Hier ordiniert der 1979er-Jahrgang

38 Jahre jung: Firass Lutfi ist in Peggau aufgewachsen und setzt vor allem auf einen vertrauten Umgang mit den Patienten.
  • 38 Jahre jung: Firass Lutfi ist in Peggau aufgewachsen und setzt vor allem auf einen vertrauten Umgang mit den Patienten.
  • Foto: WOCHE
  • hochgeladen von Nina Schemmerl

In Zeiten, in denen der klassische steirische Hausarzt durchschnittlich 52,7 Jahre alt ist, sorgen sie für frischen Wind: jene jungen Mediziner, die sich quasi direkt nach der abgeschlossenen Ausbildung in das Abenteuer "Arztpraxis" stürzen.
Laut der jüngsten Landesstatistik zählen die Ärzte nämlich neben den Notaren und den Ziviltechnikern zu den überaltertsten Berufsgruppen. Lediglich acht Prozent der niedergelassenen Ärzte sind unter 40 Jahre alt. Die Gründe dafür, dass keine jungen Kollegen nachkommen, sind vielfältig, wie Alexander Moussa aus eigener Erfahrung weiß: "Die Arbeitsbelastung ist meist recht hoch und die Familie leidet unter den häufig nicht planbaren Tagesabläufen. Wochenend-, Feiertags- und Nachtdienste sind zu leisten und bei Verhinderung bzw. Krankheit steht der Betrieb still", so der 35-jährige Allgemeinmediziner aus Hartberg.

Tragende Säule

"80 Millionen Patientenkontakte werden jährlich von Allgemeinmedizinern abgewickelt", berichtet Moussa, der gleichzeitig Obmann der Sektion Allgemeinmedizin sowie kassenärztlicher Referent der Ärztekammer Steiermark ist. "Damit sind wir eine tragende Säule der medizinischen Versorgung in Österreich." Dass dieser maßgeblichen Stütze auch viele Steine in den Weg gelegt werden – Kassenbürokratie, Limitationen – ist bekannt. Dennoch lassen sich besonders Engagierte nicht davon abschrecken. Einer von ihnen ist der Allgemeinmediziner Firass Lutfi, den die WOCHE als jüngsten Arzt des Bezirks zum Gespräch gebeten hat. Mit seinen 38 Jahren führt er eine Praxis in Peggau.

Zuhören gelernt

Lutfi ist die Medizin in die Wiege gelegt worden: Schon sein Vater, Paul Lutfi, sorgte für die Gesundheit der Peggauer. 1980 eröffnete dieser seine Praxis, nach 32-jähriger Tätigkeit übernahm sein Sohn als würdiger Nachfolger die Ordination mit den Kassenverträgen. "Bereits seit meiner Kindheit wollte ich Arzt werden. Ich hab auch immer gerne mitgeholfen, zum Beispiel an der Rezeption", sagt er. Ob er dadurch Vorteile beim Studieren hatte? "Der Umgang mit Patienten fällt mir leichter, weil ich das Zuhören früher gelernt habe." Als Teil einer Arztfamilie und aufgewachsen im Ort kennt er seine Patienten genau: "Früher haben mich die Leute am Spielplatz gesehen, heute treffen wir uns in der Ordination", schmunzelt Lutfi, der auch keine Berührungsängste hat, wenn er seinen Patienten beim Sportfest oder beim Einkauf begegnet.

Sichere Stütze

Obwohl es das vertraute Miteinander ist, das seine Patienten schätzen, war es anfangs vor allem für ältere Menschen nicht leicht, den jungen Mediziner als Hausarzt an sich heranzulassen. "Auf der einen Seite heißt's, den jungen Ärzten fehlt die Erfahrung, auf der anderen Seite denkt man, dass jene, die frisch von der Uni kommen, den neuesten Wissensstand mitbringen. Es gab schon eine spürbare Hemmschwelle. Die hat sich jedoch rasch gelegt." Dafür zeigt Lutfi Verständnis. Weiß er doch, dass ein Arzt einen Patienten oft ein Leben lang begleitet, und das setzt Vertrauen voraus, das sich erst aufbaut. Besonders im eher ländlichen Raum ist der Hausarzt eine sichere Stütze, wenn es um die eigene Gesundheit geht – denn dieser wird um Rat gefragt, bevor etwa eine Klinik aufgesucht wird. "Ich möchte, dass sich die Patienten wohl und gut aufgehoben wissen. Mein Gewissen sagt, dass ich niemanden im Stich lasse", sagt der 1979er-Jahrgang.

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