St. Johann, Kaufkraftstudie
Licht und Schatten bei St. Johanner Kaufkraft
- Weiterhin solide Kaufkraftbindung in St. Johann (Bild: Wochenmarkt im Ortszentrum).
- Foto: Kogler
- hochgeladen von Klaus Kogler
St. Johann bleibt robuster Einkaufsstandort; Probleme bringen der Onlinehandel und schwache touristische Handelsumsätze.
ST. JOHANN, BEZIRK KITZBÜHEL. Roland Murauer von der Beratungsfirma CIMA präsentierte in St. Johann Zahlen aus der jüngsten Kaufkraftstudie, der dritten ihrer Art seit 2009 (wir berichteten). In seiner „Zeugnisverteilung“ für den Standort St. Johann beleuchtete er die Stärken und Schwächen bei der Kaufkraft. Zudem gab er Handlungsanleitungen für die Zukunft.
"Seit 2009 gab es enorme Umwälzungen für den Einkaufsstandort, etwa durch den Onlinehandel, St. Johann hat aber gute Arbeit geleistet. Unsere Kaufkraftstromanalyse zeigt Stärken, aber auch Problemfelder",
so Murauer.
Seit 2014 ist in der Gemeinde die Bevölkerung und die Kaufkraft (+8,5 Mio. €) sowie die Zahl der Arbeitsstätten und der Beschäftigten gewachsen. Das Kaufkraftvolumen der eigenen Bevölkerung im Handel liegt bei 62,4 Mio. € im Jahr (Gebiet regio3: 265,8 Mio. €) – durchaus positive Zahlen. Aber: Immer weniger Bürger frequentieren den Handel, die Kaufkrafteigenbindung im Handel sank von 2009 (83 %) auf 72 %. Vor allem beim mittel- und langfristigen Bedarf (Mode, Elektro u. a.) sank die Eigenbindung von über 70 % auf 58 bzw. 59 % – bedingt vorwiegend durch die Onlinekonkurrenz.
Im langfristigen Vergleich hat sich der Handel bei den umliegenden Einzugsgebieten behauptet bzw. seine Position sogar leicht ausgebaut. Großes Problem ist hingegen der stark rückläufige tourismusrelevante Kaufkraftzufluss. Der Anteil des Tourismus am lokalen Handelsumsatz sank von 2009 mit 21,5 Mio. € auf nunmehr 9,23. Der touristische Anteil am Handelsumsatz liegt damit nur mehr bei 8 %. Die Gäste zeigen sich beim Einkaufen im Ort also immer sparsamer.
Online stark
Vor allem der wachsende Onlinehandel – +153 % seit 2018 – bringt Kaufkraftabflüsse. 2024 betrugen die Abflüsse in der regio3 bereits 39,9 Mio. € (2018: 15,8 Mio. €). St. Johann blieb dabei nicht verschont.
Weitere Kennzahlen:
- Stagnierende Umsätze trotz stark steigender Preise (Einzelhandelsumsatz in St. Johann im Vorjahr 122 Mio. €)
- Mehr Betriebe am Ortsrand, weniger im Ortskern (von 94 auf 81); im Vergleich jedoch noch gute Werte
- Sinkende Verkaufsflächen im Ortskern
- Hauptverkehrsmittel für Einkäufe bleibt der Pkw
- Von Kunden am wichtigsten bewertet sind „schnelle Einkaufmöglichkeiten“, vor allem die Jüngeren sind „Einkaufzentrum-affin"
- Der Preis ist weiterhin der entscheidende Kauffaktor
Empfehlungen
Murauer fasste fünf Empfehlungen für den Handelsstandort St. Johann zusammen:
- Bunter Branchenmix bei Immobilien im Ortskern bringt Frequenz
- Impulse für Leerstandbesitzer geben
- Mehr Marketingaktivitäten im Pinzgau
- Marketingoffensive für Einzelhandel in Richtung Tourismus
- Service für Konsumenten im lokalen Handel forcieren – ein großer Vorteil gegenüber dem Onlinehandel
Uns Murauers finaler Rat:
"Eine Markthalle im Ortszentrum wäre das Beste, das zieht die Kaufkraft an!"
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