Neue Weißseejochbahn
"Tourismuswirtschaft verspielt ihre Glaubwürdigkeit schon jetzt"

Die routinemäßige Vorbereitung von Gletscherskigebieten erfordert massive Eingriffe ins "ewige Eis".
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  • Die routinemäßige Vorbereitung von Gletscherskigebieten erfordert massive Eingriffe ins "ewige Eis".
  • Foto: Vincent Sufinyan
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KAUNERTAL. Gerd Estermann von der BI Feldring nimmt in einer Aussendung Stellung zum "Neuen Weg im Tiroler Tourismus" und zur geplanten Weißseejochbahn am Kaunertaler Gletscher.

"Neuer Tiroler Weg im Tourismus"

"Noch ist das Echo der großspurigen Ankündigungen von einem neuen "Tiroler Weg im Tourismus" nicht verhallt, da wird bereits der nächste Angriff auf Tirols hochalpine Natur bekannt gegeben. Bereits Anfang Mai hat das Land grünes Licht für den Bau eines neuen Lifts im Kaunertaler Gletscherskigebiet gegeben. Um 12,5 Millionen Euro soll eine Bahn auf das Weißjoch (3.044 m) gebaut werden, teilweise außerhalb der ausgewiesenen Skigebietsgrenzen, samt neuer Piste. Von Nachhaltigkeit und einem Perspektivenwechsel war im Rahmen der Lebensraum-Perspektivenwoche die Rede. Man wolle nicht mehr auf Masse, sondern auf Qualität setzen. Da passt die Erweiterung eines Gletscherskigebietes ganz und gar nicht ins Bild. Einmal mehr dürfte das mit großem Mediengetöse vorgetragene Zukunftsszenario nicht mehr als ein Werbegag zu sein, um die sensibilisierte Bevölkerung zu beruhigen. In Zeiten der schmelzenden Gletscher auf neue Bahnen und Pisten zu setzen, scheint wie der berühmte Totentanz, ein letztes Aufbäumen vor dem sicheren Ende.

Die routinemäßige Vorbereitung von Gletscherskigebieten erfordert massive Eingriffe ins "ewige Eis".
  • Die routinemäßige Vorbereitung von Gletscherskigebieten erfordert massive Eingriffe ins "ewige Eis".
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Scheibchenweise Erweiterung

Dass die Behörde bei diesem Spiel mitmacht, ist wohl dem immer noch funktionierenden Netzwerk zwischen Seilbahnwirtschaft und Landesregierung geschuldet. Die Abteilung Umweltschutz scheint im Auftrag der ÖVP-dominierten Landesregierung mehr der verlängerte Arm der Seilbahner zu sein als ein Kontrollorgan im Sinne des Naturschutzes. Der Landesumweltanwalt ist machtlos, da die Dimensionen des Vorhabens keine Umweltverträglichkeitsprüfung erfordern, als wäre das Abtragen und Sprengen von 10.000 Kubikmetern Material nur ein kleiner Eingriff in das sensible hochalpine Gelände. Die Strategie der kleinen Schritte mit einer scheibchenweisen Erweiterung war schon in der Vergangenheit erfolgreich, ebenso wie die Praxis, die Bevölkerung erst nach Abschluss der Verhandlungen vor vollendete Tatsachen zu stellen. Der gesetzlich verankerte absolute Gletscherschutz ist nur mehr eine Farce.

Gerd Estermann, Sprecher der Bürgerinitiative Feldring.
  • Gerd Estermann, Sprecher der Bürgerinitiative Feldring.
  • Foto: Dr. Gerd Estermann
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Sensibilität in Umweltfragen

Es stellt sich die Frage, wie lange sich die Tiroler Bevölkerung noch für dumm verkaufen lässt. Vielleicht spekuliert die Politik mit der Vergesslichkeit der Menschen. Vielleicht unterschätzt sie auch deren steigende Sensibilität in Umweltfragen. Vielleicht bekommt sie aber auch die Rechnung bei den Wahlen in zwei Jahren serviert, wenn große Teile der Tiroler Bevölkerung sich fragen, warum immer mehr Naturräume den privaten Interessen einiger weniger Profiteure geopfert werden.
Eines ist aber schon jetzt klar: Die Tourismuswirtschaft hat jegliche Glaubwürdigkeit verspielt. Der 'neue Tiroler Weg' ist nichts anderes als ein Fortschreiten auf alten Pfaden."

Gerd Estermann
Sprecher der Bürgerinitiative Feldring und Initiator der Petition "Nein zur Gletscherverbauung Pitztal - Ötztal!"

Skigebiet am Kaunertaler Gletscher wird um Weißseejochbahn erweitert


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Gerd Estermann, Sprecher der Bürgerinitiative Feldring.
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