13.11.2016, 17:45 Uhr

APFEL. Märchen und Geschichten für Kinder, Kindsköpfe und Kind gebliebene - Teil 87

Heute durfte ich beim Genusssalon auf der Landwirtschaftskammer in Linz ein paar meiner Märchen erzählen. Eine tolle Veranstaltung! Ich war über die Kreativität und Innovationen der Oberösterreichischen Landwirte begeistert. Natürlich waren auch edle Most- und Edelbrand-Tröpferl zu sehen und verkosten. Auf der Heimfahrt fielen mir schöne rote Äpfel auf, die am Apfelbaum unseres Nachbarn vor sich hin fröstelten. Hand in Hand war auf einmal die folgende Geschichte da, die ich gleich mit ein paar gedörrten Apfelringerln und einem Glaserl Most oder Apfelsaft feiern werde : - ) ... Schließlich sagt schon ein altes Sprichwort: "An apple a day keeps the doctor away..." Reich an Vitaminen und Mineralstoffen sind Äpfel und auch im Winter ein leckerer Vitaminkick!

Als der Apfelbaum richtig sauer wurde...

Es war einmal ein wunderschöner Apfelbaum, der trug jeden Herbst die schönsten größten und süßesten Äpfel, die man sich vorstellen konnte. Rot und vollmundig glänzten sie in der Herbstsonne und ließen den Menschen, die daran vorbeikamen, das Wasser im Mund zusammenlaufen. Aber der Baum war hoch und irgendwie war noch nie jemand auf die Idee gekommen, bis zur Krone hinaufzuklettern und die verführerischen Äpfel zu pflücken. Eines Tages, schlängelte sich eine große giftgrüne Schlange durchs Gras. Sie war auf Beutezug und ihr Magen knurrte fürchterlich. Als sie die großen saftigen Äpfel vom Baum herunter leuchten sah, überlegte sie sogar einen Moment lang, ob sie nicht für diese eine Mahlzeit zum Vegetarier werden sollte. Schnell aber schüttelte sie den Kopf und wischte den Gedanken beiseite, denn sie hatte ein kleines Mädchen erspäht, dass sich müde unter dem schattigen Apfelbaum niederließ.

"Mein Magen knurrt schrecklich und ich habe seit Tagen nichts Rechtes mehr gegessen!" weinte das kleine Waisenkind und schneutzte sich laut in einen zerrissenen Zipfel seinerSchürze. So ein Apfel würde mir das Leben retten. Aber der Baum ist viel zu hoch für mich!" Da hatte der Apfelbaum Mitleid mit dem Mädchen und lies ein paar der schönsten und saftigsten Äpfel vor ihr zu Boden fallen. Wie glücklich war die Kleine da und ließ sich sogleich den ersten Apfel mit großen gierigen Bissen schmecken.

"Diese Beute ist ja noch viel leckerer als ein Apfel! Freute sich die hinterhältige Schlange, begann ihren Vorteil zu nutzen und schlängelte sich leise zum kleinen Mädchen. "Jung und saftig - genau wie ich es mag", zischte sie... und hielt noch einmal kurz inne, um diesen Moment so richtig zu genießen.

Dabei hatte sie jedoch etwas zu laut gezischt, denn der Apfelbaum, der außerordentlich gute Ohren besaß, hatte gehört was das gemeine Vieh vor hatte und er wurde furchtbar wütend. Dabei schüttelte es ihn vor Wut so heftig, dass alle Äpfel auf einmal zu Boden prasselten und die Schlange unter sich begruben. Gott sei Dank saß das Mädchen so eng an den Baum geschmiegt da, sonst hätten sie die großen Äpfel wohl erschlagen. So aber, war es ohne einen Kratzer davongekommen.

"Nimm ruhig alle Äpfel mit, mein Kind" sagte der Baum. Sie halten länger, wenn du sie in Heu legst. Saft aus den Äpfeln schmeckt wunderbar süß und spendet Kraft!"

"Aber lieber Apfelbaum," sprach das Mädchen. Ich bin ein Waisenkind und habe kein Zuhause. Was soll ich denn mit all den schönen Äpfeln anfangen?" Auch hierfür wusste der knorrige alte Baum Rat. Von meiner stolzen hohen Krone aus, sehe ich genau auf eine kleine Hütte am Waldrand. Dort wohnt eine Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ein kleines Mädchen. Bei ihr wirst du sicher ein gutes Zuhause finden."

Als das Mädchen sich kurze Zeit später mit einer Schürze voller Äpfel auf den Weg zur Hütte machte, sollte der Apfelbaum Recht behalten. Wie herzte und drückte die Frau ihr neues Kind. Aus den Äpfeln wollten sie gleich Saft für den Winter machen. Immerhin waren sie nun zu zweit. Mit aufgekrempelten Ärmeln pressten Mutter und Tochter einen großen Teil der Äpfel aus. Am nächsten Tag wollten sie süßen Saft daraus bereiten.

Aber was war das? Als sie ihn am nächsten Morgen in Krüge abfüllen wollten, schmeckte der Saft hantig und nach ein paar festen Schlucken wurde man sogar richtig duselig im Kopf. Nein so etwas hatte es noch nie gegeben. Äpfel wurden ausgepresst und ihr Saft den ganzen Winter hindurch getrunken. Das war schon immer so im Tal!

Da fiel es dem kleinen Mädchen wie Schuppen von den Augen. "Mutti, ich glaub ich weiß was mit den Äpfeln passiert ist. Als mich die Schlange so hinterhältig beißen wollte, ist der liebe gute Apfelbaum so wütend geworden, dass er vor lauter Zittern und Schütteln alle seine Äpfel hat fallen lassen. Dabei muss sich etwas an ihrem Saft verändert haben..."

Und so geschah es, dass der Apfelsaft seit jenem Tag zu gären beginnt, wenn man ihn stehen lässt und zu Most - und... wenn man ihn noch länger stehen lässt und vielleicht noch etwas Essigmutter dazugibt..., sogar zu Essig wird.
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Ferdinand Reindl aus Braunau | 13.11.2016 | 18:16   Melden
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Birgit Winkler aus Krems | 13.11.2016 | 18:22   Melden
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Heinrich Moser aus Ottakring | 13.11.2016 | 18:58   Melden
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Hans Baier aus Graz-Umgebung | 13.11.2016 | 20:44   Melden
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Erika Bauer aus Bruck an der Mur | 14.11.2016 | 07:30   Melden
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Helga Tomasi aus Pinzgau | 14.11.2016 | 14:39   Melden
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Anita Buchriegler aus Steyr | 14.11.2016 | 21:28   Melden
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Elisabeth Staudinger aus Vöcklabruck | 14.11.2016 | 21:52   Melden
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Marie O. aus Graz | 15.11.2016 | 10:44   Melden
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Anita Buchriegler aus Steyr | 19.11.2016 | 20:40   Melden
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