Nahversorgung ist unersetzlich
Naheliegend (XV): Sennerei Leitner

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Dieser Betrieb aus dem nahen Almenland bietet mir eine Besonderheit, die völlig unspektakulär ist. Genau deshalb sagt mir das Ding so zu. Dieses radikale Understatement. Weißer Topf, Kleingedrucktes, gerade die nötigsten Informationen. Und Punkt! Das finde ich hinreißend.

Ja, ich weiß doch: „Wer nicht wirbt, der stirbt!“ Freilich muß man sich seiner Kundschaft a) vorstellen und b) einprägen, sollte überdies für angenehme Assoziationen gut sein. Alles klar und alles gut.

Zugleich macht mich das ewige Getrommel und Getröte manchmal störrisch. Mir drohen von all dem Werbegetöse die Ohren abzufallen. Ich fürchte mich vor Augenkrebs von all den schrillen Darstellungen und Angeboten, die mir aufgedrängt werden.

Außerdem gehen mir die abgemackerten Verkaufssprüche auf den Senkel, dieser ewige „Superismus“, denn ich weiß doch, wer immer mich grade anquasselt, ist der Beste und der Größte und überhaupt.

Zur Sache

Diese etwas plüschige Intrada war jetzt einfach notwendig, um verständlich zu machen, was ich an diesem Joghurt-Topf so schätze. Er. Drängt. Mir. Nichts. Auf! Dieser kleine Kübel ist einfach Kübel und überläßt es ganz dem Joghurt, auf mich zu warten.

Zugegeben, ich hab nicht alle Tage Bedarf an einem solchen Joghurt-Quantum. Aber wenn schon, dann aber! Das ist gleich der nächste Punkt. Dieses Herumkratzen in den kleinen Joghurt-Becherln. Langstieliges, schmales Löffelchen. Nett! Wie es dazu kam?

Irgendwann, vor Jahrhunderten, als von den Menschen meiner Herkunft jeder seinen eigenen Löffel hatte, waren Suppen, Brei (Mus) und allerhand Sterz übliche Hauptgerichte. Mit ihren runden, tiefen, derben Löffelköpfen konnten meine Leute ordentlich in die gemeinsame Schüssel langen. (Das Essen war ja oft etwas knapp.)

Bei Hofe fand man es unschicklich, unterm Essen das Maul derart aufzureißen. Es wurden dort schlanke Löffel bevorzugt. Löffelchen, könnte man sagen. Und bei Kaiser Franz Josef, diesem Operettenkaiser, bestand stets die Gefahr, daß er mit seinem Heißhunger zu schnell fertig war, was den Rest an der Tafel zwang, ihr Besteck auch wegzulegen. (Die Hofschranzen wurden also manchmal nicht satt.)

Also! Ein Joghurt-Topf, der kein Werbeträger sein muß. Welche Wohltat! Krieg ich beim Mörath. Gut, der hat auch bunte Sachen. Naja, ich hab eh nichts gegen Farbigkeiten…

+) Sennerei Leitner
+) Weitere Texte zum Thema (Übersicht)

Kaufhaus Mörath, Gleisdorf
Autor:

martin krusche aus Weiz

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