Erntedankfeste
Voll Dankbarkeit und sozialer Verantwortung
- Pfarrer Giovanni Prietl hält seine Erntedankfeste im Freien, ganz naturverbunden.
- Foto: zVg
- hochgeladen von Nina Chibici
Pfarrer Giovanni Prietl sorgt dafür, dass Erntedankfeste mehr als nur eine Danksagung für Erdäpfel werden. Mit kreativen Impulsen wie den Stimmen von Weltladen-Mitarbeitern und Direktvermarktern bringt er neue Perspektiven in die traditionelle Feier. Dabei verbindet er Natur, Verantwortung und soziale Gerechtigkeit in seinen inspirierenden Messen.
GLEISDORF. Man soll die Feste ja bekanntlich feiern, wie sie fallen. Fallen die Äpfel und Birnen vom Baum, dann ist wie jedes Jahr im Herbst die Zeit, ein ganz spezielles Fest zu feiern: das Erntedankfest. Im Bezirk Weiz sind die Feiern dazu gerade in vollem Gange, ob in der Kirche oder in den Kindergärten und Volksschulen. Dabei wird nicht nur Kindern schon früh beigebracht, dass es wichtig ist, Danke zu sagen. Auch Erwachsene sollten sich darauf besinnen, wieder ein bisschen öfter dankbar zu sein, nicht nur für unsere Lebensmittel, die uns tagtäglich versorgen. Aber vor allem für diese. Darum geht es bei den Erntedankfesten schließlich. Einer, der gleich vier davon feiert, ist Pfarrer Johann Prielt, Leiter des Seelsorgeraums Gleisdorf. Angefangen in Sinabelkirchen, dann Gleisdorf, Markt Hartmannsdorf, das letzte hält er in St. Ruprecht. Immer an den Sonntagen, von 22. September bis Mitte Oktober.
Weltladen und Direktvermarkter
Seine Erntedankfeste sind dabei etwas ganz Spezielles. Und werden damit weder ihm, noch den Besucherinnen und Besuchern seiner Messen langweilig. "Ich wollte nicht nur sagen, es gibt Erdäpfel, danke lieber Gott", so Johann Prietl, der eigentlich von allen Giovanni genannt wird. ""Nachdem man jedes Jahr das Gleiche feiert, kennen die Leute ja schon alles". Also hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen: "Ich habe schon voriges Jahr versucht, einen anderen Akzent hineinzubekommen. Dort, wo ich Erntedank gefeiert habe, habe ich lokale Obstbauern eingeladen, um über ihre Situation zu erzählen. Man hat auch Vergleiche zu früher gehört, das war ein total spannendes Thema und es war sehr interessant, zuzuhören. Das hat mich dazu motiviert, heuer einen anderen Akzent zu setzen". Anstatt selbst eine Predigt zu halten, holt Prietl jemanden, der in einem Weltladen arbeitet und einen Direktvermarkter auf die "Bühne". Die Person vom Weltladen erzählt von ihren persönlichen Beweggründen, warum sie in einem Weltladen mitarbeitet, zeigt auch die Philosophie des Ladens auf, die Dimension von Fairtrade und wie man damit Menschen vor Ort unterstützt. Dass man auch um die Bauern vor Ort weiß, zum Beispiel. Es gibt da ja auch vom Produzenten bis zum Konsumenten die Möglichkeit des Nachverfolgens. Zudem steht man großen Herausforderungen gegenüber. Dass Lebensmittelkonzerne etwa auch Fairtrade- und Bioprodukte anbieten. Da stellt sich natürlich die Frage: Was ist der Unterschied zu den Produkten aus dem Weltladen? Das persönliche Gespräch ist hier sicherlich auch etwas, das sehr hoch gehalten wird.
- Zahlreiche Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger lauschen den Dankesworten des Pfarrers.
- Foto: zVg
- hochgeladen von Nina Chibici
Dazu lade ich dann auch eine Person von der jeweiligen Pfarre ein, die im Bereich der Direktvermarktung tätig ist. In Sinabelkirchen zum Beispiel war das die Familie Klaindl, die den Sinimarkt eröffnet hat, der Produkte von 40 Bauern aus der Region anbietet. Mit den Direktvermarktern versuche ich herauszuarbeiten, was die Vorteile der Direktvermarktung sind. So ist etwa die Ware frisch, die Wege sind kurz, sozialer Austausch findet statt. Das hat alles ganz viele Dimensionen, birgt ganz viele Herausforderungen. Ich versuche in meiner Predigt eine Brücke zwischen diesen Positionen zu schlagen, die Gegensatzpaare zu zeigen und den Leuten bewusst machen: Siehst du das andere, das es da auch noch gibt? Das ist einfach ein sehr vielfältiges Thema. Außerdem versuche ich aufzuzeigen, dass wir das ganze Jahr über unterschiedliche Gaben haben. Wir haben eine Schöpfungsverantwortung und eine soziale Verantwortung für Menschen in Not".
Auch interessant:
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.