"Endlich Land!"
Ausstellung zeigt Entdeckung des Franz-Josef-Lands

Die "Tegetthoff" auf 75 Grad nördlicher Breite. | Foto: Wilhelm Burger, public domain
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Vor 150 Jahren brach eine österreichische Expedition in die Arktis auf - und entdeckte einen Archipel. „Land, Land, endlich Land!“, jubelte die Besatzung, als sie im August 1873 eine Inselgruppe entdeckte, die sie zu Ehren des damaligen Kaisers Franz-Josef-Land nannten. Dieser abenteuerlichen Expedition ist nun eine Ausstellung in der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) unter jenem Ausspruch gewidmet.

ÖSTERREICH. Vor 150 Jahren, also 1873 hat eine Gruppe von Wissenschaftlern und Offizieren das Franz-Josef-Land entdeckt. Die Gruppe, unter der Leitung von Karl Weyprecht und Julius Payer, war fast zwei Jahre zuvor am 13. Juni 1872 zu der abenteuerlichen Expedition auf der S/X Admiral Tegetthoff von Bremerhaven aus aufgebrochen und blieb monatelang im ewigen Eis stecken. 24 Mann Besatzung und acht Schlittenhunde machten sich nebst Polarausrüstung auf den Weg ins Nordpolarmeer. Die Fahrt ging über Tromsø in Norwegen, wo der Eismeister Kapitän Elling Olaf Carlson an Bord genommen wurde. Maschinist Otto Krisch starb während der Expedition am 16. März 1874 an Lungentuberkulose und wurde an der Küste der Wilczek-Insel in der vermutlich nördlichsten Grabstätte der Welt beigesetzt. 

Sibylle Wentker, Leiterin der Bibliothek und Sammlungen der ÖAW, erklärte die Exponate, die bis Ende Juni in der ÖAW-Bibliothek ausgestellt sind, und danach dem Naturhistorischen Museum für eine ähnliche, umfangreichere Ausstellung zum Thema geliehen werden. Die ÖAW besitze zwei große biografischen Sammlungen, und zwar die des Privatiers Erich Holder, der dank testamentarischer Verfügung diese der ÖAW überlassen habe,  sowie die Buch- und Kartenbestände der österreichischen demographischen Gesellschaft.

Während der österreichisch-ungarischen Expedition zum Nordpol wurde aus Not eine Flaschenpost abgesetzt, die 104 Jahre später gefunden wurde und auf diplomatischem Wege, über Russlands Außenministerium zu Österreichs Außenministerium gelangt ist, das sie Jahre später an die ÖAW überließ. Auch diese Flaschenpost ist Teil der Ausstellung. 

Inseln mit österreichischen Namen versehen

Die Forschungsreise wurde nicht von der ÖAW finanziert, betont Wentker, sondern über einen Finanzierungsaufruf. Das Ziel war die Erforschung einer eisfreien Nordpassage. Man habe vermutet, dass man am Eis vorbeikommen werde. Was jedoch misslang. Das Schiff „Admiral Tegetthoff“ wurde bereits im August im Eis eingeschlossen und verbrachte dort fast ein Jahr, bevor die Mannschaft aufgab. Das Schiff driftete in den folgenden Monaten auf dem Eis vor sich hin, bis es auf eine Insel stieß, deswegen auch das Zitat „Land, Land, endlich Land“, da die Besatzung es kaum fassen konnte, endlich Land zu sehen. Heute gehört das Franz-Josef-Land zum Oblast Archangelsk in Russland. Die entdeckten Inseln, Berge, Buchten und Gletscher bekamen ihre Namen von österreichischen Städten, etwa die Wiener Neustadt Insel. 

Da das Schiff „Admiral Tegetthoff“ Anfang des Sommers 1874 immer noch im Eis festsaß, der Proviant zu Ende ging und die Leute begannen krank zu werden – ein Mann starb an Tuberkulose – wollte man zu Fuß weitergehen, die Mannschaft drehte sich jedoch im Kreis. Die Verzweiflung der Besatzung ist in vielen Gemälden festgehalten.

Von russischen Fischern gefunden

Russische Fischer fanden die völlig verzweifelten Männer schließlich und so ist die Mannschaft im September 1874 wieder nach Wien zurückgekehrt, unter großer medialer und öffentlicher Aufmerksamkeit. Die Forschungsarbeit wurde jedoch fortgesetzt.

Karl Weyprecht, der bei der österreichischen Marine Karriere gemacht hatte, nahm als Offizier an der Expedition teil. Sein Ziel: so weit wie möglich nach Norden vorstoßen. Wegen des Kriegs Österreich gegen Preußen musste er ein paar Jahre auf die Reise warten. Er konnte Oberleutnant Julius Payer, der in Südtirol die Alpen kartographiert und an einer deutschen Expedition nach Grönland teilgenommen hatte, für die Expedition gewinnen.

Karl Weyprecht  (1838-1881) | Foto: Public domain

Die beiden wollten Sponsoren auftreiben, die Österreichische Akademie der Wissenschaften winkte aber ab. Für die Gesellschaft roch die Expedition zu sehr nach Abenteuer, und nicht nach vernünftiger wissenschaftlicher Exkursion. Stattdessen fand sich Graf Hans Wilczek als großzügiger Geldgeber. Er bildete ein honoriges Personenkomitee und trieb so noch weitere Sponsoren auf.

Julius Payer (1841-1915) | Foto: Fritz Luckhard/public domain

ÖAW-Präsident Heinz Faßmann: „Die Payer-Weyprecht-Expedition hat sich tief in die österreichische Geschichte eingeschrieben und weckt heute noch Interesse. Die Akademie zeigt in ihrer neuen Ausstellung, mit welchen Herausforderungen die Forscher damals zu kämpfen hatten und welche Aktualität das Thema durch die Bedrohung der Polarregion heute noch hat. Wir freuen uns über viele interessierte Besucher:innen in der Bibliothek am Campus Akademie.“

Wentker: „1873 war ein Jahr wichtiger Ereignisse in Wien: Die Weltausstellung und die Eröffnung der Wiener Hochquell-Wasserleitung haben bedeutende Auswirkungen auf Wien und Österreich gehabt. Global gesehen und für die Arktis-Region im Besonderen stellt die Payer-Weyprecht-Expedition den Beginn der Beeinflussung dieses sensiblen Ökosystems durch den Menschen dar. Unsere Ausstellung möchte mit den historischen Artefakten aus unseren Sammlungen zur Steigerung des Bewusstseins dafür beitragen.“

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