Machtmissbrauch & Misogynie
Opposition fordert Rücktritt von WKW-Chef Walter Ruck
- Die Wiener Wirtschaftskammer ist unter Druck. Die Opposition fordert den Rücktritt von Walter Ruck.
- Foto: Johannes Reiterits/MeinBezirk
- hochgeladen von Barbara Schuster
Aufruhr in der Wirtschaftskammer: Am Freitag wurden Gesprächsprotokolle von Walter Ruck publik. Diese zeichnen ein Bild von Postenschacher und Frauenfeindlichkeit. Die Opposition fordert nun den Rücktritt Rucks als Präsident der Wiener Wirtschaftskammer.
WIEN. Es war ein Politbeben, das Freitagvormittag von "Profil" und "Krone" ausgelöst wurde. Die beiden Medien berichteten über Gesprächsaufzeichnungen, die ihnen vorliegen sollen. Darin soll der amtierende WKW-Chef Walter Ruck (ÖVP) erzählt haben, wie er etwa seinen Sohn zum ÖVP-Spitzenkandidaten in Döbling bei der Gemeinderatswahl 2025 machte.
Oder wie er Manfred Juraczka auf dessen Bitte hin einen neuen Job in Absprache mit Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) verschaffte - als Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien. Zudem machte er misogyne Aussagen über Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ). MeinBezirk berichtete:
Rot-schwarze Verbandelung
Reaktionen der politischen Mitbewerber ließen nicht lange auf sich warten. Die FPÖ Wien fordert nach den Enthüllungen vollständige Aufklärung über die zwischen Ruck und Ludwig geführten Gespräche. „Ludwig muss offenlegen, welche Personalentscheidungen und politischen Absprachen mit Walter Ruck getroffen wurden“, verlangt FPÖ-Landesparteiobmann Dominik Nepp.
Die veröffentlichten Aussagen würden zudem den Eindruck enger Verflechtungen zwischen SPÖ und ÖVP bestätigen. „Jetzt ist auch klar, warum die Wiener ÖVP seit Jahren praktisch keine echte Oppositionsarbeit mehr macht“, poltert Nepp.
Udo Guggenbichler, Wirtschaftssprecher der Wiener Blauen, geht sogar noch einen Schritt weiter. In einer Aussendung fordert er: "Walter Ruck muss sofort weg". Er sei als Präsident der WKW "nicht mehr tragbar".
Ruck solle "Konsequenzen ziehen"
Den Wiener Grünen ist die Verflechtung zwischen Wirtschaftskammerpräsident Ruck und Bürgermeister Ludwig (SPÖ) ebenso ein Dorn im Auge. "Einzelne Männer teilen Ämter und Einfluss unter sich auf – das ist Politik von gestern und im Jahr 2026 völlig inakzeptabel“, so Parteivorsitzender Peter Kraus.
Für Julia Malle, Frauensprecherin der Grünen Wien, offenbaren die Berichte zudem ein sexistisches Frauenbild: „Ein System, das Frauen ausschließt und ihnen mit Geringschätzung begegnet, ist mit einem modernen Verständnis von Gleichstellung unvereinbar.“
Auf Bundesebene gehen die Grünen noch härter mit Ruck ins Gericht. Sie orten einen Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Politik durch parteipolitische Absprachen und Postenschacher. "Walter Ruck muss nun persönliche Konsequenzen ziehen und zurücktreten“, fordert die stellvertretende Klubobfrau der Grünen, Sigi Maurer.
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