80 Jahre Kriegsende
Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Wien
- Während des NS-Regimes wurden unzählige Menschen getötet. Vor allem Jüdinnen und Juden wurden gezielt vom Regime ermordet. Für die österreichischen Opfer der Shoah wurde 2018 beschlossen, eine Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte umzusetzen. (Archivfoto)
- Foto: Barbara Schuster/RMW
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Im siebten Teil der Reihe "80 Jahre Kriegsende in Wien" rücken die Erinnerungskultur sowie Gedenkstätten an den Zweiten Weltkrieg in den Vordergrund.
WIEN. Seit dem Inkrafttreten der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 sind 80 Jahre vergangen. Der Zweite Weltkrieg endete, zumindest in Europa. Die Kämpfe im Pazifik dauerten noch einige Zeit an. Trotz der vielen Jahre, die seither vergangen sind, ist es wichtig, dass man nicht vergisst, was hier vorgefallen ist.
In der Hauptstadt gibt es hierzu viele Museen, Gedenkstätten und Erinnerungsorte, die uns an den Krieg, dessen Schrecken und Auswirkungen, aber auch einzelne tragische Schicksale erinnern. Laut dem "Wien Geschichte Wiki" der Stadt Wien gibt es im Stadtgebiet sogenannte Antifaschistische Gedenkstätten. Diese bezeichnen "einen Erinnerungsort mit starkem Bezug zu den Ereignissen des Faschismus und Nationalsozialismus, die oft künstlerisch gestaltet oder mit Denkmälern und Mahnmalen baulich versehen sind."
Im Gedenken an die Ermordeten
Während des NS-Regimes wurden unzählige Menschen getötet. Vor allem Jüdinnen und Juden wurden gezielt vom Regime ermordet. Für die österreichischen Opfer der Shoah wurde 2018 beschlossen, eine Shoah-Namensmauern-Gedenkstätte umzusetzen. Geplant wurde es vom jüdischen Holocaust-Überlebenden Kurt Yakov Tutter. Die Mauer wurde im Ostarrichipark in Wien errichtet und am 9. November 2021 eröffnet.
- Die Gedenkmauer wurde am Dienstag, 9. November 2021, mit einer Zeremonie eröffnet.
- Foto: Schmidt
- hochgeladen von Julia Schmidt
"Die Opferzahl erscheint mit 65.000 Namen unfassbar hoch und bildet doch nur einen Bruchteil der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen ab. Sie stehen dort als in Stein gemeißeltes Zeugnis und lassen unwillkürlich die Worte „NIE WIEDER“ aufkommen", so laut der Webseite des Bundeskanzleramtes zu dieser Thematik.
Friedhöfe
Auch an den Wiener Friedhöfen erinnern verschiedenste Stätten an die Zeit des Krieges. Laut der Webseite der Friedhöfe Wien wurden im Landesgericht Wien mehr als tausend der bei den Gerichten verhängten Todesurteile durchgeführt. "In den Schachtgräbern der Gruppe 40 wurden die sterblichen Überreste der Hingerichteten entweder nach Ihrer Verwendung für medizinische Studien am anatomischen Institut der Universität Wien oder sofort nach der Hinrichtung formlos verscharrt", heißt es auf der Homepage. Weiters wurden Männer hier begraben, die aufgrund von Urteilen der SS- oder Polizeigerichte sowie der Militärjustiz am Militärschießplatz Kagran hingerichtet wurden. Nach Ende des Krieges wurden einige der Bestatteten in private Gräber umgebettet. Viele sind jedoch bis heute namenlos.
- Auf dem Bild: Sanierte jüdischen Soldatengräber am Simmeringer Zentralfriedhof.
- Foto: BMI
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Auf dem Zentralfriedhof, hinter der Kirche "Zum Heiligen Karl Borromäus", befindet sich eine Grabanlage. Diese ehrt jene sowjetischen Soldaten, welche bei der Befreiung Wiens gefallen sind. Es besteht aus 300 Offiziersgräbern sowie 420 Mannschaftsgräbern, insgesamt wurden 2.469 Soldaten hier begraben. Ebenso befindet sich auf dem Gelände des Zentralfriedhofs die größte deutsche Kriegsgräberstätte des zweiten Weltkrieges in Österreich. Insgesamt sollen in der Gruppe 97 rund 7.300 Personen bestattet worden sein.
Museen
Eines der bekanntesten Museen hierzu ist das Heeresgeschichtliche Museum. Dieses Haus mit militärhistorischem Schwerpunkt befindet sich aktuell in Überarbeitung und wird neu aufgestellt. Im Zuge des JAhres 2025 sollen die BEreiche 1938 bis 1955 überarbeitet und eröffnet werden. Laut der Webseite des Museums sollen "Zentrale Schwerpunkte werden die Demokratiebildung, der Zusammenhang von Krieg, Konflikt und Gesellschaften und die Rolle des Militärs in diesen Gesellschaften über historische Epochen und Brüche hinweg sein." Weitere Informationen findest du auf der Webseite. Das Museum befindet sich im 3. Bezirk, im Arsenal 1.
