Guter Geschmack
Wiener Topköche sorgen sich um Ernährungssicherheit
- Mit der EU-Reform ist die Ernährungssicherheit in Gefahr, meint Starkoch Paul Ivić. (Archiv)
- Foto: Nathanael Peterlini
- hochgeladen von Christiane Appel
Eine geplante EU-Reform bereitet der Wiener Spitzengastronomie Sorgen. Die Gesetzesänderung könnte nämlich – Experten zufolge – die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln in Europa gefährden.
WIEN/INNERE STADT/LEOPOLDSTADT. Wiener Spitzenköche wie Paul Ivić vom vegetarischen Sternerestaurant "TIAN" in der Inneren Stadt und Paul Kolarik vom größten Biorestaurant der Welt, der Luftburg, bangen um die Ernährungssicherheit. Grund ist das neue Saatgutrecht der Europäischen Union (EU). Es soll nächste Woche im EU-Parlament beschlossen werden.
Die Küchenchefs befürchten, dass die Bäuerinnen und Bauern künftig weniger eigenes Saatgut anbauen und verkaufen können, während globale Saatgutkonzerne den Markt diktieren. „Wo Macht und Vielfalt in den Händen weniger konzentriert werden, geraten Demokratie und Ernährungssicherheit gleichermaßen in Gefahr“, sagt Ivić. De facto seien es die Landwirtinnen und -wirte, die die Lebensmittel bereitstellen.
- "Die Zukunft der Wiener Küche entscheidet sich auf den Feldern", sagt Spitzengastronom Paul Kolarik.
- Foto: APA-Images / KURIER / Juerg Christandl
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Auch Kolarik bangt um die Unabhängigkeit: „Die Zukunft der Wiener Küche entscheidet sich nicht nur in Restaurants, sondern bereits auf den Feldern und vor allem in der Verfügbarkeit von vielfältigem Saatgut“.
„Ein-Rezept-Küche“
Abgesehen von der Versorgungssicherheit sind die Aussichten auch kulinarisch wenig erfreulich, so die Einschätzung der Top-Köche. Weniger unterschiedliches Saatgut bedeute weniger Pflanzensorten und mehr Einheitsbrei. Paul Grabenberger, Saatgutrechtsexperte der Gesellschaft zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt „Arche Noah“, spricht schon mit Augenzwinkern von einer drohenden „Ein-Rezept-Küche“. Vor allem aber fordert er, dass das Ernährungssystem robust und widerstandsfähig sein muss.
Die „Arche Noah“ hat daher mit 122 Gastronominnen und Gastronomen aus 19 europäischen Ländern einen offenen Brief an das EU-Parlament und die Landwirtschaftsminister gerichtet. Sie appellieren an die Entscheidungsträger, die Vielfalt zu schützen – auch für kommende Generationen.
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