Local Heroe „Sick Bubblegum“
Wrestling-Performance vom Feinsten in der Festhalle Stallhof
- "Tamatou" und "Sick Bubblegum" siegten gegen "Tribe of Wrath"
- Foto: Gerhard Langmann
- hochgeladen von Gerhard Langmann
Nichts für Zartbesaitete war die Wrestling-Performance in der Festhalle Stallhof. Es gab acht äußerst interessante Kämpfe, unter den Siegern auch Lokalmatador "Sick Bubblegum" aus Stainz. Veranstaltet wurde die Competition von Styrian Wrestling Revolution mit Max und Ralph Pacher.
STALLHOF/STAINZ. Einem versierten Publikum ist das Catchen (etwa der Grazer Weltmeister Otto Wanz) noch in guter Erinnerung. Es gilt so etwas wie als Vorgänger des heutigen Wrestlings, das etwa in Japan, Amerika oder Mexiko eine renommierte Schaukampfart darstellt. Die Sportart kann als Kombination von Sport und Dramaturgie charakterisiert werden. Soll heißen: Für die Athleten: und Athletinnen ist neben dem Beherrschen der Kampftechniken auch eine so genannte Storyline bedeutsam, die einem Kampf Persönlichkeit, Emotionalität und Publikumsbindung verleiht.
Gekämpft wird zumeist in einem Gut-Böse-Schema („face“ gegen „heel“), es werden dabei reale und fiktive Elemente vermischt. Stichwort Publikum: Die Besuchenden in der Festhalle Stallhof erwiesen sich als versierte Community, die jeden Wurf, jeden Schlag und jede Geste mit Begeisterung aufnahmen. Und es konnte schon vorkommen, dass ein vehementer Schlag auf die Brust mit einem „Nochmal!“ quittiert wurde. Die Nähe der Sitze rund um den Ring gab der Veranstaltung gleichermaßen einen Hauch von Intimität und Volksfestcharakter. Die Nummerntafeln der Autos zeigten, dass Gäste aus fast ganz Österreich angereist waren.
Ringboden als Donnerhall
Moderiert wurden – wenn es die Kämpfer nicht selbst übernahmen – die Kämpfe von „Robb Steamhammer“, einem ehemaligen Wrestler, in feinstem Trachtenzwirn und Lederhose. Die Kämpfer wurden – immer sehr dramatisch und von Partynebel begleitet - mit ihrem Kampfnamen, ihrer sportlichen Herkunft, ihrem Kampfgewicht und auch ihren Relikten (etwa Gürtel) vorgestellt. Die Referees (auch eine Frau agierte als solche) hatten große Mühe, die Konkurrenten in ihrem sportlichen Engagement einzubremsen.
Das gehörte zur Show: Bevor sich ein Kämpfer bis drei auszählen ließ, bäumte er sich noch einmal auf und machte kraftvoll weiter. Mehr noch: Manchen Titanen war der Ring zu klein, sie gerieten sich unmittelbar vor dem Publikum weiter in die Haare. Auch ein Showelement: Der Ringboden war speziell aufgebaut, sodass sich jeder Wurf in der Halle wie ein Donnerhall anfühlte. Organisiert wurde das Spektakel, das 270 Besuchendne nach Stallhof brachte, von Styrian Wrestling Revolution (SWR) mit Max und Ralph Pacher und ihrem Team.
Acht Kämpfe
Zum Sportlichen: Es standen acht zum Teil international bedeutsame Kämpfe auf dem Programm. Den Auftakt besorgte das Ground Europe-Qualifikationsmatch zwischen „Alex Berkner“ (Wien) und „Denzel Mack“ (London). Der Engländer setzte sich durch und qualifizierte sich damit für die Europameisterschaft am 21. November im Grazer Orpheum. Im TAG Team Championship standen sich danach Team Turbulence (Graz) und Bleach Blonde Bastards (Wien) gegenüber.
Die Grazer hatten am Vortag in Raaba gegen die Wiener gewonnen, in Stallhof hatten aber die „Bastards“ die Nase vorne. Recht eindeutig verlief die Single-Begegnung „Johann Otto“ (Gmünd) gegen „Patrick Steel“ (Graz), nach drei Minuten wurde der Niederösterreicher zum Sieger erklärt. Um nichts Geringeres als die Uhrturm Championship ging es im Kampf von „Skull Evil“ (Prag) gegen „Mirko ‘Yugo‘ Panic“ (Maribor). Es gab keine Sensation: Der „Yugo“ behielt seinen Champion-Gürtel.
Auftritt „Sick Bubblegum“
Etwas unübersichtlich verlief das TAG-Match Nummer 5: Zu „Sick Bubblegum“ (Stefan Reinisch aus Stainz) gesellte sich erst nach Überlegung Partner „Tamatou“ dazu. Zwischenzeitlich prügelte das Duo von „Tribe of Wrath“ unbekümmert auf „Sick Bubblegum“ ein. Als der Referee „Tamatou“ als Partner anerkannte, entwickelte sich ein turbulenter – mit der Otto-Rolle gewürzter - Kampf, den die Stainz/Wien-Kombination für sich entscheiden konnte.
Auch das Kernöl fand in Stallhof Platz: Im Dreikampf zwischen „Marius Al-Ani“, „Martyrium“ (beide Deutschland) und „Krampus“ (Salzburg) ging es um die Qualifikation zum SWR Kernöl-Championship, bei dem sich „Marius Al-Ani“ durchsetzte und damit Anfang Oktober auf den Champion „Pascal Spalter“ treffen wird. Als wäre die Stimmung nicht schon heiß genug gewesen, traten im 7. Kampf die Damen in den Ring: „Orsi“ (Budapest) traf auf „Cece Catch“ (Wien) und lieferte eine tolle Vorstellung ab. Dennoch: Den Sieg holte sich die Wienerin, die noch am Vortag gegen „Orsi“ verloren hatte.
SWR Kernöl Championship
Im letzten Kampf ging es dann tatsächlich um den SWR Kernöl Championship. Als Gegner trafen „Martin Pain“ (Wien) und „Pascal Spalter“ (Berlin) aufeinander. Das Besondere: Es war ein „No Disqualification-Match, es waren also alle Mätzchen erlaubt. Das bekam das Publikum mit, das sich urplötzlich im Zentrum des sportlichen Geschehens fand.
Das musste aber auch Referee „Nick Graven“ erleben, der von „Martin Pain“ zu Boden gestoßen wurde. Die eingesprungene Ringrichterin führte daraufhin den Drei-Count durch und erklärte „Martin Pain“ zum Sieger. Exakt in dieser Sekunde kam der angestammte Referee in den Ring zurück und beharrte auf seine Position: Er ließ den Kampf weiterführen, in dem schließlich „Pascal Spalter“ nach einer groben Unsportlichkeit das bessere Ende für sich hatte: Er hatte einen Ringpolster entfernt und ließ seinen Gegner mit dem Kopf gegen das Metall knallen.
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