwort Innovation: Auch für Ihren Karriereweg entscheidend, oder?
Richtig. Ich forciere Innovation, weil ich jemand bin, der schon von Jugend an vor Ideen gesprüht hat, das ist mir geschenkt. Und auch, dass ich andere dafür begeistern konnte. Team ist mir wichtig, die Gemeinschaft ist es, die auch die Kirche ausmacht. Es ist eine Illusion, wenn jemand glaubt, stark genug zu sein, um allein durchs Leben zu gehen. Der Mensch ist auf konstruktive Kooperation ausgelegt, das belegen auch alle entsprechenden Studien.

Hat die Kirche Sie durch Ihr ganzes Leben begleitet?
Es gab nie einen Bruch, aber schon traumatische Erlebnisse: Ich habe zum Beispiel bei meiner ersten Anstellung als Pastoralassistent Mobbing und Intrige erlebt. Ich habe daraus gelernt, die Kirche als Organisation zu verstehen, die ihren Gesetzmäßigkeiten unterliegt wie jede andere Firma auch. Wenn man das versteht, dann kann man sie auch leichter steuern lernen.

Was waren Ihre Qualitäten dabei?

Ich habe Karriere nie angestrebt, vielleicht gerade deshalb wurden mir immer wieder Leitungsfunktionen angeboten. So viele Spielräume wie ich in meinen diözesanen Jobs hatte kaum jemand. Aber das liegt wohl auch daran, dass ich jemand bin, der eher die Spielräume sieht und nicht die Mauern. Und wenn da wo eine Mauer ist, dann renne ich nicht dagegen, sondern ich schaue, wo die Tür ist.

Und das ist nie schief gegangen?

Natürlich. Du brauchst zehn gute Ideen, damit aus einer etwas wird. Man sieht ja immer nur die erfolgreichen Projekte, nicht die gescheiterten. Man muss großherzig mit Ideen umgehen können und die Energie dort reinstecken, wo etwas geht.

Wertvolle Erfahrungen, oder?
Ja, ich habe sehr gerne in der Diözese gearbeitet und ich habe aufgehört, als es am besten geschmeckt hat. Und ich kann mit dieser Energie etwas Neues wagen. Mein Sprung in die Selbstständigkeit, mit dem was ich jetzt mache, ist ein sehr ungewöhnlicher, mir ist im deutschen Sprachraum noch nichts Vergleichbares untergekommen. Nach fast vier Jahren fühle ich mich mehr belohnt als bestraft, das Positive überwiegt.

Was empfinden Sie als negativ?
Was mich wirklich ärgert ist, wenn jemand sagt: "Ich bin halt so, da kann ich nichts machen ..." Den Willen, sich zu entwickeln, setze ich bei Menschen voraus, mit denen ich zusammenarbeite. Und das Wörtchen "eh". Das ist für mich das innovationsfeindlichste Wort, das ich kenne. Das "wissen wir eh schon" und das "haben wir eh schon probiert" ...

Was sind Erfolgsfaktoren für die Kirche, für eine Pfarre?
Es sind drei Säulen: die Musik, die Predigt und die allgemeine Stimmung, daran liegt es, ob Menschen gerne hingehen. Jede Pfarre, die mit ihrem Sonntagserlebnis attraktiver werden will. kann sich auf diese drei Dinge konzentrieren. So kann Innovation in Kirchen gelingen, dazu gibt es solide Forschungen, dazu habe ich Programme aufbereitet. Das ist wie das Erlernen eines Handwerks.

Und wo lernt man das?
Am besten von jenen, die es schon können, das ist wie beim Lehrling und seinem Meister. Mentoring ist das Schlagwort dazu.

Und da darf man Kirche wie ein Unternehmen sehen?
Ja, das muss man sogar. Die Kirche ist eine Non-profit-Organisation und unterliegt den selben Gesetzmäßigkeiten wie jede Organisation. Die Kirche hat zwei Flügel: den spirituellen, aber auch den organisatorischen. Beide Flügel müssen gleich lang sein, damit man fliegen kann.

Es gelten also die Gesetze des Marktes?
Ja. Und Markt heißt in diesem Fall, es gibt die freie Wahl und Konkurrenz. Wenn ich als Pfarrer will, dass die Menschen zu mir in die Kirche kommen, muss ich besser sein als die anderen. Und "die anderen" sind nicht nur andere Kirchen, sondern vor allem auch der Jazzbrunch, der Sport oder einfach nur das Ausschlafen und viele andere Dinge.

Wie passt Kirche da hinein?
Es geht um Trends. Und die großen Trends kommen aus den USA und England, auch in der Kirche. Trendforschung ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit, das ist wie ein Blick in die Zukunft, auf diese Dinge können wir uns auch hierzulande einzustellen.

Zum Beispiel?

Wie soll Leitung in einer Kirche aussehen? Wie wird Spirtualität gelebt? Wie steht es um Mitarbeiterkultur? Wie geht man mit Schwächeren um? Da sind uns Amerikaner und Engländer einen Schritt voraus, sie sind viel professioneller. Sie haben einen viel gesamtheitlicheren Blick: Das reicht von den Basisfaktoren wie Parkplatzangebot, Willkommensathmosphäre und WC bis hin zu den "Begeisterungsfaktoren" wie Musik und Predigt. Es ist der permanente Versuch eine positive Grundstimmung herzustellen. Da geht es noch gar nicht um Glaube, sondern um gesunden Menschenverstand.

Wo kommt der Glaube ins Spiel?
Spiritualität ist nichts, was nur besonderen Menschen geschenkt ist, die hat jeder in sich. Jeder Mensch, der etwas dazu beiträgt, dass sein Leben und das der anderen besser wird, hat diese Spiritualität. Die Kirche kann es unterstützen, dass diese Saat aufgeht – aber sie ist nicht die Saat.

Letzte Frage: Was ist die besondere Bedeutung von Pfingsten für Ihr Unternehmen?
Pfingsten als Fest des Heilgen Geistes, die Kirche hat zu Pfingsten zu leben begonnen. Plötzlich sind die Türen aufgegangen, Mut war da, Kommunikation ist passiert. Unser Innovationsforum nennt sich sogar "PfinXten", das wollen wir damit deutlich machen.

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