Nett waren wir lange genug

- Familienfoto der Winzervereinigung "Eruption" – bereits mit den Neuzugängen.
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Die Attribute von Vulkanland oder die Geschichte einer gar nicht so netten Winzer-Truppe.
Lieblich. Rund! Harmonisch? Das sind Attribute, mit denen man den Geschmack eines Weines in Worte fasst.
Ecken und Kanten, Reibung und Widerspruch – Meinungsverschieden. Diese Charaktereigenschaften passen nicht zum Wein. Viel eher zu Personen, ganz besonders zu Winzern.
"Nett, das waren wir lange genug. Wir wollen mehr sein, als nur nett." Mit diesen zwei Sätzen hat Stefan Krispel die bislang "nette" Welt der Eruptions-Winzer aus den Angeln gehoben. Er hat damit nicht die Tür für Neues geöffnet, er hat sie förmlich weggerissen.

- Stefan Krispel, Obmann außer Dienst, was nicht heißt dass er in der Winzervereinigung außer Dienst gestellt ist.
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Wir sind mitten drinnen in der Neuorientierung der "Eruptions-Winzer", einer Winzervereinigung aus dem südoststeirischen Vulkanland. Stefan Krispel hat die Truppe als Obmann angeführt, ab sofort nimmt Stefan Müller das Zepter der Obmannschaft in die Hand – und genau das, dazu die neue Ausrichtung und das Anwachsen dieser Vereinigung war Inhalt einer virtuellen Pressekonferenz aus dem Haus des Weingutes Müller in Klöch.
Jung. Dynamisch. Innovativ. Charakterstark. Wenig traditionsbelastet. Bodenständig. Noch mehr Attribute. Diesmal treffen sie auf die Gruppe der Traditionswinzer zu. "Willkommen sind jene Weinbauern, die nach höchsten Qualitätsstandards streben, die starke Persönlichkeiten sind, die gut zu uns passen – und die aus dem Vulkanland sind", damit hat Stefan Müller die Latte für Neueinsteiger hoch gelegt.

- Stefan Müller, Obmann der Eruptions-Winzer, das heimatliche Weingut ist in Klöch.
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Diese Latte übersprungen haben jüngst drei Winzer. Mit den drei neuen Betrieben Gollenz (Tieschen), Thaller (Maierhofbergen) und Frühwirth (Deutsch Haseldorf) hat man sich damit auch ganz bewusst neue Sichtweisen hereingeholt.
Nicht unterschlagen soll die bestehende Gruppe werden: Seit Jahren schon ist die Gruppe um die Winzerhöfe Scharl, Krispel, Ulrich, Hutter, Pfeifer und Müller keine Unbekannte. "Uns kennen viele, aber trotzdem werden wir als Gruppe zu wenig wahrgenommen", sagt Stefan Krispel, wohl wissend, dass damit das Staffelholz der Übergabe noch schwerer für seinen Nachfolger wiegt.
Das stärker Wahrgenommen-werden soll ausgerechnet durchs Bodenständige erreicht werden. In der Winzersprache liest sich das so: „Unsere Böden stecken voller Potentiale, nicht alle sind ausgeschöpft." Ein Faktum dem man im heurigen Jahr mit einer eigens entwickelten Lagenklassifizierung Rechnung tragen möchte. „Unsere Region besteht nicht ausschließlich aus vulkanischen Böden, da ist auch Kalkstein, Schotter, Lehm und Sand. Eine Vielfalt, die nicht überall zu finden ist und die uns dazu befähigt, Unterschiede deutlich zu machen“, erklärt Stefan Müller. Im Juni will man damit an die Öffentlichkeit gehen und sich damit zu noch mehr Eigenständigkeit verhelfen.
"Man muss die Vulkanerde im Wein schmecken", sind sich die Winzer einig. Für Weinkenner ein durchaus hehrer Qualitätsanspruch.
In gewisser Weise wollen sich die Eruptions-Winzer auch als Gruppe zwar nicht neu finden, aber durchaus weiter entwickeln. Einerseits die Weiterentwicklung am Produkt: mit Eruption Brut Nature 2018 im Sektbereich und mit Eruption Rot ab Mai auf dem Gebiet der Rotweine. Mit wiederverwertbaren Flaschen und dem Bestreben nach autarker Energiebeschaffung in den heimatlichen Betrieben will man auch aktiv und vorbildgebend dem Klimawandel entgegen wirken.
Natürlich soll sich auch der Charakter der Gruppe weiter formen. Weil – eh schon wissen – nur nett zu sein ist als Anspruch zu wenig. Da braucht man sich nur das Eruptive eines Vulkans als Vorbild hernehmen: Urgewaltig, heiß, unaufhaltsam, Altes zerstörend, Neues hervorbringend – da wären sie wieder die Attribute. Nett ist nicht dabei!
Die Neuen
Jeder bringt das ein, was er am besten kann! In den Worten von Alois Gollenz klingt das so: „Wir haben keine Tradition im Weinmachen.“ Das gibt jedem die Chance, sich zu erfinden, dem nachzu-spüren was in einem ist und eine weitere Facette des Weinmachens einzubringen."

- Alois Gollenz, Weinbauer in Tieschen.
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Auch Katharina Thaller, die am Familienbetrieb gemeinsam mit ihrem Bruder Karl für die Weine zuständig ist, sieht die Kraft der Gruppierung als echte Chance. Es sei eine Truppe von Qualitätsfanatikern, die die Region und ihre Weine gemeinsam sichtbarer machen könnten. Das gelte vor allem auch für Rotwein, der in der Steiermark immer noch gnadenlos unterschätzt werde, so Thaller.

- Katharina und Karl Thaller vom Weinschloss in Großwilfersdorf.
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Fritz Frühwirth, sieht das ähnlich. Sein Fokus liegt ganz klar auf den Lagenweinen. Sie seien das Aushängeschild einer Gegend. „In ihnen steckt alle Kraft des Bodens und das ganze Können der Winzer.“ Es gehe darum, diese Weine und die dahinterstehenden Menschen ins Rampenlicht zu rücken. "Das stärkt nicht nur das Vertrauen in die Region, sondern auch in die Gruppe", so Frühwirth.

- Neu in der Winzervereinigung: Fritz Frühwirth
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Mehr über die Eruption-Winzer erfahren Sie hier






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