Bereits zwölf Tote durch Lawinen im Februar
Lawinen, Straßensperren und AT-Alert

Freier Skiraum in Serfaus: Eine Schneebrettlawine erreichte aufgrund einer Bruchfortpflanzung eine Länge von ca. 150 Metern. Ein Österreicher wurde von der Lawine erfasst und vollständig verschüttet. Er verstarb im Krankenhaus. | Foto: Alpinpolizei Tirol
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  • Freier Skiraum in Serfaus: Eine Schneebrettlawine erreichte aufgrund einer Bruchfortpflanzung eine Länge von ca. 150 Metern. Ein Österreicher wurde von der Lawine erfasst und vollständig verschüttet. Er verstarb im Krankenhaus.
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Die Lawinensituation in Tirol bleibt weiterhin auf höchster Alarmstufe. Nach einem Lawinenabgang in Serfaus verstarb ein Skifahrer im Krankenhaus, in Kitzbühel konnte sich ein verschütteter Snowboardfahrer selbst befreien. Im Zillertal verstarb ein Skifahrer nach einem Skiunfall im freien Skiraum im Krankenhaus. Die Verkehrssituation ist durch Straßensperren belastet. Gegen 13:30 wird es in ganz Tirol eine neuerliche Warnung mittels AT-Alert geben.

INNSBRUCK. Die Lawinensprengungen in den Morgenstunden sind das hörbare Zeichen für die aktuelle Situation in Tirol. Die Lawinenlage bleibt angespannt, die Warnungen aller Experten sind weiterhin aufrecht. Eindringlicher Appell: "Der freie Skiraum ist zu meiden!" Seit dem 13. Februar meldete der Lawinenwarndienst Tirol mehr als 200 gemeldete Lawinenereignisse. Aktuell liegt die Zahl der Lawinentoten im Februar bei zwölf Menschen. Landeshauptmann Anton Mattle ist zutiefst erschüttert über die traurige Bilanz und wendet sich daher mahnend an die Bevölkerung und die Gäste in Tirol: „Tirol ist ein sicheres Land mit gut ausgebauten Pisten und einem engmaschigen Sicherheitsnetz. Dennoch verlangen unsere Berge nach Vorsicht und Eigenverantwortung! Die frischen Schneefälle locken zurzeit viele Menschen auf die Berge - auch abseits von gesicherten Pisten. Es ist schmerzlich, dass wir bereits mehrere Lawinenabgänge mit Verletzten und Toten verzeichnen müssen. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Verunglückten. In weiten Teilen Tirols gilt aktuell Lawinenwarnstufe 4 - eine gefährliche und nicht zu unterschätzende Situation. Bitte passen Sie auf, bleiben Sie auf gesicherten Pisten und Routen und planen Sie Ihre Schi- oder Bergtouren mit der notwendigen Vorsicht. Informieren Sie sich über die aktuelle Lawinensituation und verzichten Sie im Zweifelsfall auf Ihre Schitour. Denken Sie bitte auch an die Sicherheit der Einsatzkräfte, die dann ausrücken müssen, wenn Sie in eine Notsituation geraten“, erinnert LH Mattle an die Folgen eines möglichen Sucheinsatzes. Für den Landeshauptmann hat die Sicherheit der Einsatzkräfte oberste Priorität.

