Klassiker im Kontrast

Der Ford Model T, die „Blech-Liesl“, muß man sich im Detail ansehen, um zu verstehen, was dieses Modell historisch ausgelöst hat.
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  • Der Ford Model T, die „Blech-Liesl“, muß man sich im Detail ansehen, um zu verstehen, was dieses Modell historisch ausgelöst hat.
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Der überaus weitläufig Interspar-Parkplatz in Weiz war am Wahlsonntag keinesfalls zu groß. Der Oldtimer Club Weizklamm hatte zu einem Treffen geladen und dabei demonstriert, wie leistungsfähig die regionale Schrauber- und Sammlerszene ist.


Da ist offenbar ein sehr engagierter Kernbereich tätig, da gibt es aber auch, wie sich zeigte, vorzügliche Clubkontakte und ein kontrastreiches Netzwerk. Während an langen Tischen genug Platz für Geselligkeit blieb, war das Terrain salopp in einige Themenbereiche gegliedert und füllte sich deftig.

Einen Ford Model T von 1915 bekommt man nur selten zu sehen, obwohl mit eben diesem Typ die Motorisierung der Welt ihre erstes Massenprodukt bekam. Ein alter Doppelphaeton von Cadillac, heute wie damals in der Preislage eines stattlichen Hauses, zeigte, wie groß der Aufwand einst werden konnte.

Bei trübem, doch zum Glück stabilen Wetter wurde gewissermaßen ein Vergleich USA/Europa geboten. Hier eine Chevy Corvette, da ein Opel GT. Hier ein muskulöser Dodge Charger, da ein wendiger Audi. Aber auch Raritäten wie ein Lotus Esprit, ein Lancia Appia oder ein Humber Super Snipe kamen zur Geltung.

Besonders begrüßenswert ist die Liebe zu Nutzfahrzeugen. Traktoren aus den ersten Jahren der Maschinisierung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg, 80er und 180er Steyr neben einer Porsche-Lizenz von Hofherr und Schrantz, dann aber auch der damals riesige Steyr 1108, ein Sechszylinder aus der Plus-Serie.

Ebenso interessant die Allrad-Ecke mit Puch Hafliger, Pinzgauer und G-Wagen, inklusive einem 4WD-Panda aus Grazer Produktion. Alles schon gesehen? Aber sicher nicht den voll aufgerüsteten Kommunal-Hafi mit der rundlichen Kabine.

Sehr aktiv zeigte sich auch der Youngtimer-Anteil, wo sich der Nachwuchs bewähren kann, dessen Budgets ja meist eher begrenzt sind. Bei überschaubaren Kosten und simpler Technik kann man aber auch mit einem Fiat 850 eine Rarität auffahren, den sehen Sie nicht annähernd so oft wie die spröden 356er Porsches.

Wer selbst dafür noch nicht genug Dienstjahre und Taschengeld hat, wird vielleicht die Moped-Welt erschließen und etwa in einer frühen, zierlichen Stangl-Puch ein durchaus seltenes Fahrzeug haben. Oder man findet es reizvoll, mit einer schnittigen Cobra der heutigen Importware zu zeigen, wo er Hammer hängt.

Es darf dem Veranstalter gratuliert werden, denn selbst wer schon viel Altes gesehen hat, konnte hier an einigen Besonderheiten naschen. Ob VW Scirocco oder Karman Ghia, ob Manta oder Mini, hier zeigt sich, daß es schon Jahrzehnte eine Volkskultur in der technischen Welt gibt, die ihr eigenes Brauchtum entwickelt hat und die handwerkliche Kompetenzen sichert, wie sie in den Fabriken und Werkstätten derzeit kaum gepflegt werden.

Da aber jeder Fan gerne fotografiert, muß der Wust an Flugblättern, an Werbezetteln beklagt werden, die ruckzuck auf Windschutzscheiben landen und so zum Teil die Fotomotive verhunzen. Ein großes Ärgernis, die feinen Fahrzeuge sofort als Werbewand benutzt zu sehen. Diese Botschaften ließen sich vielleicht auch etwas dezenter rüberbringen.

http://www.oldtimer-weiz.at/
+) Krusche: Mobilitäts-Reportagen [link]

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