Wiener Linien-Seniorentickets
Gerichtsstreit bringt 3,7 Millionen Verkäufe ans Licht
- Der vergünstigte Senioreneinzelfahrschein wurde Anfang 2026 abgeschafft. Erst nach einem Gerichtsverfahren legten die Wiener Linien offen, wie stark das Angebot zuvor genutzt worden war. (Symbolfoto)
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Seit 1. Jänner 2026 gibt es den vergünstigten Einzelfahrschein der Wiener Linien für Seniorinnen und Senioren nicht mehr. Wer stattdessen einen regulären Fahrschein zum Vollpreis kauft, zahlt 3,20 statt zuvor 1,50 Euro. Die Wiener ÖVP kritisiert die Abschaffung und verlangte Auskunft über die Nutzung des früheren Angebots.
Aktualisiert am 21. September, 14.30 Uhr
WIEN. Mit Jahresbeginn 2026 wurde der ermäßigte Einzelfahrschein für Seniorinnen und Senioren abgeschafft. Statt 1,50 Euro kostet ein reguläres Ticket zum Vollpreis nun 3,20 Euro. Nach Angaben der Wiener ÖVP wollten die Wiener Linien zunächst nicht bekannt geben, wie häufig das vergünstigte Angebot genutzt worden war.
ÖVP-Seniorensprecherin Ingrid Korosec berief sich daraufhin auf das Informationsfreiheitsgesetz. Nach Angaben der Partei gab ihr das Verwaltungsgericht Wien im August 2026 recht. Die anschließend offengelegten Zahlen zeigen, dass im Jahr 2025 rund 3,7 Millionen vergünstigte Einzelfahrscheine für Seniorinnen und Senioren verkauft wurden.
Ein "wichtiges Signal"
Laut Korosec wurden zwischen 2022 und 2025 insgesamt 12,8 Millionen dieser Tickets verkauft. Die jährliche Nutzung sei in diesem Zeitraum um rund 39 Prozent gestiegen. "Diese Zahlen zeigen deutlich: Der vergünstigte Senioreneinzelfahrschein war alles andere als ein Nischenprodukt. Millionenfach genutzt und mit stetig steigender Nachfrage – und ausgerechnet dieses Angebot haben SPÖ und Neos abgeschafft", so Korosec.
- "Für die Budgetsanierung ist das ein Tropfen auf den heißen Stein, für viele ältere Wienerinnen und Wiener hingegen eine massive Verteuerung ihrer Mobilität", betont Ingrid Korosec, ÖVP-Wien Seniorensprecherin.
- Foto: Valentina Marinelić
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Auch den Wegfall der Ermäßigung kritisiert sie: "Hier wird ausgerechnet bei älteren Menschen gespart, ohne damit einen nennenswerten Beitrag zur Sanierung des Wiener Budgets zu leisten."
Korosec beanstandet zudem, dass die Wiener Linien die Verkaufszahlen erst nach dem Gerichtsverfahren offengelegt hätten. "Wer öffentliche Aufgaben erfüllt und mit öffentlichen Mitteln arbeitet, muss sich auch öffentlicher Kontrolle stellen. Die Erkenntnis ist daher vor allem auch ein wichtiges Signal für Informationsfreiheit und Transparenz in Wien", so die Seniorensprecherin.
Wiener Linien erklärt neuen Tarif
Mit der neuen "Tarifstruktur", wie die Wiener Linien sie nennen, sollen Menschen entlastet werden, die regelmäßig mit den Öffis in Wien unterwegs sind. Einzelfahrscheine können auch von Touristen und anderen Personen ohne Wiener Wohnsitz genutzt werden. Die Jahreskarte hingegen richtet sich an jene, die das Angebot ganzjährig nutzen wollen.
"Mit der Jahreskarte Senior erhalten ältere Fahrgäste daher einen spürbaren Rabatt und können um nur 80 Cent pro Tag das gesamte Netz der Wiener Linien nutzen. Aktuell haben bereits mehr als 150.000 Wiener Senioren eine Jahreskarte, das ist knapp ein Drittel aller in Wien lebenden Senioren. Tendenz steigend", heißt es gegenüber MeinBezirk.
- ""Die Weiterführung der ermäßigten Einzelfahrscheine für Senioren hätte nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung zur Folge gehabt, dass auch ermäßigte Einzelfahrscheine für alle unter 26 und für Menschen mit Behinderung angeboten hätten werden müssen", heißt es von Wiener Linien. (Symbolfoto)
- Foto: Johannes Zinner / Wiener Linien
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Der Anstieg bei den verkauften Senioreneinzelfahrscheinen in den vergangenen vier Jahren ist laut Wiener Linien vor allem auf die Entwicklung nach der Corona-Pandemie zurückzuführen. Im vergangenen Jahr wurden mit 3,69 Millionen Tickets weiterhin weniger Fahrscheine für diese Personengruppe verkauft als vor der Pandemie, als es mehr als vier Millionen Tickets waren.
Verweis auf Grundsatz der Gleichbehandlung
Die ermäßigte Jahreskarte soll laut Wiener Linien Seniorinnen und Senioren in der Stadt unterstützen, die den öffentlichen Verkehr regelmäßig nutzen. Senioren-Einzelfahrscheine hingegen werden zu einem erheblichen Teil von Personen ohne Wiener Wohnsitz gekauft. Bei den online gekauften Tickets betrug ihr Anteil bis zu 41 Prozent.
"Die Weiterführung der ermäßigten Einzelfahrscheine für Senioren hätte nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung zur Folge gehabt, dass auch ermäßigte Einzelfahrscheine für alle unter 26 und für Menschen mit Behinderung angeboten hätten werden müssen. Dies hätte für die Wiener Linien einen zusätzlichen Subventionsbedarf in der Höhe von rund 11 Mio. Euro pro Jahr ausgelöst", heißt es weiter. Zudem steht Menschen mit geringem Einkommen der Mobilpass der Stadt Wien zur Verfügung.
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