Vorwürfe gegen Manker und Pölsler
Machtmissbrauch in der heimischen Kulturszene
- In einer diese Woche erschienenen Dokumentation werden schwere Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen Paulus Manker erhoben.
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Dass es in der Film- und Theaterbranche mitunter rau zugeht, ist ein offenes Geheimnis. Wie tief Machtmissbrauch und strukturelle Gewalt dort tatsächlich verwurzelt sind, zeigt die nun erschienene NDR-Dokumentation "Gegen das Schweigen". Sie versammelt die Ergebnisse einer dreijährigen Recherche zweier Investigativjournalistinnen über Missbrauchsstrukturen in der deutschsprachigen Kulturszene. Mit Paulus Manker und Julian Pölsler stehen zwei prominente österreichische Film- und Theaterschaffende im Zentrum der Vorwürfe.
ÖSTERREICH. In der Öffentlichkeit wird Paulus Manker gerne euphemistisch als "Enfant terrible" bezeichnet, dabei eilt dem nunmehr 66-jährigen Wiener bereits seit vielen Jahren der Ruf eines drakonischen Cholerikers voraus. "In unserer Branche gibt es sehr viele Gerüchte. Manche haben Hand und Fuß, manche sind eine große Seifenblase. Über den Herrn Manker gibt es da halt Enzyklopädien", sagt etwa der Schauspieler Werner Wultsch in der am Dienstag online gegangenen Doku. Zu einem späteren Zeitpunkt wird Wultsch dann auch konkreter: Von täglich oder gar stündlich vorkommenden "Beschimpfungen grauslichster Art und Weise", ist dann die Rede.
Ähnliches berichtet auch Manuel Bräuer, der im Zuge einer "Alma"-Inszenierung mit Manker zusammenarbeitete: "Es ist wirklich fast jede einzelne Regieanweisung gebrüllt, immer mit Beleidigungen". Dabei sei das nur der Grundton, nicht inkludiert seien hier die "Ausraster" oder "schlimmen Zwischenfälle", so der Schauspieler.
- Manker eilt bereits seit vielen Jahren der Ruf eines drakonischen Cholerikers voraus.
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Gewaltausbrüche auf der Bühne
Insgesamt wurden 50 Schauspielerinnen und Schauspieler, die in der Vergangenheit mit Manker zusammenarbeiteten, im Rahmen der Doku kontaktiert. Mehrere von ihnen klagen über regelrechte Gewaltausbrüche. Berichtet wird etwa von einem Tritt in den Bauch oder einem Faustschlag aufs Ohr, aber auch von toxischen Bedingungen hinter den Kulissen. "Da sind die Leute fertig gewesen", fasst ein Produktionsassistent die Arbeitsbedingungen zusammen.
Zudem werden restriktive Verträge, schlechte Gagen und drakonischen Pönalen beklagt. "Es gibt nur Paulus Manker, der über allem thront, schwebt, herrscht, und man macht, was er will. Mann bekommt sehr wenig bezahlt und wird sehr schlecht behandelt", äußert sich Schauspielerin Anna Werner Friedmann in der Dokumentation.
Mit den Vorwürfen konfrontiert, lässt Manker nur durch seinen Anwalt antworten. Sein Mandant werde sich nicht zu den "entbehrlichen" und "völlig unangemessenen Fragestellungen" äußern, heißt es gegenüber den Doku-Verantwortlichen. Stattdessen kündigte der Anwalt eine Rufschädigungsklage an.
Frauen sollten bei Pölsler übernachten
Neben Manker wird mit Julian Pölsler ein zweiter österreichischer Regisseur schwer belastet. Vor allem Frauen berichten von Grenzüberschreitungen. So soll Pölsler während Dreharbeiten mitunter verlangt haben, dass Schauspielerinnen und andere Mitarbeiterinnen gemeinsam mit ihm in einer Villa übernachten. Dabei sei es nicht nur zu Avancen, sondern auch zu körperlichen Annäherungsversuchen durch den Regisseur gekommen. Und bei Castings habe er immer wieder verlangt, dass sich Darstellerinnen nackt ausziehen, wird berichtet.
Auch der 70-jährige Steirer wollte sich auf Nachfrage der Dokumacherinnen selbst nicht zu den Vorwürfen äußern und schickte seinen Anwalt vor: Sein Mandant weise die Anschuldigungen aufs Schärfste zurück, heißt es in einer Stellungnahme.
- Mit Julian Pölsler wird ein zweiter österreichischer Regisseur schwer belastet.
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Machtmissbrauch tief verwurzelt
Mit Manker und Pölsler stehen zwei prominente Namen im Zentrum der Dokumentation, gleichzeitig zeigt sich darin, dass die Strukturen des Machtmissbrauches in der heimischen Film- und Theaterszene weit über diese beiden Akteure hinaus reichen. Etliche Betroffene trauen sich nur anonymisiert vor die Kameras zu treten, Namen potenzieller Täter werden lediglich in Ausnahmefällen offen genannt.
Kein Wunder: Immerhin führen öffentliche Anschuldigungen immer wieder auch zu einer Täter-Opfer-Umkehr. Und trotz dutzender Verdachtsfälle, kommt es in den seltensten Fällen zu Anklagen, geschweige denn Verurteilungen. Abgebildet wird damit eine Branche mit strengen Hierarchien und Abhängigkeit. Ein Kulturwandel erscheint dringend notwendig.
"Gegen das Schweigen - Machtmissbrauch bei Theater und Film"
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