- Eines der bekanntesten Museen hierzu ist das Heeresgeschichtliche Museum. Dieses Haus mit militärhistorischem Schwerpunkt befindet sich aktuell in Überarbeitung und wird neu aufgestellt. (Archivfoto)
- Foto: HBF/Daniel Trippolt
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Das Haus der Geschichte Österreich befindet sich in der Neuen Hofburg und ist laut der Homepage das erste Zeitgeschichte-Museum des Bundes. Es setzt sich mit der jüngeren österreichischen Geschichte auseinander, die Hauptausstellung mit den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen seit 1918, also der Gründung der ersten Republik. In Bezug auf den Zweiten Weltkrieg gibt es etwa die Themen "Diktatur und NS-Terror" und "Erinnern: Die Gegenwart der NS-Vergangenheit". Alles Weitere findest du unter hdgoe.at.
Der Tote Krieger
Im Äußeren Burgtor der Wiener Hofburg gibt es das österreichische Heldendenkmal. Es wurde 1934 im Zuge der Ständestaat-Diktatur eingeweiht, veränderte sich aber im Laufe der Zeit. Zuerst gedachte man den Gefallenen des Ersten Weltkrieges, Ende der 1950er Jahre wurden jedoch die Jahreszahlen 1939 und 1945 hinzugefügt. Es wurde hier auch den gefallenen österreichischen Soldaten der deutschen Wehrmacht gewidmet. Im linken Flügel des Burgtors wurde 1965 ein Weiheraum für die Opfer des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus errichtet. 2012 wurde begonnen, das Heldendenkmal neu zu gestalten.
- Im Äußeren Burgtor der Wiener Hofburg gibt es das österreichische Heldendenkmal. (Archivfoto)
- Foto: Teischl/RMW
- hochgeladen von Anna-Sophie Teischl
Die Skulptur "Der tote Krieger" von Wilhelm Frass im rechten Flügel des Burgtors, war einst zentrales Element der Krypta des österreichischen Heldendenkmals. Im Jahr 2012 als eine im Sockel versteckte Botschaft des Künstlers aus dem Jahr 1935 entdeckt wurde. Zuvor gab es stets gerüchte hierzu, da der Künstler zu Lebzeiten stets behauptete, eine Nachricht versteckt zu haben. Darin äußerte Frass als überzeugter Nationalsozialist seine Hoffnung auf den Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland. Die Enthüllung führte zu einer kritischen Neubewertung des Denkmals.
Infolgedessen wurde die Kranzniederlegung eingestellt und der Gedenkort umgestaltet. Anstelle der ursprünglichen Ehrenstätte entstand 2019 das Ehrenmal des österreichischen Bundesheeres, das den im Dienst gefallenen Soldaten gewidmet ist. Die Krypta dient nun als Raum zur Reflexion über Österreichs NS-Vergangenheit.
Weitere Gedenkstätten
In ganz Wien verteilt gibt es noch unzählige weitere Erinnerungsorte. Etwa das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus am Helmut-Zink-Platz (1. Bezirk). Am Ballhausplatz (1.) gib es das Deserteursdenkmal für die Opfer der über 30.000 verhängten Todesurteile der nationalsozialistischen Militärjustiz. Am Hof 10 (1. Bezirk) erinnert ein Denkmal an mehrere hingerichtete Feuerwehrleute.
Am Morzinplatz (1.) gibt es ein Mahnmal bezüglich der Schicksale der vielen verfolgten Personen. Beim Parlament befindet sich eine Gedenktafel für zwölf durch das Regime ermordeten Parlamentarier. Auch am Rathaus gibt es eine solche Tafel, sie erinnert an ermordete Gemeinderäte. Am Mexikoplatz erinnert ein Gedenkstein daran, dass Mexiko als einziges Land im Jahr 1938 beim Völkerbund offiziell gegen die Besetzung Österreichs durch das Deutsche Reich protestierte. In der Aspangstraße im dritten Bezirk gibt es den Platz der Opfer der Deportation, der mit seinem Namen für sich selbst spricht.
- Am Freitag, 24. Oktober 2014, wurde am Wiener Ballhausplatz das Denkmal für Wehrmachtsdeserteure eröffnet.
- Foto: GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com
- hochgeladen von Kevin Gleichweit
An Mitglieder einer antifaschistischen Gruppe, die ermordet wurden, erinnert eine kleine Gedenktafel am Betriebsbahnhof Favoriten.An das Nebenlager "Saurer-Werke-West" des KZ-Mauthausen erinnert ein Gedenkstein in der Haidestraße/Oriongasse im 11. Bezirk. An drei hingerichtete Widerstandskämpfer erinnert eine Tafel am Gerlhof in der Stromstraße 39-45 im 20. Bezirk. Viele weitere solcher Stätten und Orte gibt es verteilt in der ganzen Stadt, die oftmals an einzelne tragische Schicksale erinnern und diese in Ehre halten.
Im achten und abschließenden Teil der Serie beschäftigt sich MeinBezirk mit den ersten freien Landtagswahlen in Wien nach Ende des Zweiten Weltkrieges.
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