Einzige Lokführerin im Bezirk Leoben
Weibliche Verstärkung auf Schiene
- Ein Gefühl von Freiheit: "Ich habe den richtigen Beruf für mich gefunden", freut sich Quereinsteigerin Conny Leitner aus Kaisersberg bei St. Stefan, die nun ausgebildete Triebfahrzeugführerin ist.
- Foto: Astrid Höbenreich-Mitteregger
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Die St. Stefanerin Conny Leitner hat mit 45 Jahren von Einzelhandelskauffrau auf Lokführerin umgesattelt und ist damit aktuell die einzige Triebfahrzeugführerin im Bezirk Leoben.
ST. STEFAN/LEOBEN. Freude, Stolz und Erleichterung waren riesengroß, als Conny Leitner kürzlich die Prüfungen zur Triebfahrzeugführerin der ÖBB mit Bravour meisterte. Die Belohnung für fast ein Jahr intensives Lernen in der Ausbildung. Monate, in denen Freizeit hintangehalten und Familie und Freunde zurückstecken mussten.
„Bevor ich mich tatsächlich für die Ausbildung zur Lokführerin entschieden habe, gab es viele Gespräche mit meinem Mann und den Kindern“, erzählt die Mama von vier Töchtern im Alter von 14 bis 24 Jahren. Und alle standen hinter ihr, bekräftigten die damals 44-Jährige in ihrem Wunsch, beruflich einen kompletten Neustart zu wagen.
Quereinstieg bei den ÖBB
„Ich war 29 Jahre lang als Einzelhandelskauffrau im Verkauf tätig und ich wollte das einfach nicht mehr. Ich wusste, dass ich künftig beruflich frei und unterwegs sein möchte und habe mich umgeschaut, welche Möglichkeiten es diesbezüglich gibt“, sagt Conny Leitner, die mit ihrer Familie in Kaisersberg wohnt.
Buslenkerin wäre eine Option gewesen, die andere, die ihr besser gefiel, war Lokführerin bei den ÖBB, von denen sie eine Stellenanzeige sah. Also bewarb sie sich und wurde nach intensivem Aufnahmeverfahren aufgenommen. „Ich hatte mit der Eisenbahn davor überhaupt nichts zu tun, bin nicht einmal oft Zug gefahren“, gesteht sie.
- Conny im Führerhaus der S-Bahn. Im November finden noch die Prüfungen über die fünf verschiedenen Loktypen statt.
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Wissen von null auf aneignen
Vergangenen November startete die Ausbildung. Der praktische Teil von Graz aus, der theoretische im ÖBB-Bildungscampus im niederösterreichischen St. Pölten. „Dreimal ein Monat lang“, erklärt Leitner. „Wenn ich zu Hause war, gab es kaum etwas anderes als Lernen, das Schwierigste für mich waren die eisenbahnspezifischen Ausdrücke, die Technik und der Strom. Ich musste mir das Wissen von null auf aneignen.“
- Am Bahnhof Leoben eingestellt: Conny mit der neuen Lok Vectron 1293 143.
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Einzige Frau in der Ausbildung
In der Ausbildung war die 45-Jährige die einzige Frau und die älteste unter den großteils jungen Männern. „Aber wir hatten viel Spaß. Worüber meine Kollegen immer gelacht haben, war meine Lernmethode. Ich habe alles mitgeschrieben und Karteikarten angefertigt. So lernt man heute offenbar nicht mehr, denn außer mir hat das niemand so gemacht. Die haben alle nur zugehört.“
Spitzname "Güter-Conny"
Schon die erste Trainingsfahrt in einer Lok habe ihr „so richtig Spaß“ gemacht. „Die Zeit, in der man mit Fahrtrainern zu Übungszwecken im Führerstand mitfährt, nennt man ‚Beimannzeit‘“, erklärt Conny Leitner. Sie sei meist mit Güterzügen unterwegs gewesen, was ihr den Spitznamen „Güter-Conny“ einbrachte. „Güterzüge sind schwerer zu fahren als Personenzüge, vor allem wenn es regnet. Man muss bedenken, dass man da oft rund 3.000 Tonnen – etwa beim Erzzug – ziehen und wieder zum Stillstand bringen muss.“
- So sieht der moderne Führerstand in heutigen Loks aus.
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Zug um Zug Prüfungen
Noch heißt es aber bis November weiterlernen: Leitner muss sich nun Wissen über die Bahnstrecken aneignen und das Funktionieren und Bedienen fünf verschiedener Loktypen lernen. "Das heißt eine Woche Theorie, eine Woche Praxis. Danach finden die Prüfungen für die jeweilige Lok statt und zusätzlich eine schriftliche Prüfung über die gesamte Technik", erklärt die 45-Jährige. Ist das geschafft, darf Leitner schließlich alleine "auf Schiene sein". Zug um Zug zum Ausbildungsende sozusagen. Ihr nächstes großes Ziel ist es, anschließend eine Dienststelle in Leoben zu bekommen. Derzeit ist diese in Bruck an der Mur.
"Bitte traut euch!"
Obwohl schon viele weibliche Lokführer in der Steiermark unterwegs sind, sind die Männer doch in der Überzahl. „Ich habe als Frau aber überhaupt kein Problem. Mit Männern zu arbeiten, ist sogar einfacher, man muss sich nur behaupten. Und da ist dieser gute Zusammenhalt mit den Fahrtrainern und Kollegen. Ich habe für mich das Richtige gefunden“, ist Conny Leitner begeistert.
An die Frauen gerichtet, appelliert sie: „Bitte traut euch! Jede Frau kann das schaffen“, und schmunzelnd fügt sie hinzu: „Ich brauche Verstärkung.“ Übrigens: Die allererste Lokführerin Österreichs, Monika Lechner, kam Anfang der 1990er-Jahre aus Leoben.
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