REGIONALPORTRAIT
Hans Pendl und seine Holzschnitz-Leidenschaft

Hans Pendl in seinem Holzschnitz-Atelier
16Bilder
  • Hans Pendl in seinem Holzschnitz-Atelier
  • Foto: (c) Hermine Arnold
  • hochgeladen von Hermine Arnold

Heute bin ich auf dem Weg nach Winterdorf in die Holzschnitz-Werkstatt des bekanntesten „Herrgott-Schnitzers“ weit und breit. Ich besuche Hans Pendl, den ich über das Kunstpark-Projekt in St. Ruprecht kennenlernen durfte. Daraus hat sich eine wunderbare Zusammenarbeit ergeben, in der ich von ihm ausgewählte Objekte und Projekte vertexten und poetisch begleiten darf. Hans Pendl erwartet mich schon in seiner Werkstatt und zeigt mir seine neuesten Werke. Beim Eintreten riecht es herrlich nach Zirbenholz, am Boden liegen ganz frische Späne von der Jesus-Statue, die er gerade zu Ende bringt.

Hans Pendl hat seine Berufung erst im Alter von 50 Jahren zum Beruf gemacht. Zuvor hat er 32 Jahre in einem Möbelhaus gearbeitet und konnte sich der Holzschnitzerei, mit der er sich schon von Jugend an beschäftigt hat, nur in seiner Freizeit widmen. Danach hat er sich ganz für seine Leidenschaft, der Holzschnitzerei, entschieden und es nie bereut. Mittlerweile in Pension, verbringt Hans den ganzen Tag entweder mit Recherchen, Planungen, Entwürfen, Dokumentationen oder der eigentlichen handwerklichen Umsetzung von Schöpfungen aus ausschließlich heimischem Holz.

Den Glauben (be-)greifbar machen
Sakrale Holzschnitz-Projekte sind die Spezialität von Hans Pendl. Aber was treibt ihn und seine Arbeit an? Hans ist ein gläubiger wie auch spiritueller Mensch und er beschäftigt sich schon sehr lange mit Theologie. Hans ist sehr belesen und hat sich diesbezügliche Kompetenzen als Grundlage für seine schöpferische Tätigkeit aufgebaut. Hans beschränkt sich in seinen Arbeiten nicht nur auf die Handwerkskunst, er möchte vielmehr über seine Werke den Menschen wichtige spirituelle Botschaften vermitteln. Dafür braucht es Herz (welche Botschaft soll vermittelt werden) und Hirn (gesamtheitliches Konzept) und erst dann die Hände (Handwerkskunst in der Umsetzung). Damit gelingt es auch, die Menschen tief zu berühren.

Wenn man das Ergebnis seiner Arbeiten betrachtet, ist das wohl sein Erfolgsrezept. Damit Sie sich selbst ein Bild über das Wirken von Hans Pendl machen können, lade ich Sie auf eine eindrucksvolle Spurensuche des Hans Pendl in unserer unmittelbaren Umgebung in der Gemeinde St. Ruprecht / Raab ein. Die Wanderung beinhaltet die Stationen der Friedensgrotte – Hubertuskapelle – Kernkapelle – Gebetskapelle Arndorf – Stefaniequelle und zuletzt die des Kindersegensplatzes.

Die Hans Pendl Wanderung
Wir starten beim St. Ruprechter Hauptplatz und besuchen zuerst die von Hans Pendl wunderbar gestaltete Friedensgrotte (Marienstatue als Friedensbotschafterin). Von hier geht es über die Weizbachbrücke in die Gartengasse und bald überqueren wir die Bundesstraße. Zunächst halten wir uns rechts, um dann gleich wieder links abzuzweigen und gelangen nach einem recht kurzen Weg zur Hubertuskapelle („Die Schöpfung). Über den „Panoramaweg“, der uns über das idyllische Salmbachbrückerl führt, folgen wir dann der Beschilderung zur Kernkapelle (Emmaus-Jesus Statue). Beim Rückweg durch den „Arndorfer Wald“ besuchen wir die Gebetskapelle Arndorf (Kniender Christus am Ölberg) im St. Ruprechter Ortsteil Arndorf. Von dort geht es über den St. Ruprechter Hauptplatz weiter zum Bienenlehrpfad, der uns im Waldpark zur Stefaniequelle führt. Dort bekommt seine Hl. Stefanie (Reliefdarstellung) bald ihren Ehrenplatz. Das Foto des bereits fertiggestellten Werkes können Sie der Fotogalerie dieses Beitrages bestaunen. Folgt man dem Weg im Waldpark, gibt es gleich oberhalb den von Hans gestalteten Kindersegensplatz (Baummarterl mit Skulptur) zu bewundern. Er liegt auf einem Kraftort, den Hans dafür ausgewählt hat. Zum Hauptplatz zurück wählt man den Burgthannerweg.

