Eine Weihnachtsgeschichte

Grüß Euch,

mein Name ist „MeinGott MeinGott“. Das höre ich jedenfalls immer wieder, seit ich aus einem Ding gefallen bin, dass sich sehr schnell fortbewegt hat, auf Rädern nämlich aus Gummi, auf einem dieser grauen Streifen, die die Natur durchpflügen und Äcker und Wälder voneinander trennen.

Ich bin im Schnee gelandet. Weich, aber brrr – urkalt. Irgendwie kam ich nicht mehr hoch und so bin ich halt liegen geblieben und hab ein bisschen vor mich hin gebibbert. Es dauerte nicht lang, da kamen große, zweibeinige Wesen und haben gerufen „MeinGott MeinGott“. Da habe ich`s das erste Mal vernommen.

Weiche, warme Pfoten – die nennen das Hände - hoben mich hoch und ich wurde an den Oberkörper dieses Wesens gedrückt und mit einer Decke – sowas tragen die obenrum– zusätzlich vor Wind und Kälte geschützt.

Ein tolles Gefühl. Ich hätte gern gejuchzt, aber das kann ich nicht. So hab ich halt gequiekt. Das kam aber glaube ich auch gut an, weil die Wesen haben zwar ihre Zähne gezeigt, aber das sah gar nicht bedrohlich aus, eher liebevoll.

Sie haben mich dann „Nachhause“ getragen. Ich glaube, so nennen sie die Stube, in der sie leben. Da gab`s gar kein Heu, kein Stroh, keine Metallgitter und keine kahlen, kalten Wände.
Einen vierbeinigen Kollegen aber gibt es, den nennen sie „MogliNein“. Der ist größer als ich – bin ja grad mal 20 cm lang - und ganz schön behaart. Der quiekt auch nicht, der jault. Und manchmal hustet er auch so komisch, meistens ruft dann jemand „MogliNein“ oder auch „MogliAus“. Anscheinend haben die mehrere Namen zur Auswahl.

Hier gibt`s warme Decken und „MogliNeinAus“ ist auch ganz kuschlig, wenn er sich denn mal benimmt. Seine Sprache muss ich noch lernen, momentan versteh ich nur „jaul“ und „hust.“ Das bringt uns auf Dauer nicht weiter. Die Rhetorik der Zweibeiner ist wesentlich ausgereifter. Allerdings haben die so viele verschiedene Laute, dass da auch wieder Keiner durchblickt.

Leider gibt`s hier keinen Wasser- oder Futtertrog. Das gefällt meinem Magen gar nicht, der gibt schon Geräusche von sich, die man als eigene Sprache bezeichnen könnte. Aber erschnuppern kann ich hier was Feines. Hier muss es doch Essbares geben, oder essen die Zweibeiner nicht? Möglich wär`s ja, als mich diese Wesen fanden sagten sie sinngemäß sowas wie: „Hast du ein Glück, dass wir Veganer dich gefunden haben.“

Ui, ich wähne mich im Paradiese! Die haben mir gerade eine Schüssel voller Leckereien hingestellt. Grünfutter, Heu und Stroh, Rüben, Kartoffeln, Obst, Gemüse, geschrotetes Getreide, Gras, Sprossen und Wurzeln. Ja, ich bin mir sicher, das muss das Paradies sein. Desto weniger verstehe ich, warum „MogliNeinAus“ sein Gesicht so verzieht und angewidert von dannen zieht. 

Ich bin so glücklich, mir ist so angenehm warm, die Zweibeiner sind so liebevoll, „MogliNeinAus“ ein toller Spielgefährte, mein Bäuchlein voll, nur Eine vermisse ich schmerzlich, meine Mama. Irgendwann schlummere ich dann doch ganz friedlich ein.

Im Traum ist Mama mir erschienen, hat mich fest zu sich gedrückt und hat mir versichert, dass alles gut ist. Sie wurde auf dem Hof, wo wir herkamen – unweit von meinem jetzigen „Nachhause“ übersehen und zurückgelassen.

Ihre gute Schnüffelnase und Intelligenz werden ihr helfen mich zu finden. Ich bin guter Dinge, dass meine VeganZweibeiner uns für die Nächte ihre tolle Gartenhütte überlassen und wir tagsüber im Grün herumtollen können, so, wie die Natur sich`s für uns gedacht hat.

© Michaela Huber
www.reisebegleitungzumich.at

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