Keine Noten, keine Limits
Wie Leobener Jugendliche gemeinsam Geschichten schreiben
- In der Stadtbibliothek verfassen zehn Jugendliche im Rahmen der "Schreibzeit" ihre eigenen Geschichten, die am Ende der Woche präsentiert und im Anschluss als Buch veröffentlicht werden. Im Bild: Annika, Mila, Julia und Ella (v. l.)
- Foto: MeinBezirk/Astrid Moder
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Keine Schulnoten, kein Zwang, dafür jede Menge Raum für Fantasie: Bei der „Schreibzeit Leoben“ arbeiten zehn Jugendliche intensiv an eigenen Geschichten. MeinBezirk hat die jungen Autorinnen und Autoren in der Stadtbibliothek besucht.
LEOBEN. Wer glaubt, Jugendliche verbrächten ihre Sommerferien ausschließlich vor Bildschirmen oder am Badesee, wird in diesen Tagen in der Stadtbibliothek Leoben eines Besseren belehrt. Zehn Kinder und Jugendliche im Alter zwischen elf und 17 Jahren haben sich dort zusammengefunden, um eine Woche lang intensiv an eigenen Texten zu arbeiten.
Die „Schreibzeit Leoben“ setzt dabei auf ein Prinzip, das im Schulalltag oft zu kurz kommt: freies Schreiben ohne Leistungsdruck. „Es geht weg von Richtig und Falsch“, erklärt Betreuerin Julia Hofer den Grundgedanken der Schreibzeit Leoben. „Das hat im Schulalltag durchaus seine Berechtigung, aber hier gilt Kreativität ohne Grenzen. Austoben und ausprobieren. Es geht darum, sein eigenes Richtig zu finden.“ Dass die Bibliothek dafür der ideale Ort ist, steht für Betreuerin Sophia Lehner außer Frage: „Die vielen Werke geben viel Inspiration.“
- Viele der Jugendlichen kommen bereits seit Jahren zur "Schreibzeit". Im Bild: Carla, Aurelia, Rabea und Eva (v. l.)
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„Auf die dunkle Seite gewechselt“
Veranstaltet wird die „Schreibzeit Leoben“ von der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz in Kooperation mit der Stadt Leoben. Die Betreuerinnen Julia Hofer, Marie Pichler und Sophia Lehner wissen genau, wie sich die Jugendlichen auf der anderen Seite des Tisches fühlen – sie sie haben selbst als Teilnehmerinnen gestartet. „Wir sind auf die dunkle Seite gewechselt“, lacht Marie Pichler.
Sie begegnen den Nachwuchsautorinnen und -autoren auf Augenhöhe. Neben Tagesbesprechungen und Schreibphasen gehören ehrliche Feedbackrunden – in großer Runde, aber auch im kleinen Vier-Augen-Rahmen – zum Programm. Wenn der Text hakt oder eine Blockade droht, tippt hier niemand stur weiter. Stattdessen geht es ab an die frische Luft, um einmal durchzuatmen.
- Stadtbibliotheks-Leiterin Corinna Schaffer mit den Betreuerinnen Julia Hofer, Marie Pichler und Sophia Lehner. (v. l.)
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Ein Mehrwert in der heutigen Zeit
Für die Stadtbibliothek Leoben ist der sommerliche Besuch eine Bereicherung. Bibliotheksleiterin Corinna Schaffer freut sich über die Energie im Haus: „Es ist eine Ehre, dass das Angebot so gut angenommen und die Bibliothek als Input genutzt wird. Die Bibliothek ist ein Ort der Kommunikation, des Austauschs und der Kreativität.“ Aus ihrer Sicht geht der Gewinn der Schreibwoche über das reine Handwerk hinaus: „Die Schreibzeit fördert auch die Empathie, was in der heutigen Zeit extrem wichtig ist.“
Während in vielen Debatten über Jugend und Medien oft nur von künstlicher Intelligenz und schwindender Aufmerksamkeitsspanne die Rede ist, zeichnen die Teilnehmenden ein anderes Bild. Wenn überhaupt, nutzen manche die Technik für eine schnelle Synonym-Suche oder für die Bilderstellung ihrer Figuren.
Wenn es um Worte und Geschichten geht, zählt das Analoge. „Wenn man seine Ideen und Formulierungen nicht selbst findet, dann ist es besser, das Schreiben zu lassen“, bringt es Mila auf den Punkt. Bei Hängern verlässt sie sich lieber auf den Austausch in der Gruppe als auf Algorithmen.
- Benni und Erik (v. l.) schätzen den Austausch in der Gruppe und die Zeit abseits von Handy und Spielkonsolen.
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Zahlreiche „Wiederholungstäter“
Dass in Leoben extrem viele Stammgäste dabei sind – manche wie Aurelia, Rabea und Eva reisen seit fünf Jahren an – liegt auch am Rahmen abseits der Schreibtische. Man wohnt gemeinsam im Hotel Kindler, geht zusammen einkaufen, kocht, diskutiert und spielt bis abends „Werwolf“. Aber auch Gute-Nacht-Geschichten finden ihren Anklang. Betreuerin Sophia bringt den Jungautorinnen und -autoren „Klassiker, die man einfach kennen muss“, aus der 1992 gegründeten Literaturwerkstatt nahe.
Für Neulinge wie die 17-jährige Carla oder die ebenfalls erstmals teilnehmende Julia eröffnete sich die Gruppe vor allem als ein Ort unter Gleichgesinnten. „Ich hatte noch nie so viel Spaß in der Sommerbetreuung“, so Julia's klares Fazit bereits nach zwei Tagen. Auch Benni und Erik, die bereits zum zweiten Mal dabei sind, schätzen vor allem den Austausch und die Anregungen, die man von den anderen bekommt.
- Die Gruppe ist für viele ein ein Ort unter Gleichgesinnten, wo schon viele Freundschaften entstanden.
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Eine bleibende Erinnerung
Das Spektrum der entstehenden Arbeiten reicht von Alltagsbeobachtungen über Dramen und Superhelden-Tagebücher hin zu düsteren Fantasiewelten und Horrorgeschichten. Parallel zu ihren Geschichten haben Ella, Annika und Mila auch einen lustigen Wordrap zur Auflockerung verfasst, den sie bei der Abschlussveranstaltung präsentieren werden.
Denn am Ende der Woche bleibt den Jugendlichen nicht nur die Erinnerung an eine gute Zeit, sondern auch ein greifbares Ergebnis. Am Freitagabend (Beginn 18.30 Uhr) lesen die Teilnehmenden als Höhepunkt der Woche ihre Texte öffentlich in der Kunsthalle vor. Danach werden die Geschichten gedruckt und als echtes Buch in der Erstdruck-Reihe veröffentlicht und auch lokalen Bibliotheken zur Verfügung gestellt. Oder wie es Annika ausdrückt: „Es ist einfach das gute Gefühl, selbst etwas geschaffen zu haben.“
Das Angebot beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Sommerferien: Einmal im Monat finden auch unter dem Jahr regelmäßige Schreibtreffen in Leoben, Judenburg, Graz, Leibnitz, Deutschlandsberg und Hartberg statt. Wer tiefer einsteigen möchte, kann auch beim jährlichen Literaturwettbewerb mitmachen. Bis Mitte Oktober können Jugendliche dort ihre Texte einreichen – zu gewinnen gibt es eine der begehrten Schreibzeit-Fahrten. Mehr Informationen findest du auf der Homepage.
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