1. Friedensgrotte unter der Kirchentreppe der Pfarrkirche in St. Ruprecht:
Gesamtkonzept und Umsetzung von Hans Pendl: Altar mit lebensgroßer Marienstatue (Königin des Friedens aus steir. Lindenholz), die mit dem Originalkreuz der 11. Kreuzwegsstation aus Medjugorje verbunden ist. In der Grotte wurde auch eine Gedenkstätte für Sternenkinder geschaffen.
2. Hubertuskapelle:
Darstellung der Schöpfung in Form einer Schützenscheibe aus steir. Lindenholz. Dem Schützen soll vor Augen geführt werden, dass Gott den Menschen als Hüter seiner Schöpfung eingesetzt hat, mit der er verantwortungsvoll umgehen soll.
3. Kernkapelle in Kühwiesen an der Apfelstraße (Grenzweg-Kernkapellenweg):
Eine 1,95 m hohe Emmaus-Jesus Statue aus steir. Zirbenholz zum Angreifen vermittelt den Besuchern auf Augenhöhe: „Ich bin mitten unter Euch“.
4. Offene Gebetskapelle in Arndorf:
Kniender Christus am Ölberg (aus steir. Lindenholz) blickt im Moment seiner Entscheidung auf das Kreuz: „Ich gehe meinen Weg und lasse mich nicht beirren“.
5. Stefaniequelle im Waldpark St. Ruprecht:
Hl. Stefanie aus Zirbenholz: „Wasser ist Leben“
6. Kindersegensplatz im Waldpark St. Ruprecht:
Ein Baummarterl aus einem 960 kg schweren Baumstamm einer 130-jährige Eiche, die geschnitzte Skulptur ist aus Lindenholz gefertigt: „Lasst die Kinder zu mir kommen, denn ihnen gehört das Reich Gottes“.

Einblick in neue Projekte

Warum nur, Mensch?

Mit dieser Skulptur möchte Hans den verzweifelten Menschen darstellen, wie er nach innerer Einkehr und einem Blick auf die Schöpfung erkennt, dass sein Handeln unwiderbringliche Auswirkungen für den Planeten gebracht hat. Dem Betrachter bleibt die Beantwortung der Frage: „Wo liegt meine Verantwortung, was kann ich tun, um etwas zum Positiven zu verändern?“
Die Skulptur aus steirischem Zirbenholz wird eine Größe von 2,5 m und einen Umfang von 60 cm haben und ihren Ehrenplatz im Kunstpark St. Ruprecht – gleich nach dem Eingang bekommen. Hans Pendl wartet schon seit Monaten sehnsüchtig auf das geeignete Stück Zirbenholz, damit er die bereits vorhandene detailgetreue Klein-Skulptur in die Sollmaße übertragen kann. Aufgrund der benötigten Baumgröße ist das ein sehr schwieriges Unterfangen. Doch gerade klingelt das Smartphone und Hans berichtet mir überglücklich, dass er gerade seinen 350 kg Zirbenbaum für die Skulptur bekommen hat. Der 4. Juni 2020 ist also ein historischer Tag für Hans, den Holzschnitzer aus Leidenschaft.

Kreuzweg neu
Hans Pendl hat die Botschaften der 15 Kreuzwegstationen nur mit Hilfe der ausdrucksvollen Darstellung über die Hände sichtbar gemacht. Die Zeichnungen dazu zieren schon seit mehr als 10 Jahren die Decke in seiner Werkstatt. Damit löst sich Hans als Künstler von den althergebrachten Darstellungen und Vorstellungen eines Kreuzweges und ermöglicht eine Übertragung der Bedeutung der Stationen und ihrer Botschaften in die Jetzt-Zeit. Nun, nachdem es auch die entsprechenden modernen Texte für die einzelnen Kreuzwegstationen von mir gibt, möchte Hans seine „Hand-Zeichnungen“ in neue 3-dimensionale Kreuzwegstationen aus Holz übertragen und zusammen mit den Texten einer Ausstellung zuführen, die zu Ostern 2021 eröffnet werden soll. Ein geeigneter Ausstellungsraum dafür wird noch gesucht.

Der Wunsch für die Zukunft
Was ich mir für die Zukunft wünsche? Hans überlegt nur ganz kurz und antwortet dann gelassen: "Ich wünsche mir Gesundheit, damit ich bis an mein Lebensende in meiner Werkstatt arbeiten kann. Denn ich möchte noch viele Herzensprojekte umsetzen."

Vorausschau
In einem weiteren geplanten Beitrag möchte ich Ihnen die „Hans Pendl Baummarterl-Reise“ vorstellen, einer Rundreise zu den von Hans mittlerweile 11 geschaffenen Baummarterl.

Hermine Arnold
www.nedi.at

Autor:

Hermine Arnold aus Weiz

Webseite von Hermine Arnold
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