Leder-Riese in Wollsdorf insolvent
365 Arbeitsplätze sind betroffen
- Wollsdorf Leder ist ein zentraler Arbeitgeber in der Region.
- Foto: Wollsdorf Leder
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Nächste Hiobsbotschaft aus der Sparte Wirtschaft. Am Freitag haben die Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH und Wollsdorf International GmbH ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung am Landesgericht Graz beantragt.
WOLLSDORF. Im November des Vorjahres hat das Unternehmen Wollsdorf Leder, neben dem lokalen Standort mit Gerberei gibt es fünf weitere globale Standorte für Produktion und Vertrieb – darunter in China, Kroatien und Mexiko – 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung angemeldet.
Nun gibt es wieder Neuigkeiten. Gemäß Auskunft des KSV1870 haben die Unternehmen Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH und Wollsdorf International GmbH, beide in Wollsdorf angesiedelt, am 9. Jänner ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung am Landesgericht Graz beantragt. Dieses wurde in der Folge eröffnet.
- Bereits im November des Vorjahres hat das Unternehmen Wollsdorf Leder 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung angemeldet. Nun folgt die nächste Hiobsbotschaft.
- Foto: Panthermedia/Kiwar
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Zu den Details: Die Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH ist Teil der „Wollsdorf-Gruppe“. Geschäftsfeld ist die Lederherstellung für die Automobil-, Möbel- und Flugzeugindustrie. Betroffen sind rund 587 Gläubiger und 361 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aktiva von rund 10,6 Millionen stehen Passiva von ca. 26,7 Millionen entgegen.
Die Wollsdorf International GmbH fungiert als Holdinggesellschaft der Gesellschaften der „Wollsdorf-Gruppe“. Die Gesellschaften dieser Gruppe sind im Bereich der Lederherstellung und des Vertriebs für die Automobil-, Möbel- und Flugzeugindustrie tätig. Laut KSV1870 geht es hier um rund 77 Gläubiger und vier Dienstnehmerinnen bzw. Dienstnehmer. Angeführt werden hier Aktiva von rund 320.000,00 und Passiva von ca. 32,2 Millionen.
Der Sanierungsplan im Detail
Und so sieht der Sanierungsplan aus: Beide Unternehmen bieten eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren vom Tag der Annahme des Sanierungsplanvorschlages an.
Doch was führte nun zur Insolvenz? Laut Angaben des Unternehmens hätten sich die negativen Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie zuletzt sehr auf das Geschäft ausgewirkt.
Nachfragerückgänge starteten 2024
Erstmals ab September 2024 sei es zu Nachfragerückgängen gekommen, die sich im weiteren Jahresverlauf zugespitzt hätten. Die Nachfragesituation habe sich zwar im Geschäftsjahr 2025 erholt bzw. verbessert, das Umsatzniveau vor der Krise der Automobilindustrie von 2024 hätte man aber nicht mehr erreichen können.
- Ein Sanierungsverfahren wurde am 9. Jänner angemeldet.
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Darum bemüht, die Materialkosten zu senken, wurden laut Angaben des Unternehmens mit den Lieferanten für Rohhäute neue Preise ausgehandelt und teilweise die Lieferanten auch gewechselt. Im März und April 2025 sei es dann zu Lieferengpässen wegen zahlreicher Fälle von Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei gekommen.
Diese Engpässe hätten signifikante Auswirkung auf die gelieferte Qualität und in der Folge auf die Ausbringung in der Produktion gehabt. Die Qualitätsprobleme hätte man nicht beheben können, weil die Qualitätssicherungsstandards im Werk in Österreich nicht im erforderlichen Umfang gewährleistet werden konnten.
Eine den erwähnten Qualitätsstandards entsprechende und künftig gewinnbringende Produktion wäre nur im Rahmen einer Verlagerung des Produktionsstandorts nach Mexiko möglich gewesen. Mit den finanzierenden Banken wurden Restrukturierungsvereinbarungen abgeschlossen, die schlussendlich aber gescheitert seien.
So geht es weiter
Die Finanzierung der 20-prozentigen Sanierungsplanquote der Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH soll aus den Ergebnissen des operativen Betriebes und aus den Überschüssen aus der Verwertung nicht mehr benötigter Vermögenswerte bzw. allenfalls durch geeignete Beiträge von dritter Seite erfolgen.
Die Finanzierung und die Fortführung der Wollsdorf International GmbH soll aus den Erträgen der Veräußerung von Beteiligungen, aus Eingängen aus IC-Forderungen sowie aus Beiträgen aus der Gesellschaftersphäre erfolgen, heißt es in der Aussendung des KSV1870.
„Die zu bestellenden Insolvenzverwalter werden nunmehr zu prüfen haben, ob eine Fortführung im Interesse der Gläubiger liegt und der vorgelegte Sanierungsplan eingehalten werden kann“, so Brigitte Peißl-Schickmair, Leiterin Unternehmensinsolvenz Graz.
Insolvenzverwalter ist im Fall der Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH die KAPP & Partner Rechtsanwälte GmbH, vertreten durch Rechtsanwalt Mario Kapp, und im Falle der Wollsdorf International GmbH Rechtsanwalt Stefan Weileder.
Die Anmeldefrist wurde je mit 12. Feber bestimmt.
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