Coronakrise
Industriebetriebe im Bezirk Kufstein gehen verschiedene Wege

Die Kundler Firma "Lindner Traktoren" begegnete der Coronakrise mit einem zweiwöchigen Betriebsurlaub.  | Foto: Lindner
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  • Die Kundler Firma "Lindner Traktoren" begegnete der Coronakrise mit einem zweiwöchigen Betriebsurlaub.
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Die BEZIRKSBLÄTTER im Gespräch mit Vertretern zweier Industriebetriebe aus dem Bezirk Kufstein: "Lindner Traktoren" und "Pirlo" waren nicht gezwungen auf Kurzarbeit zurückzugreifen, müssen aber dennoch auf unterschiedliche Art und Weise mit der Coronakrise umgehen.

KUFSTEIN/KUNDL (bfl/red). Es ist eine Sintflut an Anträgen, die das Arbeitsmarktservice (AMS) im Bezirk Kufstein, aber auch im ganzen Land Tirol, derzeit zu bewältigen hat. Viele Tiroler Betriebe nehmen laut dem AMS die COVID19-Kurzarbeit gut an. Konkrete Zahlen nennen, könne man derzeit aber noch nicht, heißt es sowohl aus der Bezirksstelle in Kufstein als auch seitens des AMS Tirol. Der Grund liegt darin, dass es verschiedenste Wege gibt, auf welchen die Anträge beim AMS hereinkommen (elektronisch, per Post, etc.). "Nach ersten Einschätzungen gehen wir in Tirol von bis zu 5.000 Anträgen auf COVID19-Kurzarbeit aus", informiert das AMS Tirol. Nicht alle Firmen greifen jedoch auf Kurzarbeit zurück, um die Coronakrise bestmöglich zu meistern. So schicken einige ihre Mitarbeiter im Zuge eines Betriebsurlaubes für einen Zeitraum nach Hause und bauen Zeitkonten und Alturlaube ab.

Es wird weitergearbeitet

Diesen Weg wählte auch die Kundler Firma "Lindner Traktoren". "Wir haben uns entschlossen, die Produktion von 30. März bis 13. April 2020 zu pausieren. Grund für diesen Betriebsurlaub bis Ostern ist die Unterbrechung von Lieferketten – zum Beispiel bei Getrieben oder Hydraulikkomponenten", erklärt Marketing- und Exportleiter David Lindner. Das Ersatzteillager und der Kundendienst arbeiteten indes auch während dieser Zeit auf Hochtouren. Ab 14. April ließ die Firma die Produktion wieder hochfahren, allerdings mit erhöhten Schutz- und Hygienemaßnahmen, wie zum Beispiel Mundschutz. Das Auftragspolster sei derzeit "gut", die Produktionsmenge bleibe jedoch bis Mitte Mai vorsichtshalber um 15 Prozent reduziert, erklärt Lindner. 
Anders sieht die Sache bei jenen Firmen aus, die zur kritischen Infrastruktur zählen und auch und gerade in Zeiten der Coronakrise einen wichtigen Beitrag für die Daseinsvorsorge der Bevölkerung leisten. Dazu zählt auch die Kufsteiner Firma "Pirlo", die als Hersteller von Metall- und Kunststoffverpackungen unter anderem für Lebensmittel, Pharmazie, Chemie und Kosmetik ihren Beitrag in Zeiten der Krise leistet. Dort wurde bisher ohne Einschränkungen weitergearbeitet und auch hinsichtlich des Auftragseingangs habe es laut der Firma keine Auswirkungen gegeben.

Lieferketten-Sicherheit ist unterschiedlich

Das trifft neben der laufenden Produktion und auch auf die übliche Lieferkette zu: diese konnte bei Pirlo bisher ebenfalls ohne Einschränkungen aufrechterhalten werden. "Bisher wurden Bestellungen von Rohstoffen, auch aus den stark betroffenen Regionen in Italien, termingerecht bestätigt und geliefert. Wir stehen in ständigem Austausch mit unseren Lieferanten und erwarten bei der Rohstoffbeschaffung auch in Zukunft keine Lieferengpässe", erklärt Pirlo-Geschäftsführer Wolfgang Schauer. 
Mit Problemen bei der Rohstoffbeschaffung hatte indes die Kundler Firma zu kämpfen. "Es gab Unterbrechungen in der Lieferkette – zum Beispiel bei Getrieben, Reifen oder Hydraulikkomponenten. Wir hoffen aber, dass sich das in den nächsten Wochen wieder stabilisiert", so Lindner. 

Ausblicke zwischen Zuversicht und Unsicherheit 

Auf die Zukunft blicken beide Firmen mit Zuversicht, gepaart mit ein wenig Unsicherheit. Man will sowohl in Kufstein als auch in Kundl die Lage täglich neu evaluieren. "Die aktuelle Situation ist für alle Menschen neu, die Lage ändert sich von Tag zu Tag. Es herrscht natürlich Unsicherheit, was wiederum zur Zurückhaltung bei Kaufentscheidungen führt. Problematisch ist die Streichung hunderter Hausausstellungen der Händler, wo keine Kunden beraten werden konnten", erklärt Lindner. Deswegen bleibe die Produktionsmenge voraussichtlich bis Mitte Mai um 15 Prozent reduziert. Durch die Coronakise werde laut Lindner aber die Bedeutung der Lebensmittelproduktion in Europa steigen, was sich positiv auf die Landwirtschaft auswirken könnte.
Auch bei "Pirlo" will man die Lage genau beobachten. "Aussagen über zukünftige Ereignisse in derartigen Situationen zu treffen ist sehr schwierig. Die Lage muss Woche für Woche neu betrachtet und dementsprechend bewertet werden", sagt Schauer. Dennoch gehe man aufgrund des positiven Auftragsverlaufes im März vorerst nicht davon aus, dass hier schlagartig ein Einbruch stattfinden könnte. "Wir möchten nichtsdestotrotz auf jegliche Gegebenheiten so gut wie möglich vorbereitet sein und besprechen laufend mit einem ausgewählten Krisenteam vorbeugende Maßnahmen und Szenarien", so Schauer abschließend. 

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Die Kundler Firma "Lindner Traktoren" begegnete der Coronakrise mit einem zweiwöchigen Betriebsurlaub.  | Foto: Lindner
David Lindner glaubt, dass die Bedeutung der Lebensmittelproduktion in Europa nach der Coronakrise steigen wird.  | Foto: Mareyke Frehner
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Pirlo-Geschäftsführer Wolfgang Schauer erwartet bei der Rohstoffbeschaffung auch in Zukunft keine Lieferengpässe. | Foto: Pirlo
Die Firma "Pirlo" zählt zur kritischen Infrastruktur und leistet in Zeiten der Coronakrise einen wichtigen Beitrag für die Daseinsvorsorge der Bevölkerung.  | Foto: Pirlo
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