Da hat doch jemand den Uhrturm angezündet!

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STATTEGG/GRAZ. Stefan Rothbart hat einen neuen Roman geschrieben. '1809 – Die letzte Festung' handelt von der Grazer Schlossbelagerung durch napoleonische Truppen. Warum regionale Wurzeln und Geschichte für den Autor wichtig sind, erzählt er im Interview.

Was hat Sie gereizt, ein Buch mit dieser Thematik zu schreiben?
Graz ist für mich eine der interessantesten Städte Österreichs und auch Europas.
Doch die wenigsten sind sich der wirklich reichhaltigen Geschichte dieser Stadt bewusst. Gerade der Schlossberg ist ein Symbol für verschwindendes Geschichtsbewusstsein. Hier ist wortwörtlich Gras über die Sache gewachsen.
Die Belagerung von 1809 ist ein so zentrales Ereignis in der Stadtgeschichte und eine spannende Charaktergeschichte dazu.

Damals stand wirklich das Schicksal von Graz auf dem Spiel. Alles hing an einem seidenen Faden - und wäre die Sache anders verlaufen, wer weiß, dann würde die Stadt vermutlich heute ganz anders aussehen.
Ich wollte einfach erzählen, welch' unterschiedliche Schicksale es damals gab, wie es der Stadtbevölkerung und den tapferen Soldaten in der Festung ergangen ist und was generell diese Zeit für die Menschen bedeutet hat. Die Napoleonischen Kriege sind ja auch soziologisch eine wirklich spannende Zeit gewesen.
Und diese einmalige Geschichte wollte wieder zum Leben erwecken und für ein breites Publikum aufbereiten.

Wie wichtig ist Ihnen - literarisch gesehen - der Bezug zur Heimat?
Der Regionalitätsbezug in der Literatur ist für mich sehr interessant und ich stelle fest, dass er mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Gerade auf dem deutschsprachigen Buchmarkt, wo 90 Prozent aller Bestsellerautoren aus dem anglikanischen Bereich kommen, ist es aber für deutschsprachige Autoren nicht immer einfach. Im Supermarkt ist es schon selbstverständlich geworden, dass man zu regionalen Produkten greift, auf dem Literaturmarkt herrscht dieses Bewusstsein für das Heimische noch nicht. Das würde ich mir aber wünschen.

Literatur mit Regionalbezug ist letztendlich ein Kulturgut, das man pflegen und fördern sollte. Gerade der historische Roman ist bei uns noch unterrepräsentiert. Die österreichische Geschichte mit ihren vielen Wendepunkten ist ein absolut reichhaltiges Sammelbecken wirklich interessanter Geschichten, von denen die meisten aber noch unerzählt geblieben sind. Wer weiß heute noch, dass auf dem Grazer Schloßberg einst das mächtigste Bollwerk der Habsburger stand? Oder wie viele kulturelle Einflüsse unsere Geschichte geprägt haben?

Lesen Sie selbst gerne Bücher, die einen regionalen Kern haben?
Persönlich lese ich Krimis und historische Romane mit regionalem Bezug sehr gerne. Ein bisschen kann man dabei ja auch in seine eigene Lebenswelt und seine eigene Vergangenheit eintauchen. Man liest regionale Literatur auch wesentlich kritischer, da man persönlich einen Bezug dazu hat, die Lokalitäten kennt und viel genauer auf inhaltliche Genauigkeit achtet.

Und manchmal ist es wirklich eine willkommene Abwechslung zu einem Buch aus der Region zu greifen, denn auch der Buchmarkt wird immer kommerzieller und austauschbarer.

Was ist das Besondere am Autor-Sein?
Ich betrachte das Schreiben, die Zeit zu haben, sich mit einem Thema intensiv mehrere Monate oder auch Jahre beschäftigen zu können, als ein Privileg. Das Besondere ist, dass man als Autor in seinem kreativen Schaffensprozess, mehr als in jeder anderen Kunstrichtung, völlig auf sich alleine gestellt ist. Ein Buch zu schreiben, ist eine kreative Arbeit, die aus der Einsamkeit mit sich selbst entspringt.

Als Autor bleibt man in der Regel immer auch im Hintergrund, selbst, wenn das eigene Buch ein Bestseller werden sollte. Aber die wenigsten Menschen erkennen bekannte Autorinnen oder Autoren auf der Straße. Das hat auch irgendwie angenehme Vorteile. Man kann ein relativ normales Alltagsleben führen. Die wenigsten Menschen würden mich vermutlich mit meiner schriftstellerischen Arbeit in Verbindung bringen.

Was ist das Besondere an diesem Buch?
Das Besondere an '1809 - Die letzte Festung' ist, dass es eine bisher fast in Vergessenheit geratene Episode der Napoleonischen Kriege erzählt. Die Belagerung war nicht nur für die Stadtgeschichte von besonderer Bedeutung, sondern auch im Kontext der Napoleonischen Zeit von einiger Bedeutung.
2015 jährt sich die Schlacht von Waterloo zum 200. Mal. Es war Napoleons größte und letzte Niederlage. Aber wo begann eigentlich der Nimbus von der unbesiegbaren Französischen Armee zu schwinden? Darauf hat die Geschichtsforschung viele Antworten. In Österreich wird gerne der Aufstand des Andreas Hofer in Tirol dafür hergenommen. Die Belagerung von Graz ist aber nicht minder von Bedeutung gewesen für die damalige Bevölkerung.

Ich denke, letztendlich verrät das Buch auch viel darüber, wie sich Menschen in solchen Krisensituationen verhalten. Welche Ängste und Emotionen sie durchleben.
Lupenreine Helden gibt es nicht, alle Heldenfiguren sind letztendlich Verklärungen der Nachwelt. Tatsächlich sind aber alle Helden immer zweifelhafte Helden.

Wie sind Sie überhaupt zum Schreiben gekommen?
Ich bin eigentlich über den Film zum Schreiben gekommen. Anfänglich habe ich mich auf Drehbücher spezialisiert. Die Literatur kam später hinzu mit dem Bewusstsein, dass gewisse Geschichten in Österreich einfach leichter in Romanform umzusetzen sind.

Auch '1809-Die letzte Festung' hat eigentlich als Drehbuch für einen Film begonnen und ich war auch eine Zeitlang mit einem inzwischen verstorbenen deutschen Filmproduzenten in Kontakt, der Interesse zeigte. Aber ich denke letztendlich wäre der Aufwand für einen europäischen Film zu hoch gewesen. Da hat es sich angeboten den Stoff als historischen Roman zu verarbeiten.

Der Klappentext verrät: Es herrscht Krieg zwischen Napoleon und Österreich. Die Festungsstadt Grätz wird zur letzten Bastion. Major Hackher muss das Bollwerk der Habsburger gegen den Feind schützen. Nicht nur das Schicksal seiner Männer, auch das der gesamten Stadt steht auf dem Spiel.
Lesungen: 5. November in der Steiermärkischen Landesbibliothek, 14. November im Alpengarten Rannach und am 26. November in der Gemeindebibliothek Hart bei Graz (jeweils 19 Uhr).

(Fotos: www.stefanrothbart.com)

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