27.10.2016, 15:55 Uhr

A380-Bergewagen aus der Steiermark für den Flughafen Madrid

Die findigen Köpfe hinter dem Meisterstück, dem 100-Tonnen-Bergewagen für den Airbus A380: (v.l.) Franz Körbler, Walter Mühlfellner und Josef Ferk.

Bei Metallbau Ferk in Draßling wurde die Erstauslieferung eines Bergewagens der Werndorfer Firma K&M Airporttechnik OG für den Airbus A380 an den Flughafen der spanischen Hauptstadt gefeiert.

So zusagen aus der Not eine Tugend gemacht haben Walter Mühlfellner und Franz Körbler durch ihre Tätigkeit am Flughafen Graz-Thalerhof. Rossmann bereits während seiner noch aktiven Zeit als Kommandant der Flughafenfeuerwehr und Mühlfellner als bis heute aktiver Vorfeld-Koordinator am Thalerhof haben Situationen erlebt, wo es galt nach Reifen- oder Fahrwerksschäden am Rollfeld liegen gebliebene Flugzeuge rasch abzuschleppen. Woran es seinerzeit anfangs mangelte, war ein adäquater und funktioneller Bergewagen für die lädierten Fluggeräte.
Die beiden entwickelten aus ihrer langjährigen Berufserfahrung zunächst für kleinere Flieger Bergewagen und gründeten schließlich die Werndorfer Firma K&M Airporttechnik OG zur Entwicklung von Bergewagen für Flugzeuge unterschiedlicher Größen.

Bergewagen für A380 als Vorzeigestück

Das Meisterstück in der Entwicklung von Bergewagen, um damit Flugzeuge quer oder seitlich in den Hangar zu befördern, lieferte man am Donnerstag, dem 27. Oktober mit der Präsentation des ersten 100-Tonnen-Flugzeugbergewagens für Flugzeuge vom Typ Airbus A380 und die Erstauslieferung an den Flughafen Madrid.
Das eine technische Nische schließende Unternehmen des Duos Mühlfellner & Körbler ließ in der Vergangenheit bereits 30-Tonnen-Bergewagen in Serie, bislang schon 38 Stück, im Matallbaunternehmen von Josef Ferk in Draßling fertigen. Die Auslieferung von Bergewagen von K&M Airporttechnik OG erfolgte in Österreich, nach Deutschland, in die Schweiz, nach Frankreich und Spanien, die Türkei sowie an die NATO.
Höhepunkt der mehrjährigen Partnerschaft ist nun allerdings der 100-Tonnen-Bergewagen, der der heimischen Presse sowie Vertretern österreichischer, slowenischer, deutscher und spanischer Flughäfen bei Metallbau Ferk in St. Nikolai ob Draßling erstmals vorgestellt wurde.

Neues Gerät für besondere Flugunfälle

Der neue, in acht Wochen (von der Auftragsvergabe bis zur Auslieferung) oder 700 Arbeitsstunden in der neuen Betriebsstätte von Metallbau Ferk gefertigte 100-Tonnen- Bergewagen bringt besondere Vorteile. "Durch das Absenken der Trageplattform wird ein ebenes Auffahren auf den Bergewagen ermöglicht. Bei einem Reifenschaden eines A380-Flugzeuges ist es dank unseres Produktes möglich, den Airbus mit der Schleppstange oder Hebelzügen auf den Bergewagen zu ziehen", betont Walter Mühlfellner.
Der neue 100-Tonnen-Bergewagen kommt für die Bergung von Flugzeugen des Typs Airbus A330/A340/A350 und A380 oder auch für Flieger von Boing der Baureihen B747/B777 und B787 in Frage.

Besondere Vorteile

"Die unter das Rad gestellte Plattform lässt sich hydraulisch anheben. Es wurde großer Wert darauf gelegt, dass die Krafteinwirkungen, die durch den Bergeprozess aufs Flugzeug wirken möglichst gering gehalten werden", ergänzt Josef Ferk und verweist auf den für Flughäfen bedeutenden Zeitfaktor. Eine Blockade einer Landebahn kostet dem Flughafen durch entgangene Start- und Landegebühren sowie des Transfers von Fluggästen zu Ausweichflughäfen eine Stange Geld. Im Falle einer Flugzeugbergung ist es daher von großer Bedeutung, dass diese rasch und reibungslos von Statten geht.
"Um das Einsinken des Bergewagens vor allem während des im Sommer weichen Asphalts auf dem Rollweg zu verhindern, wurden der 100-Tonnen-Bergewagen mit zahlreichen Schwerlastrollen aus Polyamid ausgestattet. Dadurch ergibt sich eine Drucklast von maximal 280 kg pro Quadratzentimeter für den 16,5 Tonnen Eigengewicht und bis zu 500 Tonnen Abfluggewicht auf die Waage bringenden Bergewagen bzw. A380. Durch eine Entriegelung sind alle Schwerlastrollen 360° drehbar, wodurch ein "Push Back", das Wenden am Stand, sowie das seitliche Wegziehen des Luftfahrzeuges ermöglicht wird", erläutern Mühlfellner und Ferk.
Auf Wunsch werden auch spezielle Größen der Trageplattform anfertigt. Alle Typen werden durch einen zertifizierten Sachverständigen für Sicherheitswesen und Maschinenbautechniker begutachtet und geprüft. Jeder Bergewagen wird mit CE-Zertifikat und Prüfbuch ausgeliefert.


Technische Einzelheiten

Die exakte Bezeichnung des Meisterstücks von Ferk Metallbau und K&M Airporttechnik OG lautet RD100-100 Tonnen Bergewagen, für den man beim Kauf schon rund 250.000 Euro auf den Tisch legen muss. Die hydraulisch zu hebende und absenkende Trageplattform hat eine Länge von rund 5 Metern und eine Breite von etwa 2,5 Metern. "Dafür werden bei der Produktion 5 Zentimeter dicke Stahlplatten verwendet. Bei entsprechender Belastung biegt sich der Federstahl bis zu 4 Zentimeter durch", weiß Josef Ferk zu erzählen.
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