Zukunft am Kasernenareal
Stadt, Bodner und Unterberger entwickeln auf 65.000m²

Das Gelände der ehemaligen Kaserne kann noch bis 2023 nicht umgewidmet werden, ohne nachzahlen zu müssen. Die obere kleine Teilfläche ist das "Wendlinger-Areal", der untere Teil gehört der Stadt.
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  • Das Gelände der ehemaligen Kaserne kann noch bis 2023 nicht umgewidmet werden, ohne nachzahlen zu müssen. Die obere kleine Teilfläche ist das "Wendlinger-Areal", der untere Teil gehört der Stadt.
  • Foto: tiris maps/Bodner
  • hochgeladen von Sebastian Noggler

In frühestens vier bis fünf Jahren sollen am früheren Kufsteiner Kasernenareal die Baumaschinen auffahren, um ein neues städtebauliches Konzept auf dem  65.000m² großen Gelände zu realisieren. Zuvor wird aber gemeinsam getüftelt und diskutiert. Die Stadtgemeinde sowie die Firmen Bodner und Unterberger Immobilien reissen dafür die Zäune in den Köpfen ein und überlegen gemeinsam mit FH-Experten, Zukunftsinstitut und weiteren Beteiligten, was, wie und wo auf der großen Fläche in Weißach nachhaltig im Sinne Kufsteins entstehen soll. Um Gerüchten und Mutmaßungen entgegen zu treten, entschloss man sich möglichst rasch zu kommunizieren.

KUFSTEIN (nos). Das seit des einst geplanten "Gartenstadt"-Projekts von der Bildfläche weitgehend verschwundene, nach dem Abriss der Bundesheer-Anlagen brachliegende Kasernenareal soll nun städtebaulich entwickelt werden. Neben den 19.000 m² (Bgm Krumschnabel sprach bei der Präsentation von rund 25.000 m²) in Stadtbesitz gehören der Bodner Gruppe die restlichen zwei Drittel der Gesamtfläche, 42.600 m², über die "Lechner Immobilien GmbH". Zudem wurde das 3.459 m² große "Wendlinger-Gelände" von der "B&U Immobilien GmbH" (Bodner & Unterberger) angekauft. Auf den insgesamt rund 65.000 m² soll ein nachhaltiges Projekt entstehen, über das die Beteiligten nun intensiv in moderierten Workshops nachdenken. Zwei dieser Ideenfindungstage haben bereits stattgefunden.

Zeit zum Nachdenken und Entwickeln

Derzeit ist das Areal mit einer Sonderflächenwidmung "Kaserne" belegt. Als die Stadtgemeinde die Flächen, die sie 1936 selbst der Republik zum Kasernenbau geschenkt hatte, nach Ende der Bundesheer-Ära in Kufstein zurückbekam, wurde ihr auferlegt, die Widmung 15 Jahre lang nicht zu verändern. Ansonsten würde eine Nachzahlung im Verhältnis zur Wertsteigerung fällig, wie Bgm Martin Krumschnabel ausführte. Noch rund vier Jahre lang kann hier also noch nicht gebaut werden, über die spätere Nutzung nachgedacht allerdings schon. Genau das haben die drei Projektbeteiligten nun vor. "Die Zeit, die uns hier zur Verfügung steht, ist ein Segen", meint Krumschnabel zur gesetzten Übergangsfrist bis 2023.
In mehreren Workshops zur Ideenfindung wird über die Nachnutzungsmöglichkeiten beraten. Um eine breite Basis auch im Gemeinderat zu finden, sind neben dem Bgm auch Vizebgm Hannes Rauch (VP) und FPÖ/GKL-Stadtrat Walter Thaler dabei. Gemeinsam mit den Investoren Bodner und Unterberger, Experten der FH Kufstein und des Zukunftsinstituts in Frankfurt und Wien des gebürtigen Kufsteiners Harry Gatterer treffen sich 15 Beteiligte, um die Zukunftsvision in Weißach voranzutreiben.
Dafür wollen sie "alle Grenzen im Kopf auflösen", so Krumschnabel, die aktuellen Besitzverhältnisse und Grundstücksgrenzen sollen der Zukunftsplanung nicht im Weg stehen. Der Masterplan sei "ein offenes aufeinander Zugehen und ein langer Zeithorizont". Das neu zu gestaltende Quartier in Weißach soll in der Nutzung durchmischt werden – Wohnbau, Handel, Kindergarten und Schule, Grün- und Freiflächen sollen ebenso entstehen wie eine möglichst zentrale, große Tiefgarage, um oberflächlich den Verkehr zu minimieren.

