Pionierin an der Med Uni

Neue Herausforderung: Katja Schwenzer-Zimmerer ist seit dem 1. Oktober Professorin an der Med Uni Graz.
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Katja Schwenzer-Zimmerer ist die erste Professorin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im deutschen Sprachraum.

Warum hat es so lange gedauert, bis eine Frau Professorin in ihrem Fach wurde?
Für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie muss man Zahn- und Humanmedizin abschließen und eine Facharzt-Ausbildung absolvieren – das ist ein langer Werdegang. Insofern ist es besonders für Frauen schwieriger, nicht von der Karriereleiter hinunterzufallen, wenn sie Kinder bekommen, und sich auch in der Familie verwirklichen wollen.

Sie haben es trotzdem geschafft.
Mir hat eigentlich jeder davon abgeraten – insbesondere mein Vater. Weil er auch Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg war, habe ich aber sehr früh mitbekommen, dass man Kindern mit Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten durch frühe Operationen zu einem Leben ohne Stigmatisierung verhelfen kann. Das hat mich so beeindruckt, dass ich diesen Weg konsequent verfolgt habe.

Was waren Hindernisse auf Ihrem Weg?
Es ist im Bewusstsein vieler verankert, dass mein Beruf ein Männerjob, und sehr anstrengend ist. Manche können sich nicht vorstellen, dass eine Frau so etwas gleich gut kann. Es ist ein gesellschaftliches Phänomen, dass bestimmte Vorstellungen bestehen, was Männer können und was Frauen können. Bei uns zuhause wurde da nie ein Unterschied gemacht und mir ist erst in der Schule klar geworden, dass Mädchen vieles nicht zugetraut wird. Das hat mich erstaunt.

Und heute?
Dabei ist es geblieben. Ich bin aber der Meinung, man soll eine Frau sein und nicht versuchen, einen schlechten Mann zu spielen. Es gibt etwa in der Kommunikation oder in der Führung große Unterschiede. Als Frau ist es besonders wichtig, sehr kompetent zu sein und man muss dauernd und stärker beweisen, dass man etwas auch gut kann.

Wie zeigt sich das?
Männer sind stärker an Hierarchien interessiert, Frauen an Inhalten. Ich war bei Führungssitzungen oft die einzige weibliche Vertreterin. Wenn viele Männer dabei sind, muss häufig zuerst klar sein, wer der Anführer ist. Wenn man das missachtet und auf die eigentliche Agenda eingehen will, wird man nicht ernst genommen.

Dennoch sind Sie seit 1. Oktober Professorin an der Med Uni Graz – und außerdem Mutter zweier Kinder.
Für mich war klar, dass ich Familie und Kinder haben möchte. Dabei läuft man wie gesagt Gefahr, aus dem Karriereplan herauszufallen. Ich hatte bei meiner letzten Station in Basel aber die Möglichkeit, fast bis zur Entbindung im OP zu stehen. Ab dem dritten Monat gab es auch hervorragende Kinderbetreuungseinrichtungen. Das ist das Entscheidende und zum Beispiel in Deutschland im Moment nicht gewährleistet.

Wie steht es damit in Graz?
Mit Oktober hat auch hier an der Klinik eine Kindertageskrippe eröffnet und da darf auch mein Ben (2 1/2 Jahre alt, Anm.) hingehen. Für Frauen in einem akademischen Beruf, in dem man nicht so flexibel ist, ist das natürlich ein großer Vorteil. Das war für mich auch eine Voraussetzung, die Stelle hier annehmen zu können.

Sind sie bisher auch sonst mit der Entscheidung hierher zu kommen zufrieden?
Ich habe mich für alle Lehrstühle beworben, weil man das muss, wenn man so eine Position haben möchte. Ich bin aber sehr froh, dass es Graz geworden ist. Mir gefällt die Mentalität der Leute und das Konzept der Med Uni, die eine moderne, weltoffene und tolerante Universität ist, an der man kreativ sein kann. Und ich arbeite mit einem tollen Team zusammen. Damit es dem Patienten gut geht, ist es wichtig, dass alle an einem Strang ziehen.

Sie haben bereits über 10.000 Operationen durchgeführt. Ist das viel?
Ja, das ist viel. (lacht) Ich habe sehr früh begonnen, konnte bei humanitären Einsätzen in Asien viel Erfahrung sammeln und hatte auch immer Vorgesetzte, die mir die Möglichkeit gegeben haben zu operieren.

Auf den Universitäten studieren immer mehr Frauen. Macht Sie das froh?
Ich glaube das ist eine tolle Entwicklung, weil Frauen häufig das Betriebsklima verbessern, da sie vielleicht auf Dinge wie etwa Umgangsformen mehr Wert legen. Ich habe auf jeden Fall immer das Gefühl, dass gemischte Teams beiden Seiten gut tun.

Werden Sie sich bald über eine weibliche Kollegin freuen können?
Ich glaube, dass wird sich von selbst entwickeln. Es ist sicher ein Vorteil, wenn es den Frauen durch flexible Arbeitszeiten und Kinderversorgung erleichtert wird, trotz Familie Karriere zu machen. Die Gesellschaft muss sich so entwickeln, dass dem mehr Toleranz entgegengebracht wird. Und es braucht auch souveräne Männer, die dabei mitspielen: Nur die Schwachen verhindern, dass andere stark werden.

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