Kötschach-Mauthen/Kufstein
Plöckenpasstunnel spaltet Meinungen
- Bürgermeister Josef Zoppoth (Kötscahc-Mauthen) und Bürgermeister Martin Krumschnabl (Kufstein) über den geplanten Scheiteltunnel
- Foto: Fotocollage: SPÖ, die Parteifreien
- hochgeladen von Dominik Lach
KÖTSCHACH-MAUTHEN. KUFSTEIN. Seit dem Felssturz Ende 2023 begleitet die Region eine nicht enden wollende Diskussion um die Zukunft des Plöckenpasses. Schon kurz nach dem Ereignis brachte der Gemeinderat eine einstimmige Resolution ein, die den Bund und das Land aufforderte, sowohl die schnelle Wiederherstellung der Straße als auch Gespräche über einen Scheiteltunnel einzuleiten. Die Sanierungen der vergangenen Monate haben zwar Verbesserungen gebracht, dennoch wird der Pass erneut gesperrt. Ab 29. September steht eine mehrmonatige Totalsperre bevor. Experten weisen zudem darauf hin, dass die Geologie in diesem Gebiet dauerhaft instabil bleibt. Eine bilaterale Arbeitsgruppe prüft derzeit Basistunnel, Scheiteltunnel und eine Umfahrungstrasse. Aus Italien kommen Signale, dass ein Scheiteltunnel bevorzugt wird. Offizielle Ergebnisse werden im Herbst erwartet. Wesentlich ist für die Marktgemeinde auch die Einbindung der zuführenden Verkehrswege Richtung Drautal und Osttirol. Ein Tunnel wäre das Zentrum der Entwicklung, aber die Peripherie darf nicht vergessen werden. Ebenso offen ist die Zukunft der bestehenden Passstraße, die oberhalb der geplanten Tunnelportale einen Lebens- und Wirtschaftsraum erschließt – mit Windrädern, Wasserkraftwerken, einem Freilichtmuseum, Gastronomie, Weitwanderwegen, Klettergebiet, Almwirtschaft und Grenzübergang.Aus diesen Überlegungen heraus hätte auch die Variante einer bemauteten Panoramastraße einen gewissen Reiz. Doch Signale aus Italien deuten darauf hin, dass diese Lösung aus finanziellen und praktischen Gründen nicht realisierbar ist. Um großräumigen Transit und die damit verbundenen Nachteile für die Region zu verhindern, braucht es von Anfang an klare Regelungen über Beschränkungen oder Mautsysteme. Ein Tunnelprojekt dieser Größenordnung erfordert europäische Unterstützung und klare Rahmenbedingungen. Beschränkungen oder eine mögliche Mautregelung werden entscheidend sein, um Transitverkehr zu verhindern und die Akzeptanz in der Region zu sichern. Bevor die Marktgemeinde Kötschach-Mauthen weitere Beschlüsse fasst, wartet man auf die Ergebnisse der Arbeitsgruppe im Herbst. Erst dann wird klar, wohin die Reise beim Plöcken tatsächlich geht.
Kufstein sagt klar NEIN
Die Stadt Kufstein sieht im geplanten Bau des Plöckenpasstunnels erhebliche Gefahren. Vor allem der Schwerverkehr, der über die Autobahnabfahrt in Richtung Eibergstraße durch das Stadtgebiet rollen würde, bereitet Sorgen. Schon heute gilt Kufstein als stark belastet, zusätzliche Transitströme würden die Situation weiter verschärfen. Auch die notwendigen Straßenausbauten stünden im Widerspruch zu den klima- und verkehrspolitischen Zielen. Überregionale Auswirkungen befürchtet die Stadt nicht nur für Kufstein selbst. Eine schnelle Nord-Süd-Verbindung würde nach Ansicht der Verantwortlichen unweigerlich mehr Lkw-Verkehr durch Tirol bringen. Das Inntal, das bereits jetzt als Nadelöhr Europas unter massivem Transit leidet, wäre besonders betroffen. Damit stiegen nicht nur die Belastungen für Umwelt und Bevölkerung, sondern auch die Gefahr, dass Österreich in internationalen Verkehrsverhandlungen geschwächt wird. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Signalwirkung des Projekts. Während Tirol seit Jahren für eine konsequente Verkehrsverlagerung auf die Schiene kämpft, würde der Plöckenpasstunnel Milliarden in eine neue Transitroute lenken. Für die Stadt Kufstein widerspricht dies klar den Klimazielen und gefährdet die Glaubwürdigkeit Österreichs auf europäischer Ebene. Statt in neue Straßenprojekte zu investieren, setzt Kufstein auf den Ausbau nachhaltiger Lösungen. Eine moderne Bahnverbindung zwischen Kärnten und Italien könne den Güter- wie auch den Personenverkehr effizient und klimafreundlich abwickeln. Kombinierte Verkehre, bei denen Lkw auf die Schiene verlagert werden, sowie attraktive Angebote im öffentlichen Nahverkehr seien der Schlüssel, um die Mobilität grenzüberschreitend zu verbessern. Auch digitale Lösungen sieht die Stadt als zukunftsweisend. Intelligente Verkehrssteuerung, koordinierte Fahrpläne und eine enge Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg könnten Mobilität erleichtern, ohne Tirol und das Inntal zusätzlich zu belasten. Damit wird deutlich: Für Kufstein führt der Weg in die Zukunft nicht über neue Tunnel, sondern über moderne und klimafreundliche Verkehrskonzepte.
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