Ideenfindung & Wettbewerb

"Wir haben lange überlegt, wie wir diesen strukturierten Prozess starten. Wesentlich daran ist, dass wir quer denken. Wir wollen nicht, wie die vorherigen Eigentümer, einfach 300 Wohnungen 'stand alone' bauen", betont Thomas Bodner. So habe man sich für den Ideenfindungsprozess entschieden. Wenn die Grundlagen dafür bis zum Herbst diesen Jahres erarbeitet worden sind, soll ein internationaler städtebaulicher Wettbewerb mit etwa zehn Architekten folgen, die "ihre Ideen auf Basis unserer Überlegungen planen", so Bodner weiter. Eckpunkte dabei sind die Notwendigkeiten und Wünsche der drei Projektbeteiligten und die jeweils in Besitz befindlichen Quadratmeterzahlen. Im Frühling 2020 könnte dann eine Jury über die Wettbewerber entscheiden und anschließend würden die Baufelder vergeben, damit Stadt, Unterberger und Bodner in mehreren Baustufen ihre jeweiligen Projekte dort umsetzen können. Auch ein zugrunde liegendes Verkehrskonzept spielt hier eine wichtige Rolle. Um "keine zusätzliche Verkehrsbelastung für die Stadt" zu erzeugen, so Florian Unterberger, soll das Gelände über das "Wendlinger-Areal" am Kreisverkehr erschlossen werden.

"Ein Mehrwert für Alle"

"Wir haben Kufstein in den letzten Jahren mitgestaltet und fühlen uns der Stadt verpflichtet", erklärte Fritz Unterberger. Er betonte den Schulterschluss zwischen den Unternehmerfamilien und der Stadtgemeinde. Eine "Win-Win-Situation für die Stadt" soll das Großprojekt werden. "Das Kasernenareal ist eines der letzten großen Areale, die noch am Markt waren und bebaut werden können. Wir haben mit Familie Bodner einen vertrauensvollen Partner, mit dem wir gemeinsam hier einen Stadtteil gestalten können", so Fritz Unterberger. Diese Gestaltung werde, so der Unternehmer weiters, wohl anders aussehen, als derzeit gewohnt, etwa durch Dach- und Fassadenbegrünungen.
Vizebgm Hannes Rauch betonte, es gehe darum einen Stadtteil zu entwickeln, "der auch für die Leute, die dort nicht wohnen oder arbeiten, einen Mehrwert hat". Er glaube, dies könne "über die Grenzen hinaus ein Best-Practice-Modell" zur Zukunftsgestaltung werden.

Wohnen, arbeiten, lernen

Entstehen sollen neben Eigentums- und Sozialwohnbauten, Schule und Kindergarten auch "kleinere Handelsflächen an der Salurnerstraße zur Nahversorgung". "Grünanlagen und ein Wohlfühlfaktor sind ein wesentlicher teil der Überlegungen", ergänzt Florian Unterberger. "Die nächste Stufe des Schul- und Kindergartenbaus muss in Weißach stattfinden", ist sich Bgm Krumschnabel sicher. Wieviele Baustufen und Bauteile in welcher Höhe und Ausgestaltung entstehen sollen, können die Projektanten derzeit nicht sagen, dies werde in den Workshops und im Wettbewerb geklärt. Jedenfalls sollen hier Ideen entwickelt werden, die später auch an anderen Teilen der Stadt umgesetzt werden könnten.

"Das Areal ist in etwa so groß wie die gesamte Kufsteiner Innenstadt", umreisst Sandra Bodner die Fläche. "Wichtig ist, dass später hier auch die Bevölkerung einbezogen wird. Wir haben eine gemeinsame Basis gefunden, in welche Richtung das geht, da wird einiges ins Rollen kommen."
"Bis das fertig ist, vergehen fünf bis zehn Jahre", schätzt Fritz Unterberger aus seiner Projekt-Erfahrung heraus. In welcher Form die Kufsteiner für das Kasernenareal Ideen einbringen können, werde derzeit in den Workshops diskutiert. Den drei Beteiligten Akteuren gehe es jedenfalls um eine nachhaltige, zukunftsträchtige Gestaltung.