Gefährliche Situation

Dieser Winter weist eine besondere Situation auf. Wegen der außergewöhnlich geringen Schneemengen im Dezember wurden viele Variantenbereiche kaum befahren. In der Folge haben sich gefährliche Schwachschichten in der Schneedecke gebildet, die die Gefahr im freien Gelände, selbst in unmittelbarer Nähe zu den Pisten, erhöhen. Die Lawinengefahr ist derzeit in weiten Teilen Tirols mit Stufe 4 bewertet. Während der vergangenen Woche gab es in Tirol intensive. Am meisten Schnee fiel in Summe im Westen und Nordwesten Nordtirols mit verbreitet 100 bis 150 Zentimeter. In den übrigen Landesteilen waren es in Summe meist zwischen 30 und 70 Zentimeter. Gleichzeitig weht teils starker Wind aus wechselnden Richtungen. Dadurch entstehen umfangreiche Triebschneeansammlungen, die auf einer sehr schwachen Altschneedecke abgelagert werden. Diese Konstellation führt dazu, dass Lawinen sehr leicht ausgelöst werden können – auch große Lawinen sind möglich. Besonders während der intensiven Niederschläge ist mit spontanen Lawinenabgängen zu rechnen. Aber auch danach bleibt die Schneedecke äußerst störanfällig. Typische Gefahrenzeichen wie ‚Wumm‘-Geräusche und Rissbildungen sind klare Alarmsignale. Zudem sind Fernauslösungen verbreitet möglich. Das bedeutet, dass Lawinen auch aus sicher geglaubter Distanz ausgelöst werden können. Um nicht notwendige Sucheinsätze zu vermeiden, ist es wichtig, auch Negativlawinen zu melden. Das heißt: Wer Negativlawinen – also einen Lawinenabgang bei dem niemand zu Schaden kommt – beobachtet, sollte diese unbedingt unverzüglich der Leitstelle Tirol melden. Die Meldung von Negativlawinen ist telefonisch über den Notruf 144, den Alpinnotruf 140 oder über die SOS-EU-Alp-App möglich. Auch für Sonntag ist keine Entspannung in Sicht.

Sicherheit geht vor! Warnungen ernst nehmen. Gegen 13:30 Uhr wird durch einen AT-Alert nochmals auf die Gefahren hingewiesen. | Foto: Land Tirol
  • Sicherheit geht vor! Warnungen ernst nehmen. Gegen 13:30 Uhr wird durch einen AT-Alert nochmals auf die Gefahren hingewiesen.
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„Ich möchte allen Lawinenkommissionen, Gemeinden, Einsatzorganisationen sowie dem Lawinenwarndienst des Landes Tirol, der Leitstelle Tirol und dem Landes-Warn- und Lagezentrum herzlich für ihren Einsatz danken. Sie sind unverzichtbar und der Garant dafür, dass Tirol auf ein Weltklasse-Sicherheitsnetz zurückgreifen kann“, so LH Mattle abschließend. 

In der Klinik verstorben

Am 21. Februar 2026 gegen 10.00 Uhr ereignete sich im Skigebiet Serfaus (freier Schiraum), im Bereich „Untermotzwiesen“, bei den dortigen Erdpyramiden ein Lawinenabgang. Ein 41-jähriger Österreicher befuhr gemeinsam mit einem 29-jährigen Deutschen auf Alpinschiern das Waldgebiet in Richtung Serfaus. Als der Österreicher unterhalb eines steilen Südhanges im Bachbett des „Hintergreitbaches“ stehen blieb, löste sich eine Schneebrettlawine und erreichte aufgrund einer Bruchfortpflanzung eine Länge von ca. 150 Metern. Der Österreicher wurde von der Lawine erfasst und vollständig verschüttet. Der deutsche Begleiter und weitere vorbeikommende Skifahrer starteten sofort eine Suche mittels LVS Geräten. Der Verschüttete konnte geortet und aus einer Tiefe von ca. 2,4 Meter ausgegraben werden. Die Ersthelfer begannen sofort mit der Reanimation, welche weiters von NAH Team „C5“ und der Bergrettung Serfaus übernommen wurde. Der Verschüttete wurde unter Fortführung der Reanimationsmaßnahmen in die Klinik Innsbruck geflogen, wo er verstarb. Im Einsatz standen: Bergrettung Serfaus,1 Hundeführer der Bergrettung Tirol, Hubschrauber „C5“ und Hubschrauber „Libelle Tirol“, Bergbahnmitarbeiter – Pistenretter, 4 Beamte der Alpinpolizei Bezirk Landeck. 

Die Rettungskräfte stehen im Dauereinsatz und unter enormen Belastungen.  | Foto: zeitungsfoto.at
  • Die Rettungskräfte stehen im Dauereinsatz und unter enormen Belastungen.
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Zeugen in Kitz gesucht

