07.06.2017, 07:00 Uhr

"Möchte mich als Profi etablieren"

Matthias Schwab gibt am Wochenende sein Profi-Debüt bei Österreichs einzigem European-Tour-Turnier im Diamond Country Club in Atzenbrugg. (Foto: GEPA pictures/ Mario Kneisl)

Matthias Schwab ist Österreichs größte Nachwuchshoffnung im Golf. Wir haben vor seinem Profi-Debüt in Atzenbrugg mit dem Rohrmooser gesprochen.

Du kehrst nach vier Jahren an der Vanderbilt University nach Österreich zurück. Wie fällt dein Resümee aus?
Die vier Jahre in Nashville haben mich schon sehr geprägt. Ich war noch nicht einmal 19 Jahre alt, kam alleine in die USA, musste mein ganzes Leben komplett umstellen, neue Umgebung, neue Freunde, neue Sprache, soziales Umfeld, neue Kultur, bis hin zum Golfspiel. Ich wurde sehr selbständig, weil ich alles selbst für mich organisieren, planen und machen musste. Ich habe davon in jeder Hinsicht, in jedem Bereich meines Lebens sehr profitiert.

Wirst du jetzt wieder nach Rohrmoos ziehen oder gibt es andere Wohnpläne?
Es ist geplant, dass ich vorerst in Rohrmoos leben werde. Ich werde in den kommenden Monaten sehr viel in ganz Europa unterwegs sein, um Turniere zu spielen. Längerfristig werde ich mir natürlich einen anderen Wohnsitz suchen müssen, vor allem mit Rücksicht auf bestmögliche Trainingsbedingungen.

Inwiefern unterscheidet sich die amerikanische Mentalität von jener der österreichischen?
Die Mentalität meiner Teamkollegen in meinem Golfteam war geprägt von Konsequenz, Einsatzwillen, Bereitschaft für den Sport zu leben und daneben noch erfolgreich zu studieren. Im Mittelpunkt stand immer das Ziel. Danach richteten sich unsere Aktivitäten.

Wie bist du eigentlich zum Golfsport gekommen?
Meine Eltern haben mir und meinem jüngeren Bruder Johannes sehr viele Sportarten schon im Kindesalter beigebracht. So auch Golf. Mit 12 oder 13 Jahren hab ich mir das feste Ziel gesetzt, einmal Golfprofi zu werden. Bis zu diesem Alter war ich auch immer am Schifahren und Fußballspielen interessiert, aber es hat sich bald Golf als Lieblingssportart herauskristallisiert. Ich habe dann auch mit dem Schifahren und Kicken aufgehört, um mehr Zeit für das Golftraining aufbringen zu können.

Wie geht es deinem Rücken? Ist die Verletzung komplett ausgeheilt?
Mein Rücken ist Gott sei Dank wieder okay. Ich kann schmerzfrei trainieren und spielen. Damit das auch so bleibt, muss ich fast täglich ein spezielles Fitness- und Physioprogramm machen.

Du hast als Amateur bereits viele Erfolge gefeiert. Wie schwer wird der Umstieg ins Profilager sein?
Das wird sicherlich nicht einfach. So wie ich mich als Amateur von unten in die Weltspitze arbeiten musste, so ähnlich erwarte ich mir das auch als Profi. Es wird nicht möglich sein sofort vorne mitzuspielen. Das war ja auch bei den Amateuren nicht möglich. Es wird einige Zeit dauern bis ich als Profi in den Rankings nach vorne komme. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich den Weg machen kann.

Aktuell spuckt dich die Amateur-Weltrangliste auf Platz fünf aus. Österreich setzt große Hoffnungen auf dich. Wie gehst du mit diesem Druck um?
Das Ranking ist das Eine, der Erwartungsdruck das Andere. Ich lege mir keinen großen Druck auf. Ich werde versuchen meine Sache als Profi wie geplant durchzuziehen und dann werde ich bei aller Konsequenz sehen, wo ich ankomme. Ich freue mich, wenn die Leute in Österreich sich mit mir gemeinsam auf gute Ergebnisse freuen. Ich werde mein Bestes geben, um das zu erreichen.

Was würdest du als deine größte Stärken bezeichnen? Privat und am Golfplatz?
Meine Stärke am Golfplatz ist, dass ich die Bälle gerade schlagen kann. Ich glaube, ich habe auch noch große Reserven im kurzen Spiel. Natürlich kann man den Ball auch immer weiter schlagen und sich dadurch einen Vorteil erarbeiten. Generell habe ich in allen Golf-Bereichen Verbesserungspotenzial, das ich ausschöpfen will. Privat meine ich, dass ich ein sehr ausgeglichener Mensch bin, Ziele für mich festlege und sehr konsequent daran arbeite, diese Ziele zu erreichen. Ich bin auch sehr gerne mit Freunden zusammen oder bei uns in Schladming in den Bergen, mit meinem Bruder beim Wandern oder im Winter beim Schifahren unterwegs.

Dein Auftritt bei „Wetten, dass...“ hat damals die Zuschauer begeistert. Wie blickst du heute darauf zurück?
Es war für mich ein großes Erlebnis. Ein toller Auftritt, der mir sehr viel Spaß bereitet hat. Heute freue ich mich, dass sich immer noch sehr viele Leute daran erinnern und diese Leistung von damals positiv beurteilen.

Auf welcher Tour wirst du zukünftig spielen?
Ich werde in diesem Jahr vor allem auf der European Challenge Tour und vielleicht auch einige Male auf der European Tour spielen. Ich habe derzeit keinen Status auf einer Profitour und bin daher auf Einladungen angewiesen. Mit Hilfe von meinem derzeitigen Amateur World Ranking hoffe ich, einige solcher Einladungen heuer im zweiten Halbjahr zu bekommen. Längerfristig habe ich das Ziel fix auf der European Tour und später auf der US PGA Tour zu spielen.

Was sind deine Erwartungen für Atzenbrugg?
Ich freue mich auf Atzenbrugg. Ich habe dort bereits viermal gespielt, davon dreimal den Cut geschafft. Der Platz gefällt mir, die Leute waren dort immer sehr nett zu mir und ich freue mich vor meinen - hoffentlich zahlreichen - Fans zu spielen.
Ich werde mein Bestes geben und das akzeptieren, was dabei herauskommt. Ich mache mir keinen Druck damit, dass ich mir selbst einen Rang vorgebe. Wenn ich gutes Golf spiele, kommt ein gutes Ergebnis von alleine.

Die Nashville Predators stehen gerade im Stanley-Cup-Finale, die Tennessee Titans spielen in der NFL. Schaust du dir auch andere Sportarten in der Stadt an?
Natürlich schaue ich mir alle guten Sportevents in Nashville an. Ich war auch bei den Spielen von den Predators gegen Anaheim dabei.

Was sind deine sportlichen Ziele für die nächsten zwei Jahre?
Kurzfristig möchte ich einen guten Start als Profi hinlegen und so viel Erfahrung wie möglich sammeln. Ich will gut vorbereitet ins Profilager einsteigen und wie bereits erwähnt, mein Bestes geben und dafür kämpfen. Mittelfristig will ich mir eine Spielberechtigung sichern und mich als Profi etablieren.
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