Obachlosigkeit und Ausgangsbeschränkungen: Wie funktioniert das?

Die Katharina-Stube ist zwar auch weiterhin geöffnet, ist aber keine Tagesanlaufstelle mehr, um soziale Kontakte zu pflegen. Die Caritas gibt Essen aus und lässt die KlientInnen nur mehr vereinzelt eintreten.
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  • Die Katharina-Stube ist zwar auch weiterhin geöffnet, ist aber keine Tagesanlaufstelle mehr, um soziale Kontakte zu pflegen. Die Caritas gibt Essen aus und lässt die KlientInnen nur mehr vereinzelt eintreten.
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Um das Virus nicht zu verbreiten muss besonders auf vulnerable Gruppen geachtet werden: Darunter auch auf obdachlose Menschen, die im Normalfall nicht nur viel unterwegs sind und somit zu potentiellen Verbreitern des Virus' werden können, sondern auch, weil sie selbst – auf Grund vieler Vorerkrankungen – geschützt werden müssen. Dass man diesen Menschen helfen muss, darin sind sich alle einig, wer die neuen Maßnahmen zahlt, darin scheiden sich die Geister.

INNSBRUCK. Teestube zu, NIKADO zu: Für obdachlose Menschen sind die Institutionen, die tagsüber für sozialen Kontakt mit anderen Menschen sorgen, nun nicht mehr zugänglich. Ein Container am Richard-Berger-Weg und die Eröffnung der (umstrittenen) Notschlafstelle am Domanigweg soll nun für Entschärfung sorgen. Die bestehenden Notschlafstellen bleiben außerdem teilweise ganztags geöffnet – im Normalbetrieb wären sie nur für die Nacht zugänglich.

GR Gerald Depaoli forderte schon im September 2019, dass die Container am Richard-Berger-Weg im Gewerbegebiet von Arzl als Notschlafstelle umgewidmet werden. Das war damals nicht möglich. In der aktuellen Notlage werden – für begrenzte Zeit – ebendiese Container als Tagesanlaufstelle für Obdachlose bereitgestellt.
  • GR Gerald Depaoli forderte schon im September 2019, dass die Container am Richard-Berger-Weg im Gewerbegebiet von Arzl als Notschlafstelle umgewidmet werden. Das war damals nicht möglich. In der aktuellen Notlage werden – für begrenzte Zeit – ebendiese Container als Tagesanlaufstelle für Obdachlose bereitgestellt.
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Gertraud Gscheidlinger ist Leiterin der Caritas Sozialeinrichtungen.

"Wir sind für die Menschen zwar weiterhin da, aber auch in unseren Einrichtungen gibt es Änderungen."

Die Katharinastube und Wolfgangsstube bleiben auch in dieser Krisenzeit eine sichere Anlaufstelle für Menschen, die ohnehin schon ein schwieriges Leben haben. Ganz, wie früher, läuft die Sache allerdings nicht ab. Die Menschen stehen vor der Wolfgangsstube neben der Polizeistation in der Innenstadt Schlange und dürfen nur einzeln eintreten. Dass in der Schlange der Abstand gewährleistet ist, dafür sorgt die Polizei, die nebenan ihre Station hat.
Aber auch für die MitarbeiterInnen ist es eine außergewöhnliche Situation. "Wir laufen viel hin und her, das hält uns auch in Zeiten fit, in denen man nicht ins Fitnessstudio kann", sieht Gscheidlinger die Sache positiv. Handschuhe und Gesichtsmasken inklusive. "Es ist eine sehr spannende Zeit. Wir müssen uns jeden Tag auf was Neues einstellen", erzählt Gscheidlinger. Ihre KlientInnen selbst sind gut informiert, was die Maßnahmen rundum das Coronavirus betrifft. "Es sind aber auch zahlreiche Bitten an uns herangetragen worden, um Schutzmasken auszugeben. Demnächst wollen wir dieser Bitte nachkommen und Masken austeilen."

Essensausgabe in der Katharina-Stube. Die Bischofskonferenz hat eine Million Euro Sorforthilfe zur Verfügung stellt.
  • Essensausgabe in der Katharina-Stube. Die Bischofskonferenz hat eine Million Euro Sorforthilfe zur Verfügung stellt.
  • Foto: Caritas
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Jeder soll ein Dach über dem Kopf haben

"Unsere Aufgabe ist es, Menschenleben zu retten", diese Botschaft fällt im Gespräch mit dem für soziale Angelegenheiten verantwortlichem Vizebürgermeister, Hannes Anzengruber, des öfteren. Deshalb musste rasch gehandelt werden, um die Verbreitung des Virus' auch unter obdachlosen Menschen so schnell, wie möglich zu unterbinden.

"Es ist unglaublich, was das Stabsteam hier in kurzer Zeit geleistet hat. Wir haben gemeinsam mit den Sozialvereinen eine Lösung aufgestellt, damit in Innsbruck jeder ein Dach über dem Kopf hat und nicht hungern muss. Ein großes Danke dafür."

Dabei war auch wichtig einen Ort zu schaffen für jene, die einen Corona-Verdacht haben, bzw. infiziert sind. Ein andere Aspekt: Die Obdachlosen sollten nicht quer durch die Stadt fahren, um ihren Grundbedürfnissen nachgehen zu können. So wurde in nächster Nähe der Notschlafstelle des Schusterbergweges, in der Richard-Berger-Straße eine Tagesstätte mit großen Nasszellen eröffnet. Der Container stand seit Jahren leer und war ursprünglich als Unterbringungsort für geflüchtete Menschen gedacht. "Wir haben einen Putztrupp hingeschickt, um es schnellstmöglich aktivieren zu können. Das Gleiche haben wir auch am Domanigweg gemacht." Dabei wäre das Finden von Notschlafstellen gar nicht Angelegenheit der Stadt – das stößt Anzengruber sauer auf und er äußert Kritik an der Vorgehensweise des Landes.

"Zwischen 200 und 300 Personen nehmen aktuell die Dienstleistungen an. Momentan reichen die Notunterkünfte aus, aber wie lange wir das finanzieren können, ist unbestimmt."

Im Büro der Soziallandesrätin Gabriele Fischer will man diese Kritik entschärfen. "Wir sind in regelmäßigem Austausch mit der Stadt. Es ist klar, dass die Maßnahmen im Nachhinein natülrich von Land finanziert werden. Wichtig ist, dass die Menschen gesundheitssicher untergebracht werden." Der Domanigweg ist aktuell nur eine Übergangslösung und die weitere Notwendigkeit soll nächste Woche ausgewertet werden.

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