Am 21. Februar 2026 gegen 13.00 Uhr fuhr ein 32-jähriger Deutscher (Bayern) mit einem Snowboard im Skigebiet „KitzSki“ auf der schwarzen Piste 23 von der Bergstation „C1 Steinbergkogel“ in Richtung „Ehrenbachhöhe“ talwärts. Der Snowboarder war mit einer Notfalllausrüstung ausgestattet und verließ unterhalb der Bergstation die gesicherte Piste. Auf einer Seehöhe von 1850 m querte der Snowboarder unterhalb eines Schiweges einen ca. 40 Grad steilen Hang. Dabei löste sich eine Schneebrettlawine, welche den Deutschen ca. 85 m mitriss, wo er unmittelbar auf einem zur Piste gehörenden Skiweg zum Stillstand kam. Laut eigenen Angaben wurde der Snowboarder nur bis zur Brust verschüttet, konnte sich selbst befreien und wurde nicht verletzt. Er konnte die Unfallstelle selbstständig verlassen. Vorerst befand sich eine Zeugin des Lawinenabgangs vor Ort und gab an, dass ansonsten keine Personen verschüttet wurden. Sie selbst kam nur leicht mit der Lawine in Berührung und wurde nicht verletzt. Die Zeugin verließ, ohne ihre Daten bekannt zu geben, den Vorfallsort. Eine Nachsuche am Lawinenkegel verlief negativ. Zeugen des Vorfalls, insbesondere die genannte Zeugin, werden ersucht, sich bei der Polizei Kitzbühel unter der Tel. Nr. 059133 7200 zu melden.

Lawineneinsatz in St. Anton | Foto: zeitungsfoto.at
  • Lawineneinsatz in St. Anton
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Niederländer stürzte im freien Skiraum

Am 21. Februar 2026 gegen 15.45 Uhr fuhr ein 52-jähriger Niederländer mit seiner Frau und seiner Tochter im Skigebiet „Zillertal Arena – Rohrberg“ auf der roten Piste Nr 13a talwärts. Der Niederländer setzte seine Fahrt im freien Schiraum in Richtung Rosenalmbahn fort, während die Frau und Tochter auf der Piste abfuhren. Als der Niederländer nicht am vereinbarten Treffpunkt erschien und auch nicht an sein Telefon ging, alarmierte die Frau die Bergbahnmitarbeiter.

Gegen 16.15 Uhr konnten diese den Skifahrer auf Höhe der „Gründlalm“, ca. 7 Meter außerhalb der Piste im freien Gelände auffinden. Der verunfallte Niederländer wurde kopfüber im Schnee aufgefunden, freigeschaufelt und sofort reanimiert. Die Reanimation wurde anschließend von dem eingetroffenen Notarzt des NAH „Martin 7“ übernommen.

Nach einer erfolgten terrestrischen Bergung wurde das Opfer mit einem Rettungswagen in die Klinik Innsbruck gebracht. Der Niederländer erlag in den Abendstunden des 21.02.2026 in der Klinik Innsbruck seinen Verletzungen.

Die Polizei sucht für den Skiunfall im Zillertal Zeugen - hier ereignete sich der Unfall.  | Foto: ZOOM.Tirol
  • Die Polizei sucht für den Skiunfall im Zillertal Zeugen - hier ereignete sich der Unfall.
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Straßensperren

Ab 18 Uhr war Seelraintalstraße ab Gries in Richtung Kühtai nicht mehr passierbar, zehn Straßen wurde in Tirol gesperrt. Lech, Oberlech und Zürs sind abgeschnitten. Die Behörden haben beschlossen, die Straßen zu sperren. Neue Lawinen sind abgegangen. Die Gefahr ist enorm. Ab 17 Uhr sperrt die Polizei die Straßen zu den Orten. Die Sperrung wird voraussichtlich bis Sonntagvormittag andauern. Experten werden die Lawinenlage am Sonntag neu bewerten und entscheiden, wie lange die Orte gesperrt bleiben. Auch in St. Christoph am Arlberg türmen sich die Schneemassen. Inzwischen musste sogar die Feuerwehr anrücken, um mit der Drehleiter die Dächer von den Schneelasten zu befreien. Die Schneelast ist für viele Dächer inzwischen zu hoch. Ohne Schneeketten kommen Fahrzeuge kaum voran. Die Räumdienste sind im Dauereinsatz.

Lawineneinsatz in St. Anton | Foto: zeitungsfoto.at
  • Lawineneinsatz in St. Anton
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Erschütternde Lawinenserie, dringender Appell der Experten
St. Anton: Rettungskräfte nach Lawinenabgang im Einsatz

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