Kärnten trotzdem Schlusslicht
Bezirk Villach Land ist Bürgermeisterinnen-Hochburg
- Eine der drei Bürgermeisterinnen aus dem Bezirk Villach Land ist Michaela Oberlassnig (SPÖ), die jetzt auch auf Landesebene politisch mitmischt.
- Foto: G. Gleiss
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Kärnten ist Schlusslicht bei den Bürgermeisterinnen. Der Bezirk Villach Land sticht aber positiv heraus. MeinBezirk.at verrät Ihnen, warum bei uns drei SPÖ-Damen die jeweiligen Gemeinden regieren.
VILLACH LAND. Österreich zählt so viele Bürgermeisterinnen wie noch nie: Aktuell stehen 247 Frauen an der Spitze einer Gemeinde. Während Niederösterreich mit dem höchsten Frauenanteil führt, ist Kärnten mit neun Bürgermeisterinnen Schlusslicht. Immerhin sitzen drei davon – also ein Drittel – im Bezirk Villach Land im Chefsessel. "Ich bin 67 und in Pension, habe mich aber ganz bewusst als Bürgermeisterin von Velden zur Verfügung gestellt, weil ich glaube, dass man Vorbild sein muss. Wir Frauen müssen die kritische Männerdomäne durchbrechen und uns etwas trauen. Mit guten Voraussetzungen können sich Frauen sehr wohl einbringen – auch in der Politik", betont Margit Heissenberger, die seit etwa vier Monaten die Gemeinde Velden als Bürgermeisterin leitet: "Wir Frauen müssen den Mut haben, zu sagen, ja ich mache das jetzt. Ich bin in Velden aufgewachsen, ging hier zur Schule, hatte eine Jugendband, diverse Chöre und Vereine hier. Ich war sogar während meiner Wien-Zeit jedes Wochenende in Velden, weil ich hier das Kärntner Doppelsextett geleitet habe. Es ist ganz wichtig, dass man aus dem Ort kommt, den man als Bürgermeisterin leitet – auch als Bürgermeister."
- Margit Heissenberger hat in Velden das Zepter in der Hand.
- Foto: Marta Gillner
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Männerdomäne aufbrechen
Warum es so wenige Frauen in die Politik zieht? "Politik ist eine Männerdomäne. In den Parteien – allen Parteien – gibt es sehr verhärtete Strukturen. Das haben diverse Untersuchungen gezeigt. Man muss sich nur die Lebensläufe von Männern ansehen. Männer haben durchgängige parteiliche Linien, hatten die Zeit, in ihre Aufgaben hineinzuwachsen, und haben weniger Brüche im Lebenslauf, weil wir Kinder bekommen und zwischendurch in Karenz sind", gibt Heissenberger zu bedenken: "Ich bin gerade dabei, eine Arbeitsgruppe zu gründen, damit wir mehr Frauen in die Politik bekommen. Auf der Welt würde es an vielen Stellen anders aussehen, wenn mehr Frauen politische Spitzenpositionen bekleiden würden."
- oris Liposchek macht sich für Wernberg stark.
- Foto: Adrian Hipp
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Typische Rollenbilder
"Ich wurde angesprochen, ob ich diese Position bekleiden möchte, habe mir diese also nicht aktiv gesucht. Als Bürgermeisterin hat man unzählige Aufgaben zu erfüllen. Da ist es nötig, das typische Rollenbild in der eigenen Familie etwas aufzubrechen und anzupassen. Ich glaube, daran scheitert es oft", verrät Doris Liposchek, Bürgermeisterin von Wernberg: "Und daran, dass Frauen viel zurückhaltender sind. Wir wägen länger ab, während Männer hergehen und sagen ‘ich mache das jetzt'. Zudem gibt es weder richtige Karenzregelungen noch gesetzliche Absicherungen in unserem Job. Daran müsste man Arbeiten, denn daran scheitert es auch oft. Es liegt an uns dreien, die Jugend aktiv anzusprechen und für die Politik zu gewinnen. Leider ist die Politikverdrossenheit halt ziemlich ausgeprägt. Aber wir dürfen nicht aufgeben. Bürgermeisterin in einer ländlichen Gemeinde zu sein, ist eine schöne und attraktive Aufgabe."
- In Feld am See hat Michaela Oberlassnig die Hosen an.
- Foto: Gemeinde Feld am See
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Frauen brauchen mehr Mut
Die Dritte im Bunde ist Michaela Oberlassnig, Bürgermeisterin von Feld am See. "Auch ich sehe bei Karenz und Absicherung die Hauptpunkte, an denen es scheitert. Wenn ich an Krebs erkranke, habe ich kein Auffangnetz. Auch nicht, wenn ich schwanger werde. Wir Bürgermeister bekommen quasi nur eine Aufwandsentschädigung. Das gilt für Männer auch. Aber vor allem jüngere Frauen machen sich mehr Gedanken darüber", betont Oberlassnig: "Frauen wollen sich oft noch weiterbilden, während Männer gern direkt ins kalte, politische Wasser hüpfen. Wir müssen einfach mutiger werden und es ausprobieren. Es macht echt Spaß und es ist erfüllend, etwas für die Menschen im Ort tun zu können."
Alle drei sind Team SPÖ
Wie es der Zufall so will, sind alle drei Bürgermeisterinnen aus dem Bezirk Villach Land Mitglieder der sozialistischen Partei Österreichs. Was Margit Heissenberger (seit vier Monaten Bürgermeisterin von Velden), Doris Liposchek (Bürgermeisterin von Wernberg) und Michaela Oberlassnig (Bürgermeisterin von Feld am See) dazu sagen, dass Kärnten österreichweit das Schlusslicht bei den Bürgermeisterinnen ist, erfahren Sie auf Seite 4 der vorliegenden Ausgabe von MeinBezirk. Ich habe die drei Damen allerdings auch gefragt, warum "nur" SPÖ-Ladies in Villach Land Gemeinden regieren. Während sich Heissenberger und Liposchek darüber einig sind, dass das eher dem Zufall geschuldet sein dürfte, geht Oberlassnig doch einen kleinen Schritt weiter: "Ein bisschen hat das schon mit der Offenheit der SPÖ und dem Reißverschlussprinzip, das wir auch auf Gemeindeebene umzusetzen versuchen, zu tun." Bleibt abzuwarten, ob, und zu hoffen, dass bald noch viel mehr mutige Frauen aus unserem Bezirk in männliche Fußstapfen treten.
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