Fataler Parasit
Hundekot ruiniert Milchbetrieb in Kraubath, halbe Herde erkrankt
- Hundekot auf Wiesen und Weiden kann für andere Tiere und die Umwelt weitreichende Folgen haben und einen enormen Schaden anrichten. Im Bild: die betroffene Bäuerin Heidrun Ofner, LK-Bezirksobmann Richard Judmaier und Betreuungstierärztin Barbara Wolfger.
- Foto: LK Steiermark/Daniel Winter
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Ein drastischer Parasitenbefall trifft einen Milchviehbetrieb in Kraubath hart. Weil Hundekot auf Futterflächen gelangte, infizierte sich die Hälfte der Rinderherde mit dem Erreger Neospora caninum. Die Landwirtschaftskammer und Betroffene appellieren eindringlich an die Vernunft von Hundehalterinnen und Hundehaltern.
KRAUBATH AN DER MUR. Der schwerwiegender Fall von Futterverunreinigung sorgt für Bestürzung. Auf dem Milchviehbetrieb von Heidrun Ofner in Kraubath ist die Hälfte der Rinderherde an Neosporose erkrankt. Ursache für die Infektion mit dem mikroskopisch kleinen Einzeller Neospora caninum ist Hundekot, der auf die Futterwiesen gelangte. Die Hinterlassenschaften von Hunden auf landwirtschaftlichen Nutzflächen können gefährliche Krankheitserreger auf Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen übertragen. Der Parasit Neospora löst bei trächtigen Kühen Fehlgeburten aus.
Die Rinderzüchterin Heidrun Ofner betreibt seit 36 Jahren die Zucht von Holstein-Milchvieh: „Das ist mein Beruf, mein Leben.“ Anfang Juli kam es zum ersten Vorfall. Die Bestürzung über die jüngsten Vorfälle in ihrem Betrieb ist ihr deutlich anzusehen. „Eine Kuh hat zu früh zu kalben begonnen, sie hat sich verworfen“, schildert Heidrun Ofner. Der Fötus wurde zur Analyse eingesandt, kurz darauf folgten bereits weitere Fälle.
- Am Hof von Heidrun Hofer wurde die Hälfte des Rinderbestands mit dem Parasiten Neospora infiziert. Im Bild: Bürgermeister Erich Ofner, Heidrun Ofner, Tierärztin Barbara Wolfger und Richard Judmaier, Bezirksobmann LK Leoben. (v. l.)
- Foto: MeinBezirk/Astrid Moder
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„Nach drei Tagen ist das bei der nächsten Kuh passiert. Wir hatten noch kein Ergebnis. Nach zehn weiteren Tagen traf es eine dritte Kuh. Dann erhielten wir endlich das Ergebnis: Neosporose.“ Eine Bestandsuntersuchung zeigte das ganze Ausmaß: Von den 33 Rindern des Betriebs wurden 14 Tiere positiv getestet. Die Weiden grenzen direkt an eine Gemeindestraße, an der täglich Personen mit Hunden unterwegs sind, obwohl dort Ständer mit Hundekotbeuteln und Mistkübel bereitstehen.
Keine Heilung für infizierte Tiere
Der Hauptwirt des Parasiten ist der Hund. Wenn ein infizierter Hund seinen Kot auf einer Futterwiese hinterlässt und das gemähte Gras an die Rinder verfüttert wird, nehmen diese die Krankheitserreger auf. Die betreuende Tierärztin Barbara Wolfger erklärt die medizinischen Folgen: „Dieser Parasit dringt über die Plazenta, also über den Mutterkuchen, von der Kuh in das Kalb und führt dabei zu einer Infektion des Fötus. Das kann dazu führen, dass entweder das Gehirn oder der Herzmuskel infiziert wird und führt zum Absterben dieses Fötus“.
Für Menschen bestehe durch den Erreger keine Gefahr, das Fleisch könne ganz normal verwertet werden. Eine Heilung für die Rinder gibt es jedoch nicht. Positiv getestete Tiere müssen schrittweise aus dem Bestand ausgeschieden und geschlachtet werden. Da es keine wirksame Behandlung dieser Erkrankung bei Rindern gibt, seien laut Wolfger präventive Maßnahmen und Bewusstseinsbildung der einzige Weg, um eine Verschmutzung des Rinderfutters mit Hundekot zu vermeiden.
- Hunde übertragen durch ihren Kot Parasiten, die für andere Tiere lebensbedrohlich sein können.
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Es gehe um ein respektvolles Miteinander zwischen Hundehalterinnen und -haltern und der Landwirtschaft, betont Richard Judmaier, Bezirksobmann der Landwirtschaftskammer (LK) Leoben. Bereits vor einigen Jahren wurde deshalb seitens der LK ein Ehrenkodex erstellt. Dieser Kodex enthält sieben Regeln für ein gutes Miteinander von Mensch, Hund und Weidetieren.
