Steirische Politik
Kunasek und die Haustorte

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Die Landtagswahl brachte mir ein paar neue Eindrücke. An diesem Tag hatte ich Torte. Die heißt Haustorte und wird noch fünf Jahre an meinen Hüften nachweisbar sei. Dazu war es gekommen, weil mich ein Freund besuchte, mit dem ich ein neues Projekt zu besprechen hatte. Zwischendurch lauschten wir der Wahlberichterstattung.

Es begann in der Konditorei Wurm. Die Kellnerin zeigte ich weltgewandt und fragte bezüglich meiner Cappuccino-Bestellung: „Mit Milchschaum?“ Selbstverständlich! Nur Touristen und Barbaren nehmen den Cappuccino mit Schlagobers.

Unser Projekt, eben noch ein Vorhaben, nun begonnen, hat in Prometheus, dem Bruder des Atlas, einen Angelpunk. Diese mythische Figur forderte Zeus heraus, holte das Feuer vom Himmel, gilt uns als ein Begründer von Zivilisation, wurde von den Göttern für seine Ambitionen mit einer entsetzlichen Strafe belegt. Die irdischen Angelegenheiten haben derzeit weniger sensationelle Zusammenhänge.

Sonntag, der 24. November 2019, steht unter anderem dafür, daß in Graz, dem historischen Ort einer nationalsozialistischen Volkserhebung, die vaterländische FPÖ in jener Wahl hinter der steirischen KPÖ gelandet ist. ORF: „Die FPÖ sackte von 20 auf 13 Prozent ab und musste der KPÖ den Vortritt lassen, die sich auf 13,23 Prozent steigerte.“ (In der restlichen Steiermark verteilte es sich etwas moderater.)

Partei-Chef Mario Kunasek ließ an diesem Tag in diversen Interviews wissen, es habe seiner Partei sehr geschadet, daß die Medien gegen die FPÖ „kampagnisiert“ hätten.

Dabei ging er nobel über die Tatsache hinweg, daß uns FPÖ-Funktionäre nicht bloß seit Wochen, sondern seit Monaten mit ihren verhaltensoriginellen Aktivitäten die Zeit besser vertreiben als gängiges Vorabend-TV.

Was Kunasek für eine „Kampgane“ hält, ist vor allem einmal die banale Berichterstattung über Taten und mögliche Straftaten von Gefolgsleuten der FPÖ, respektive was die Behörde uns darüber derzeit wissen läßt.

Den größten PR-Coup der Saison schafften die Blauen jüngst mit der Legende vom „Besten Innenminister aller Zeiten“ (BIMAZ), während dessen Amtszeit Österreichs Nachrichtendienst so massiv diskeditiert wurde, daß ausländische Dienste uns wissen ließen, man könne unseren Leuten derzeit keine sensiblen Informationen anvertrauen.

Die gängige Faustregel besagt, daß ein kleines Land wie Österreich sich keine aufwendigen Dienste leisten könne, wie etwa die USA. Daher ist Österreich auf den Informationsaustausch mit den Diensten anderer Länder dringend angewiesen, bliebe ansonsten blind und taub. Derzeit sind wir also eher… (Bravo, BIMAZ!)

Mario Kunasek wirkt mit seiner Haltung avantgardistisch, gibt sich als Vorreiter eines neuen Trends, in dem sich die vorherrschende Männerkultur umzubauen beginnt. Bisher galt eigentlich noch „Ein Mann, ein Wort!“. „Mannhaftigkeit“ wurde daran gemessen, daß man a) Gegnern mit offenem Visier entgegentritt, ferner b) für seine Taten einsteht und so Verantwortung zeigt, also „mannhaft“ handelt. Längst geht die FPÖ vorreiterisch von diesem harten Kurs ab.

Nein, sie können bestimmt nichts dafür, in Graz hinter den Kommunisten gelandet zu sein. Daß ist womöglich ein Trugbild, eine Fieberphantasie, eventuell eine Verschwörung, vielleicht sogar ein politisches Attentat. Das kann eigentlich nicht geschehen sein, und wenn es doch geschehen ist, dann waren das – wie wir wissen - die Medien. Nicht bloß linkslinke Medien, sondern inzwischen sogar so pulitzerpreisverdächtige Institutionen wie die Krone.

Ich möchte hier notieren, daß her Kunasek, falls er Gleisdorf wieder einmal besucht, von mit auf eine Haustorte eingeladen wird. Ich bringe Taschentücher mit, werde gerne Trost und Rat spenden. Übrigens denke ich, es fährt sich bequem auf den Trittbrettern der Zeitgeschichte.

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