Factbox

  • Gesamtfläche von über 65.000 m²
  • Lechner Immobilien GmbH (ein Unternehmen der Bodner Gruppe) (42.580 m²)
  • Stadtgemeinde Kufstein (19.000 m²)
  • B&U Immobilien GmbH der Firmen Bodner und Unterberger (3.459 m²)

Auf Basis der vom Zukunftsinstitut entwickelten Methode "Future Room" wird bis Ende August 2019 ein zweiphasiger Prozess umgesetzt:

  • Phase 1: Entwicklung einer gemeinsamen VISION für den neuen Stadtteil mit den in der Erstphase teilnehmenden Experten/Stakeholder. In dieser Phase nehmen gesamt ca. 15 Personen teil. Neben Vertretern der Investoren und der Stadt Kufstein (Politik und Verwaltung) sind auch Vertreter der FH Kufstein Tirol, der Innovationsplattform Kufstein (i.ku) und des Zukunftsinstituts dabei. Geplant bis Ende Mai 2019.
  • Phase 2: Definieren von Zielgruppen und Personas, identifizieren von kritischen Erfolgsfaktoren, sowie Entwicklung konkreter Ideen. In dieser Phase wird die VISION aus Phase 1 konzeptionell vertieft. Geplant bis Ende August 2019.


Die Parameter der Projektbeteiligten

  • Es müssen alle Aspekte und Ansprüche an modernes Wohnen berücksichtigt werden. Gleichzeitig ist aber darauf zu achten, Rahmenbedingungen und Realisierungsmöglichkeiten im Auge zu behalten. Durch die zunehmende Individualisierung und damit verbunden auch die räumlich und zeitliche Entgrenzung von Arbeit und Freizeit, verändern sich die Ansprüche an den Wohnraum und das Wohnumfeld.

  • Auch die Verkehrswende wird kommen und die Städte müssen sie gestalten. Das Stadtwachstum soll nicht zu mehr Autoverkehr führen. Das „zu Fuß gehen“, das „Radfahren“, bzw. das „Fahren mit dem Bus“ im innerstädtischen Bereich muss forciert und ausgebaut werden.

  • Immer mehr Menschen nutzen den Lebensraum Stadt (nicht nur zum Arbeiten und Einkaufen, sondern auch zum Wohnen). Davon profitieren viele Städte, so auch Kufstein – die zweitgrößte Stadt in Tirol. 

  • Seit 2010 ist die Bevölkerung von Kufstein um rund 2.300 Personen (Hauptwohnsitze) gewachsen. Das entspricht einer Zunahme um etwa 13% Prozent innerhalb von 10 Jahren. Im nächsten Jahr (2020, spätestens 2021) wird Kufstein die 20.000 Einwohner Marke (Hauptwohnsitze) überschreiten. Inklusive der Nebenwohnsitze leben derzeit über 21.000 Einwohner in Kufstein. Mit dem gestiegenen Interesse am Leben und Arbeiten in der Stadt steigt zugleich auch der Bedarf an attraktivem Wohnraum. 

  • Im Zukunftsranking der österreichischen Bezirke 2019 belegt Kufstein Platz 3 und hat sich damit nach Rang 6 im Vorjahr nun in die Spitzengruppe eingereiht. Die besten Ergebnisse verzeichnet der Bezirk in den Bereichen Arbeitsmarkt und Lebensqualität, wo in den vergangenen Jahren eine äußerst positive Entwicklung festzustellen ist.

  • MOTTO: „Der beste Weg die Zukunft vorherzusagen, ist sie aktiv zu gestalten“ (Alan Kay).

Alle Beiträge zum Thema Unterberger Immobilien finden Sie hier.
Alle Beiträge zum Thema Bodner Gruppe finden Sie hier.
Alle Beiträge zum Thema Stadtentwicklung finden Sie hier.

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