„Es mag zwar 'nur' ein Hundstrümmerl sein, aber dieses kleine Trümmerl kann eine ganze Rinderherde auslöschen. Dieser Tragweite müssen sich Hundehalterinnen und Hundehalter bewusst werden“ , so die Tierärztin. Der Neospora-Parasit sei weltweit der häufigste Auslöser für Fehlgeburten bei Rindern. „In den USA wird davon ausgegangen, dass etwa ein Drittel der Aborte auf Neosporen zurückzuführen ist.“
Erhöhtes Risiko durch Rohfleischfütterung
Da die Rohfleischfütterung („Barfen“) bei Hundehalterinnen und Hundehaltern ein zunehmender Trend ist, steigt auch das Infektionsrisiko für die Hunde und in Folge für die Nutztiere. Um die Übertragung von Parasiten zu verhindern, erfordert dies noch mehr Sorgfalt bei der Beseitigung des Hundekots. Wolfger verweist darauf, dass sich das Infektionsrisiko beim Barfen senken lässt, wenn das Rohfleisch vor der Verfütterung eingefroren wird.
- Die LK schätzt den entstandenen Gesamtschaden ohne Tierarztkosten für den Betrieb auf 35.000 bis 40.000 Euro.
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Hoher finanzieller Schaden für den Betrieb
Der Ausfall der Tiere trifft den Betrieb wirtschaftlich extrem hart. Kammerobmann Judmaier, der selbst Milchbauer ist, zeigt sich persönlich zutiefst betroffen über das Hofschicksal und die Kosten, die auf den Betrieb zukommen, da diese Situation die Existenz massiv bedrohe.
Es erfordere enorme Mittel aus der eigenen Basis, um überhaupt weiterarbeiten zu können – vergleichbar mit der Situation, wenn Arbeitnehmer ihr gesamtes Erspartes aufbrauchen müssten, um ihren Beruf überhaupt weiter ausüben zu dürfen. „Es ist eine große Tragik, die sich an sich leicht hätte vermeiden lassen können“, so das ernüchternde Fazit des Kammerobmanns. Die LK schätzt den entstandenen Gesamtschaden ohne Tierarztkosten für den Betrieb auf 35.000 bis 40.000 Euro.
Auch der Kraubather Bürgermeister Erich Ofner zeigt sich betroffen und betont, dass die Gemeinde ausreichend Infrastruktur mit Hundekotbeuteln zur Verfügung stellt. Er bittet alle Hundehalterinnen und Hundehalter eindringlich, die Hunde an der Leine zu führen, das Angebot der Kotbeutel zu nutzen, und die Hinterlassenschaften ordnungsgemäß zu entsorgen.
- Bürgermeister Erich Ofner ersucht Hundehalterinnen und -halter die von der Gemeinde bereitgestellten Hundekotbeutel zu nutzen. Im Bild mit Heidrun Wolfger
- Foto: LK Steiermark/Daniel Winter
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Kleine Hinterlassenschaften - großer Schaden
„Wiesen und Weiden sind die Salatschüssel der Rinder und kein Hundeklo. Das sind kleine Hinterlassenschaften, die großen Schaden anrichten“, resümiert Rosemarie Wilhelm, Öffentlichkeitssprecherin der Landwirtschaftskammer. Neben Krankheitserregern birgt jedoch auch achtlos weggeworfener Müll Gefahren. „Immer mehr Bäuerinnen und Bauern klagen, dass auf Weiden und Wiesen zudem Müll wie Plastikabfälle, Alu- und Getränkedosen, sogar Glasflaschen weggeworfen werde“, ergänzt Judmaier.
Bei der Ernte werden solche Gegenstände wie auch fester Hundekot zerkleinert und im Futter verteilt. Scharfkantige Teile führen im Verdauungstrakt der Tiere zu schweren Verletzungen oder zum Tod.
Appell zur Einsicht und rechtlicher Rahmen
Reicht die Einsicht nicht aus, haben Grundeigentümerinnen und -eigentümer die Möglichkeit, bei Betreten privater Flächen Besitzstörungs- und Unterlassungsklagen einzureichen. Zudem verpflichtet das Steiermärkische Landessicherheitsgesetz Hundehalterinnen und -halter dazu, ihre Tiere ordnungsgemäß zu verwahren, um Belästigungen oder Gefährdungen Dritter zu vermeiden. Gemeinden können darüber hinaus spezifische Leinen- oder Maulkorbpflichten erlassen.
- Richard Judmaier, Bezirksobmann der Landwirtschaftskammer Leoben, zeigte sich tief betroffen vom Hofschicksal der Familie Ofner.
- Foto: LK Steiermark/Daniel Winter
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Die Regelungen mögen den Schutz der Flächen rechtlich absichern. Betroffene und Landwirtschaftskammer plädieren aber vor allem auf gegenseitige Rücksichtnahme. Der Vorfall in Kraubath verdeutlicht, wie entscheidend die konsequente Nutzung bereitgestellter Entsorgungsinfrastruktur für den Schutz von Nutzieren und landwirtschaftlichen Existenzen ist. Oft sind es kleinen Dinge, die große Auswirkung haben. Oder wie es im Volksmund heißt: „Vorsicht ist besser als Nachsicht."
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