Am eigenen Leib
In Sekunden alt werden - mit VIDEO

Wiederbelebung an der Übungspuppe.
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Wie es ist alt zu werden? Das Rote Kreuz Innsbruck zeigt es mit verschiedenen Tools – dabei wird Sehschwäche oder Parkinson simuliert. 

INNSBRUCK. Auf dem Boden neben der Tür liegt eine Plastikpuppe auf einer Decke. Sie ist in graue Jogginghose und Kapuzenpulli gekleidet. In der anderen Ecke steht ein Tisch mit verdrahteten Handschuhen, bunten Fruchtzwergen und kleinen Smartiesschachteln. Das ist das Bühnenbild für den Rollentausch, zu dem das Rote Kreuz die MedienvertreterInnen in ihre Räumlichkeiten nach Pradl invitierte.

Rollentausch beim Roten Kreuz

Eigentlich ist es eine Art Kennenlernveranstaltung, die verbildlichen soll, was das Rote Kreuz (RK) alles macht. Denn RK steht lange nicht mehr nur für Rettungsdienst. Erste Hilfe Schulungen werden ebenso angeboten, wie Ärztedienste oder gesundheitliche Betreuung bei Großveranstaltungen. Gleich zur ersten Aufgabe, die die RedakteurInnen absolvieren müssen – Wiederbelebung – erklärt Pressesprecher vom Roten Kreuz Innsbruck, Thomas Gierl: "Das klingt etwas übertrieben, ist es aber nicht. Jeder Österreicher und jede Österreicherin sollte wissen, wie man erste Hilfe leistet." Wir fühlen uns ertappt. Die meisten haben das letzte Mal eine Wiederbelebung bei der Führerscheinprüfung geübt. Und das ist, wenn man in die Gruppe schaut, wohl schon einige Jahre her. In Erinnerung geblieben ist, dass der Brustkorb auf den Rhytmus eines Liedes hart gedrückt werden muss – aber, welches Lied war das nochmal? "Staying alive", "Dancing queen" oder "Sweet home Alabama" sind noch die vertretbaren – erklärt man uns beim Schnellkurs –, "Highway to hell" (übersetzt: Autobahn in die Hölle) eignet sich zwar auch, aber man habe als Erstehilfer bedenken während einer Herzmassage laut mitzusingen. Viel kaputt machen, wenn jemand nicht atmet, kann man aber nicht – also ordentlich reindrücken. 30-Mal und dann Mund-zu-Mundbeatmung. Geht. Der Brustkorb der Puppe hebt sich, auch der Defi wird ausgepackt und an die Puppe montiert. Kurz Abstand halten während der Elektroschock einsetzt, und dann weiter drücken bis die Rettung eintrifft. Die Puppe erweckt natürlich nicht zum Leben und wir ziehen zur nächsten Station. 

Parkinson wird durch Stromschlag nachgeahmt

Hier erwartet uns eine Dame, vor der auf dem Tisch graue Handschuhe und eine große, schwarze Brille. Die Aufgabe ist es, mit vorgetäuschtem Parkinson – in die Handschuhe wird leichter Strom eingeführt, der die Hände zum Zittern bringt – und eingeschränkter Sicht einen Fruchtzwerg zu essen. Es sieht irgendwie nach einer Gaudi aus, soll aber gleichzeitig – zum Beispiel in Schulen – vermitteln, wie schwierig der Alltag eines Menschen mit diesen Erkrankungen ist. "Man darf aber nicht vergessen, auch, wenn es jetzt etwas Spaß macht, die Betroffenen können das Zittern nicht ausschalten", erklärt die Dame.

Brille auf die Nase, Handschuhe anziehen und Strom raufschalten. Erst passiert mal nichts bei mir. "Sie müssen eine hohe Schmerzgrenze haben", sagt die Betreuerin der Station. Interessant. An so etwas habe ich nicht gedacht. Auch der Batterietausch bringt nichts. Nur als die Hände nass gemacht werden, fängt ein Kribbeln und dann ein Zucken in der Hand an. Kleine Smarties müssen in die Medikamentenaufbewahrungschachtel gelegt, der Fruchtzwerg geöffnet und ausgelöffelt werden. Es ist gar nicht so schwer, aber mein Kopf zittert ja auch nicht, nur meine Arme und so führe ich den Mund zum Löffel und nicht umgekehrt. Wahre ParkinsonpatientInnen haben dieses Schlupfloch, das ich nutze, nicht. Sehen ist auch schwierig. Ich muss ganz nah zu den Smarties bücken, um die Farben zu unterscheiden. Nur ein kleines Loch bietet mir eine relativ scharfe Sicht – der Rest bleibt dunkel oder verwischt.
Alt sein ist nicht cool, daher ist es dann auch ganz angenehm alles wieder ablegen zu können und sich jung und fit zu fühlen. Mit diesem Gefühl ist es dann auch nicht mehr schlimm bei klirrender Kälte wieder aufs Rad zu steigen und zum nächsten Termin zu hasten.

Autor:

Agnes Czingulszki (acz) aus Innsbruck

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